Hohe Spritpreise: Slowakei schränkt Treibstoffverkauf ein, Italien senkt Benzinsteuer

Eine drohende Ausweitung des Kriegs gegen den Iran auf die Energieinfrastruktur am Golf hat die Ölpreise nach oben getrieben. ‌Der Preis für die Ölsorte ​Brent stieg um bis zu sechs Prozent auf über 109 Dollar je Fass. Weltweit reagieren Regierungen auf die massiv gestiegenen Sprit- und Energiepreise. Italien senkt Steuern, die Slowakei geht gegen Tanktourismus vor, und in Ägypten sollen Unternehmen früher schließen.

In Italien hat die Regierung unter Giorgia Meloni per Dekret Steuern auf Benzin und Diesel gesenkt. Die Preise würden dadurch umgehend „um 25 Cent pro Liter für alle“ fallen, sagte die Ministerpräsidentin auf X. Zusätzlich sollen Speditionen durch Steuergutschriften entlastet werden, um Preisanstiege bei anderen Verbrauchsgütern zu vermeiden. Die Steuersenkungen sind laut Verkehrsminister und Vize-Regierungschef Matteo Salvini „zeitlich begrenzt“. Als dritte Maßnahme sieht das Dekret einen sogenannten Anti-Spekulations-Mechanismus vor, mit dem die Preise an Tankstellen und von Ölkonzernen an die Entwicklung der Rohölpreise auf dem Weltmarkt gekoppelt werden.

Höhere Preise für Autos mit ausländischen Kennzeichen

In der Slowakei ist der Kraftstoff vielerorts billiger als in Nachbarländern. Dort geht die Regierung unter Ministerpräsident Robert Fico nun gegen Tanktourismus vor und schränkt den Verkauf von Diesel ein. Tankstellen können die Abgabemenge künftig auf eine Tankfüllung und zehn zusätzliche Liter begrenzen, sowie für Autos mit ausländischen Kennzeichen höhere ​Preise verlangen. Fico spricht von einem Ansturm von Autofahrern aus Polen, dutzende Tankstellen im Norden der Slowakei seien regelrecht leergekauft worden. Die Maßnahmen gelten zunächst für 30 Tage und betreffen nicht Benzin.

In Ägypten treffen die steigenden Ölpreise auch die Staatskasse, weil Energie teilweise subventioniert wird. Unternehmen sollen ab dem 28. März eine Stunde früher schließen, um Energie zu sparen, teilte der ägyptische Ministerpräsident Mustafa Madbuli mit. Einschränkungen gelten auch für die Regierung: Im Kabinettsgebäude wird ab nächster Woche um 18 Uhr der Strom abgeschaltet.

Die US-Regierung will in dieser Woche ihre Maßnahmen bekannt geben. Der Agentur Bloomberg zufolge sollen sich US-Vizepräsident JD Vance und andere hochrangige Regierungsvertreter ⁠am Donnerstag mit Vertretern der ​Ölindustrie treffen.

USA könnte Regulierung zu Sommerbenzin aufheben

Insidern zufolge sollen in den USA die Vorschriften für den Verkauf von speziellem Sommerbenzin vorübergehend ausgesetzt werden, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Damit wolle Präsident Donald Trump den Anstieg der Energiepreise dämpfen, sagen demnach drei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Durch den Schritt müssten Raffinerien und Tankstellen nicht wie üblich auf die teureren, smogreduzierenden Sommersorten umstellen. Zudem dürfe Benzin mit einem Ethanolanteil von 15 Prozent (E15) auch in der Hauptreisezeit im Sommer verkauft werden. In den USA gelten in den warmen Monaten normalerweise strengere Umweltauflagen. Das vorgeschriebene Sommerbenzin ist weniger flüchtig als Winterbenzin, um die Verdunstung bei Hitze zu verringern und so die Bildung von Smog zu begrenzen. Die Herstellung ist jedoch aufwendiger.

Die Nachfrage nach Lagerkapazitäten für Destillate in den USA hat sich dem Broker Tank Tiger zufolge seit Beginn des Irankriegs mehr als verdreifacht. Händler spekulieren darauf, dass die gestiegenen Preise in Europa und Asien die US-Exporte von Diesel und ​Kerosin ankurbeln. Die wöchentlichen Gebote für Lagerraum seien im laufenden Monat im Vergleich zum Februar um 242 Prozent auf 1,3 Millionen Barrel gestiegen, sagt Tank-Tiger-Manager Steven Barsamian. Dies sei das bisher deutlichste Signal dafür, dass sich der Markt auf eine anhaltende Störung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus einstelle.

Iran stellt Gaslieferungen an Irak ein, Saudi-Arabien drosselt Produktion

Der Iran hat die Erdgaslieferungen an das Nachbarland Irak inzwischen offenbar gestoppt, um den eigenen Bedarf zu denken. Das sagte ein irakischer Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Das angegriffene Feld Pars ist der iranische Teil des weltweit größten Erdgasvorkommens, das sich die ‌Islamische Republik mit Katar teilt. Der Iran nutzt ‌das dort geförderte Erdgas fast ausschließlich für den Eigenbedarf.

Der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Arabien ​hat seine Produktion Insidern zufolge um zwei Millionen Barrel pro Tag (bpd) auf rund acht Millionen bpd gedrosselt. Der Irak und damit der zweitgrößte ⁠Produzent der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) kürzte ​die Förderung seiner Hauptölfelder im Süden des Landes um 70 Prozent auf 1,3 Millionen bpd. Die Vereinigten Arabischen Emirate, drittgrößte Opec-Produzenten, haben ihre Förderung Insidern zufolge mehr als halbiert. Katar liefert normalerweise rund 20 Prozent des weltweiten Angebots an Flüssigerdgas (LNG), hat aber am 2. März den Betrieb seiner LNG-Anlagen gestoppt, weshalb dem Weltmarkt derzeit 20 Prozent des Angebots fehlen. Analysten befürchten, dass Schäden an den Anlagen den Ausfall verlängern könnten. Katars staatlicher Energiekonzern QatarEnergy bestätigte Raketenangriffe auf die Industriestadt Ras Laffan.

Russische Ölexporte ausfuhren trotz gestiegener Nachfrage gebremst

Russland profitiert nur eingeschränkt von den ​stark gestiegenen Ölpreisen. Ukrainische Drohnenangriffe auf die Exportinfrastruktur und schlechtes Wetter bremsen die Ölausfuhren des Landes, zeigen Schätzungen der Nachrichtenagentur Reuters vom Dienstag. Diese stützen sich ​auf Daten des Finanzdienstleisters LSEG ⁠und von Brancheninsidern. Die Ölverladungen aus den ​drei wichtigsten russischen Westhäfen Primorsk, Ust-Luga und Noworossijsk könnten demnach im März auf ‌1,7 ⁠Millionen Barrel pro Tag ​fallen. Geplant waren für den Monat ursprünglich 1,8 Millionen.

Dabei ist die Nachfrage nach russischem Öl gestiegen. Asiatische Staaten ​wie Thailand, Indonesien und Sri Lanka bekundeten Interesse, nachdem die USA eine einmonatige Ausnahmegenehmigung für den Kauf von russischem Öl erteilt hatten. Zudem ordern auch große staatliche chinesische Ölkonzerne nach einer viermonatigen Unterbrechung wieder russische Rohölladungen.

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