Bayern Münchens Ärger über den Platzverweis von Luis Díaz aus dem Spiel in Leverkusen schlägt hohe Wellen. Union Berlins Geschäftsführer Horst Heldt glaubt jetzt, dass die Köpenicker die Leidtragenden sein werden.
Horst Heldt hat beim Blick auf die nächste Aufgabe kein gutes Gefühl. Der FC Bayern steht am Samstag (15.30 Uhr, im Sport-Ticker der WELT) für Union Berlin auf dem Plan. Aus Sicht von Heldt: leider. Da kann einem jedenfalls als Gegner schon mal mulmig werden.
Unions Geschäftsführer Heldt aber beschleicht nach den hitzigen Debatten im Münchener Universum vom Wochenende zu allem Übel auch noch der Eindruck, dass es eventuell nicht ganz gerecht zugehen könnte. Die Schiedsrichter es nach der von den Bayern entfachten Furor also im Zweifel eher mit Münchener Branchenprimus halten könnten. Das ist der Tenor aus der Köpenicker Ecke.
„Das nächste Schiedsrichtergespann beim nächsten Spiel – ja Prost Mahlzeit –, die haben es nicht einfach“, sagte Held in der Talksendung „Triple – der Hagedorn-Fußballtalk“ des Senders Sky und begründete es so: „Natürlich wird jede Situation ganz genau beäugt und begleitet.“
Die Causa Díaz – nur der DFB zog am Ende nicht im Sinne des FC Bayern mit
Kurzer Rückblick. Die Bayern hatten am Samstagabend im Topspiel bei Bayer Leverkusen ein paar Schrammen davongetragen. Es reichte nur zu einem 1:1 und vor allem waren da diese Entscheidungen: Ein Treffer von Harry Kane wurde nach Ansicht der Bilder von Dingert wieder einkassiert, weil Kane den Ball im Vorfeld mit dem Ellbogen geblockt hatte. Zudem schickte Schiedsrichter Christian Dingert Luis Díaz wegen einer vermeintlichen Schwalbe mit Gelb-Rot vom Platz. Der Bayern-Star stürzte nach einem leichten Kontakt mit Leverkusen-Torwart Janis Blaswich.
Was folgte, war ein Furor sondergleichen, die Bayern wetterten aus allen Winkeln. Ehrenpräsident Uli Hoeneß sprach von der „schlechtesten Leistung eines Schiedsrichter-Teams“, die er „je bei einem Bundesligaspiel gesehen habe“. Vorstandschef Jan-Christian Dreesen forderte vom DFB, „das Niveau der Leistungen seiner Schiedsrichter zu verbessern“.
Bayern-Präsident Herbert Hainer legte dann noch mal bei „Bild“ nach: „Normalerweise kommentiere ich Schiedsrichter nicht, aber dieses Mal hatte er einen gebrauchten Tag. In Bayern sagt man zu sowas: Satz mit x, das war wohl nix. Dass er nach dem Spiel zugesteht, er würde nach Ansicht der Fernsehbilder Luis Díaz keine Gelb-Rote Karte geben, ist aller Ehren wert – hilft uns und Díaz aber nichts.“
Schlussendlich zogen die Münchener auch noch juristisch gegen den Platzverweis von Díaz zu Felde. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes schmetterte den Einspruch aber am Montagnachmittag ab. Vier Tage lang rollte damit das Donnergrollen in all seinen Facetten über Fußballdeutschland.
„So ein Ausmaß!“, haderte nun Heldt, „dass ist einfach gegenüber den anderen Wettbewerbern auch nicht in Ordnung. Und wir sind die Leidtragenden. Wir werden Samstag die Leidtragenden sein. Und das ist nicht in Ordnung. Das hat einfach einen anderen Aufschlag, wenn Bayern sich öffentlich zu solchen Themen äußert. Es gibt immer Situationen, in denen sich Vereine über Entscheidungen ein Stück weit aufregen. Da kann ich mich auch nicht rausnehmen. Aber das, was da gerade stattfindet, ist kein Vergleich.“
Man könnte nun auf zwei Gedanken kommen. Ist es nicht eher kontraproduktiv, wenn der Geschäftsführer eines Klubs den Unparteiischen, auf die sein Team am Wochenende trifft, mehr oder minder mit auf den Weg gibt, dass er schon vor dem ersten Pfiff arge Zweifel an deren Neutralität hat? Oder Gedanke zwei: Versucht da gerade einer, die Bayern mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, weil der Fokus nun vollends auf den Schiedsrichtern liegt und die sich eventuell zweimal überlegen, ob sie gegen diesen oder jenen zur Tat schreiten?
Vielleicht wird am Ende aber auch alles nur schlicht durch die reinen Machtverhältnisse ins rechte Licht gerückt. Der FC Bayern hat gegen Union Berlin noch nie ein Pflichtspiel verloren. In der Bundesliga gab es acht Siege und fünf Unentschieden, im Achtelfinale des DFB-Pokals in dieser Saison ein 3:2. Zudem hat Union Berlin in dieser Spielzeit mit Abstand die geringsten Ballbesitz-Anteile, spielte die wenigsten Pässe aus der Partie heraus und hat die geringste Passquote – der FC Bayern ist da genau das Gegenteil.
pk
Source: welt.de