Was ist dran an Vorbehalten über Deutsche im Ausland, wenn man andere Nationen befragt? Eine aktuelle Umfrage zeigt: Unser Ruf ist global gesehen immerhin besser als die Selbsteinschätzung.
Das kennt man nur zu gut: Viele Reisende aus Deutschland lästern über ihre Landsleute, sobald sie welche unterwegs irgendwo erspähen. Man würde sie oft schon von Weitem überall erkennen, heißt es etwa in Reddit-Foren: an der abgezippten Hose, atmungsaktiver Jack-Wolfskin-Funktionsjacke und mit Proviant gefülltem Deuter-Rucksack, selbst auf Städtetrips.
Im Strandhotel erkennt man sie an ihrem taktischen Kalkül, sich als erste die besten Liegestühle mit Handtüchern zu sichern, bevor sie sich unhöflich beim Büfett-Frühstück vordrängeln. Und im Pauschalurlaub säßen manche abends, während andere Urlauber entspannt den Sonnenuntergang bewundern, krittelnd über einer Excel-Tabelle gebeugt, die alle Unzulänglichkeiten des Hotels akribisch für mögliche spätere Minderungsansprüche protokolliert.
Das klingt alles ziemlich unsympathisch, doch was ist dran an solchen Vorbehalten über Deutsche im Ausland, wenn man andere Nationen befragt? Der Deutschen Ruf ist global gesehen immerhin besser als im eigenen Land, zumindest wenn es um formale Höflichkeit geht.
Das hat der britische Finanzdienstleister Remitly herausgefunden. Der hatte im März 2026 mehr als 4600 Personen aus 26 Ländern befragt, welche Nationalitäten am ehesten mit Höflichkeit assoziiert werden – basierend auf ihren ganz persönlichen Erfahrungen. Die Teilnehmer sollten sowohl Fremdbewertungen als auch eine Selbsteinschätzung abgeben.
Überraschend höflich
Deutschland wird demnach als eine der fünf höflichsten Nationen wahrgenommen, hinter Japan, Kanada, Großbritannien und China. Den Befragten gefällt an den Deutschen ihre direkte Kommunikation, aber auch Respekt, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Rücksichtnahme.
Die Selbsteinschätzung der befragten Deutschen fällt indes deutlich negativer aus: Da reicht es gerade mal für Rang 21. Frei nach dem Motto: höflich, aber nicht herzlich gemeint.
Und wie sieht es mit Freundlichkeit aus? Wie werden da Deutsche von anderen Nationalitäten wahrgenommen? Da hapert es in der Außenwahrnehmung gewaltig. Gute Manieren. Kaum echtes Mitgefühl. Höflich halt, aber mehr auch nicht. Die Deutschen landen auf dem unfreundlichsten letzten Platz.
Ein Grund für das schlechte Abschneiden könnte laut der britischen Umfrage sein, dass der freundliche Smalltalk in der deutschen Kultur vielleicht nicht so selbstverständlich ist wie in anderen Ländern und oftmals auch etwas kürzer ausfällt, was sehr höflich formuliert ist. Als die fünf freundlichsten Nationen gelten übrigens Kanada, Brasilien, Australien, Japan und Spanien.
Auch die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) fragt in regelmäßigen Abständen im Ausland nach, wie die Welt auf die Deutschen blickt. Da fällt auf: Es bleibt, wie es ist. Gerade Ordnungsliebe, Pünktlichkeit und Disziplin werden hochgeschätzt, wenn auch nicht ausnahmslos gemocht, resümiert die GIZ und nennt auch mal kuriose Beispiele.
„Viereckiger Kopf“
Etwa aus China: „Wir Chinesen sagen, die Deutschen haben einen viereckigen Kopf, sie sind zu ordentlich.“ Beim fröhlichen Tanzen, etwa beim Tango, fällt einem Südamerikaner auf, dass es den Deutschen schwer gefällt, wenn es nicht exakt nach den Schrittfolgen geht, die sie beim Tanzkurs geübt hatten: „Das haben wir doch noch gar nicht gelernt!“ .
Oder wie jenen Befragten aus Kolumbien, der über Deutsche in der Umfrage zu Protokoll gab: „Etwas engstirnig. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, dass der Bootsmann auf dem Río Caguán Guerrillero ist – und der stellt bestimmt keine ordnungsgemäße Quittung aus, die man zur Reisekostenabrechnung benötigt!“
Source: welt.de