Höhere Prämien: Warum die Autoversicherung zu Gunsten von viele fühlbar teurer wird

Der Anstieg der Preise in der Kfz-Versicherung hat sich in diesem Jahr zwar etwas verlangsamt. Höhere Prämien für Kasko- und Haftpflichtversicherungen sind aber für das Gros der Autofahrer Realität. In einer repräsentativen Umfrage des Vergleichs- und Maklerportals Verivox haben 60,3 Prozent der Autofahrer angegeben, in diesem Jahr einen höheren Versicherungsbeitrag bezahlen zu müssen. Vor einem Jahr lag diese Quote unter den etwa 1000 befragten Autobesitzern im Alter von 18 bis 69 Jahren noch bei 65,6 Prozent, was auf eine Entspannung hindeutet.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass 22,3 Prozent Prämien in Höhe des Vorjahres zahlten – obgleich keiner der Befragten angab, in den vergangenen zwölf Monaten einen Schaden gemeldet zu haben. In diesen Fällen hätte die Prämie wegen eines höheren Schadenfreiheitsrabatts eigentlich sinken müssen. Daraus folgert Verivox, dass für 82,6 Prozent der Autofahrer die Kfz-Versicherung in diesem Jahr teurer wurde. Eine Preissenkung hätten 10,7 Prozent der Befragten gemeldet, der Rest habe keine Angabe gemacht.

Häufig Preiserhöhungen bei Vollkasko

Insbesondere die Vollkaskosparte belastet die Autoversicherer. Hier haben sie auch am häufigsten Preissteigerungen umgesetzt. 65,2 Prozent der Vollkaskoversicherten erhielten mit der letzten Beitragsrechnung eine Preiserhöhung, für 19,8 Prozent blieb der Beitrag unverändert, so das Ergebnis der Umfrage des Vergleichsportals. Unter den Autobesitzern mit Haftpflichtversicherung geben derweil 52,1 Prozent an, eine Preiserhöhung erhalten zu haben. Für 29,9 Prozent änderte sich der Beitrag nicht.

In den zurückliegenden Jahren haben die deutschen Autoversicherer hohe Verluste eingefahren. So lag nach Angaben des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die Schaden-Kosten-Quote 2023 bei 111,3 Prozent, sie sank 2024 auf 104 Prozent. Das heißt, für einen Euro Beitrag mussten die Versicherer 1,11 beziehungsweise 1,04 Euro ausgeben, um Schäden zu regulieren. Ursache war eine Teuerung bei den Werkstattkosten, welche die allgemeine Teuerungsrate bei Weitem übertraf. Zwar rechnet der GDV, dass bei einer Schaden-Kosten-Quote von 96 Prozent die deutschen Autoversicherer – wenn auch bescheidene – Gewinne einfahren.

Die Ursachen für die Preisexplosion in den Jahren nach der Corona-Pandemie sieht GDV-Präsident Norbert Rollinger, der zugleich Chef der genossenschaftlichen R+V-Versicherung sgruppe ist, aber noch nicht gebannt. Ersatzteile hätten sich in zehn Jahren um 80 Prozent verteuert, und das bei einer Inflation von 30 Prozent, sagte er vergangene Woche vor Journalisten in Frankfurt. Und die Stundensätze in den Werkstätten seien doppelt so stark gestiegen wie die Inflation. „Das hängt auch mit der Optimierung der Einnahmen von Autoherstellern und dem Fachkräftethema zusammen“, so der GDV-Präsident.

2023 und 2024 brachten hohe Verluste ein

Wie tief in der Verlustzone einige Autoversicherer steckten, zeigt auch die jüngste Erhebung des V.E.R.S. Leipzig, der unter anderem Marktanalysen der deutschen Assekuranz erstellt. Die Erhebung bezieht sich auf die Jahre 2023 und 2024. Zahlen für das zurückliegende Jahr liegen noch nicht vor, da die meisten Versicherer ihre Bücher für 2025 noch nicht geöffnet haben. So agierte die Nürnberger Versicherung in der Kfz-Sparte 2024 am verlustträchtigsten, mit einer Schaden-Kosten-Quote von 120,3 Prozent.

Unter den 50 untersuchten deutschen Autoversicherern fuhren auch die Garanta mit 114,5 Prozent und Europa mit 104,8 Prozent in der Verlustzone. Die Huk 24 (Schaden-Kosten-Quote von 98,8 Prozent), Continentale (97,9 Prozent) und Debeka (96,2 Prozent) schrammten nur knapp an der Verlustzone vorbei, in der sich die Huk 24 im Jahr 2023 schon befunden hatte.

Wann ein Wechsel der Autoversicherung möglich ist

Vergleichs- und Maklerportale wie Verivox raten Autobesitzern bei höheren Prämien zum Wechsel des Versicherers. Dies ist grundsätzlich nach einem Jahr Versicherungszugehörigkeit möglich. Durch zunehmend unterjährig abgeschlossene Versicherungsverträge verliert die klassische Wechselperiode im Dezember zunehmend an Bedeutung. Nur eine Minderheit der von Verivox Befragten macht von der Wechselmöglichkeit Gebrauch. 78,2 Prozent geben an, den höheren Beitrag gezahlt zu haben.

Im vergangenen Jahr lag dieser Anteil bei 77,1 Prozent, 2024 bei 70,9 Prozent. Nur wenige, nämlich 4,5 Prozent, überprüfen ihre tarifrelevanten Angaben oder passen diese an. Verivox vermutet als Grund für die Zurückhaltung: Ein knappes Viertel – 23,4 Prozent – gibt an, nicht zu wissen, wann die Laufzeit ihrer Kfz-Versicherung endet.

Mitunter ist es aber auch nicht klug, seinen Autoversicherer zu wechseln. Nämlich dann, wenn bei Abschluss der Police Nebenabsprachen getroffen wurden, so warnen auch Verbraucherschützer. Das gilt beispielsweise für den Rabattschutz. Er greift, wenn im Versicherungsjahr ein Schaden anfällt. Dann verbleibt der Autofahrer in seiner Schadenfreiheitsklasse. Er wird also nicht herauf-, aber eben auch nicht herabgestuft. Nur gilt diese Vereinbarung lediglich in der bestehenden Autoversicherung.

Wechselt der Autofahrer den Anbieter, so wird diesem die aktuelle Schadenfreiheitsklasse mitgeteilt. Selbiges gilt auch für etwaige Sonderabsprachen mit dem Versicherer, etwa für den Zweitwagen, die schon zu Vertragsbeginn nicht in der Einstiegs-Schadenfreiheitsklasse, sondern günstiger eingestuft werden. Hier wird der neue Versicherer die Prämie nach den tatsächlich unfallfreien Jahren berechnen.

Source: faz.net