Heidi Reichinnek jenseits welcher Aufregung um ihren Audi-Dienstwagen

Viel wurde über Heidi Reichinneks Audi gesprochen. Unsere Autorin hat sie abseits des Trubels getroffen. Was uns die KI nimmt, während sie immer tiefer in unsere Leben eindringt und gute Neuigkeiten: Es gibt mehr Bienen als gedacht

Hallo,

Woran denken Sie, wenn ich Audi A8 sage? Wenn Sie die politischen Debatten der letzten Tage verfolgt haben, sagen Sie jetzt vielleicht: Heidi Reichinnek. Die Aufregung um Reichinneks Dienstwagen möchte ich hier jetzt nicht aufwärmen (auf freitag.de gab es dazu genug zu lesen, falls Sie das interessiert). Ich finde dann eher spannend, was jenseits der Aufregung bleibt.

Heidi Reichinnek ist nicht nur Co-Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Bundestag, sondern auch Social-Media-Star der Partei, Talkshow-Profi und Gesicht und Identifikationsfigur für eine neue, junge Linke, „Red Flag“ für andere. Es ist also vermutlich nicht übertrieben, zu behaupten: Sie ist auch Projektionsfläche (jüngstes Beispiel: „Audi-Gate“).

Wir haben uns also gefragt, was Heidi Reichinnek denn nun wirklich für ein Mensch ist. Bei solchen Fragen ist meine Kollegin Maxi Leinkauf eine der ersten Ansprechpartnerinnen. Ob lange Interviews oder Porträts – Maxi hat für solche Fragen ein großes Gespür. Für ihr Porträt hat sie Heidi Reichinnek im Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern begleitet. Herausgekommen ist das Porträt eines nachdenklichen Menschen, der Grautöne kann. Es geht um „Ost-Identität“ – und was Heidi Reichinnek gerade liest, erfahren Sie auch. Zum ganzen Porträt

1. Heute wichtig

2. Made My Day

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Mehr Bienen als gedacht. Wenn bei Ihnen – wie hier in Berlin – gerade die Sonne scheint, haben Sie vielleicht auch schon das Summen der Bienen im Ohr. Einfach, weil es zum schönen Wetter dazugehört. Umso passender ist eine Nachricht, die die Stimmung heute noch zusätzlich aufgehellt hat. Forscher haben eine umfassende Schätzung veröffentlicht, derzufolge es bis zu 5.200 bislang unbekannte oder unbeschriebene Wildbienenarten gibt. Das lässt doch hoffen!

3. Kultur-Tipp

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Gut zu hören: Wenn Sie kein Fan von summenden Bienen sind, habe ich noch einen anderen Hörtipp für Sie. Im Podcast Blindverkostung widmen sich Host Christian Detig und die Musikkritikerinnen und -kritiker Christine Lemke-Matwey, Kai Luehrs-Kaiser und Andreas Göbel verschiedenen Werken klassischer Musik. Eine Mischung aus Ratespiel und Live-Kritik – im Grunde also eine bildungsbürgerliche Game-Show mit höchstem Unterhaltungswert. Bei diesem „heiteren Interpretenraten“ (so der passende Untertitel) lernt man nicht nur sehr viel über klassische Musik, sondern erlebt auch noch Musikkritiker, die zuweilen auf urkomische Weise ihrem eigenen Klischee entsprechen. Wenn einem dieser Duktus mal zu viel wird, empfehle ich Georg Kreisler als Gegenprogramm. In seiner Nummer Der Musikkritiker nimmt er die Namensgeber auf höchst musikalische Weise aufs Korn.

Zum Podcast Zu Georg Kreisler

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4. Lese-Empfehlung

KI als Freundinnen – ist das erfüllend? Als „Digital-Typ“ beim Freitag gehört es für mich dazu, mich mit Künstlicher Intelligenz zu befassen. Und es ist schon faszinierend, wie gut ChatGPT, Gemini und Co. inzwischen funktionieren – und wie praktisch sie im Alltag sind. Genauso wichtig finde ich aber, die Fragen dahinter zu beleuchten – zum Beispiel, was die KI-Nutzung mit uns als Menschen macht. Rebecca Solnit hat das in einem äußerst lesenswerten Essay getan, indem sie auf die erlebbare Welt blickt, die gegen die Technologie bewahrt werden muss. Nach der Lektüre spaziert man mit anderen Augen durch den realen Frühling da draußen – versprochen!

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In den Sommern meiner Kindheit ging ich oft hinunter zu einem Bach, der sich ein tiefes, von Bäumen beschattetes Bett gegraben hatte und von Brombeersträuchern gesäumt war. Deren lange, dornige Ranken neigten sich vom Ufer herab. Ich verbrachte Stunden damit, Beeren zu pflücken, bis meine Hände von Dornen zerkratzt und violett gefärbt waren und mich die Ruhe dieses Ortes durchdrungen hatte.

Die Beeren an den Zweigen changierten von Grün über verschiedene Rottöne bis hin zu Dunkelbrombeer, von zu hart bis matschig weich. Ich pflückte nur die perfekt reifen, während ich den Vögeln und Bienen lauschte, der Musik des Wassers. In der Luft glitzerten Libellen, in den stehenden Becken des Baches Wasserläufer.

Zu Hause kochte ich die Beeren zu Marmelade ein und füllte sie in Gläser. Wenn ich sie verschenkte, wollte ich nicht nur meine Marmelade weitergeben, sondern etwas von dem Frieden dieses Baches, vom Sommer selbst.

Es spielt keine Rolle, ob Sie Brombeeren pflücken oder Tomaten anbauen. Worum es geht, ist das Eintauchen in den Augenblick, das In-Kontakt-Treten mit der Welt, auf körperliche und sinnliche Weise, sei es beim Tanzen oder Gassigehen mit dem Hund, beim Kuchendekorieren oder Motocrossfahren. Aber heute werden wir von der Ideologie beherrscht, möglichst viel zu haben und möglichst wenig zu tun. Das ist seit Langem die Erzählung des Kapitalismus und nun auch die der Technologie.

zum ganzen Text

Jetzt aber raus in die Sonne – hatten wir hier in Berlin ja seit einem halben Jahr nicht mehr. Und wenn ich noch keine Biene höre, gibt’s für mich stattdessen einen Beethoven, ich hoffe, für Sie auch.

Viele Grüße,

Ihr

Benjamin Knödler

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