HDE-Prognose 2026: So stark werden die Einzelhandelsumsätze dieses Jahr zulegen

Wieder mehr Tüten. Der Handelsverband Deutschland erwartet in diesem Jahr steigende Umsätze. Allerdings fällt der Zuwachs stationär wohl eher gering aus.

Nach dem Umsatzzuwachs im Vorjahr rechnet der Handelsverband Deutschland (HDE) auch in diesem Jahr mit einem Anstieg der Erlöse im deutschen Einzelhandel. Angesichts der anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen wird allerdings ein eher kleines Plus erwartet. Vor diesem Hintergrund formuliert der Verband klare Forderungen an die Politik.

Voraussichtlich 697,4 Mrd. Euro. Auf diesen Betrag beziffert der HDE in seiner heute vorgestellten Prognose die Einzelhandelsumsätze in Deutschland für das Jahr 2026. Damit würden die Umsätze nominal um 2% höher liegen als 2025. Real, also inflationsbereinigt, werde der Umsatz nur um 0,5% wachsen. „Das neue Jahr beginnt für den Einzelhandel ohne richtigen Schwung“, sagte HDE-Präsident Alexander von Preen bei der Vorstellung der Prognose. „Die Verbraucherstimmung macht am aktuellen Rand zwar Hoffnung auf Besserung, verharrt aber weiterhin auf unbefriedigendem Niveau. Zu groß
ist angesichts geopolitischer Konflikte und eines erratischen US-Präsidenten die Verunsicherung.“ Das den Konsumenten zur Verfügung stehende Budget werde zudem anders allokiert. „Geld wird eher für Reisen und Freizeitgestaltung ausgegeben“, so von Preen. 

Kleineres Plus als 2025 erwartet

Insgesamt geht der Verband davon aus, dass sich das Auf und Ab aus dem Vorjahr auch 2026 fortsetzen wird. Das vergangene Jahr hat der Einzelhandel in Deutschland laut HDE mit einem nominalen Zuwachs von 3% auf 683,7 Mrd. Euro abgeschlossen. Die eigenen Berechnungen des Verbandes beruhen auf Daten vom Statistischen Bundesamt (Destatis). Dessen Zahlen, die zeitgleich zu den HDE-Zahlen veröffentlicht wurden, waren 2025 in besonderer Weise durch einen Sondereffekt geprägt. 

„Betriebswirtschaftlich war das Jahr 2025 für viele Unternehmen kein gutes, sondern ein verlorenes Jahr.“

HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth

Nachdem die reale, also inflationsbereinigte, Umsatzentwicklung im Einzelhandel im 1. Halbjahr 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich gestiegen war (plus 3,8%), schwächte sich der Zuwachs im 2. Halbjahr 2025 ab (plus 1,7%). Der Anstieg im 1. Halbjahr 2025 sei unter anderem auf einen Sondereffekt durch die Umstrukturierung eines größeren Unternehmens im Internet- und Versandhandel zum Berichtsmonat August 2024 zurückzuführen, wodurch bisher in Deutschland nicht erfasste Umsätze hinzugekommen waren, heißt es von Destatis. 

Onlinehandel bleibt Umsatztreiber

Der Zuwachs des privaten Konsums habe so nur bei moderaten 0,5% gelegen, betonte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. „Damit haben wir wenig Spielräume für den Einzelhandel. Betriebswirtschaftlich war das Jahr 2025 für viele Unternehmen kein gutes, sondern ein verlorenes Jahr.“ Das wird bei den Destatis-Zahlen für den Einzelhandel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren deutlich. Nominal sanken die Umsätze zwischen Januar und Dezember 2025 um 0,3%, inflationsbereinigt lagen sie 0,8% unter dem Vorjahreszeitraum. 

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Umsatztreiber sei im vergangenen Jahr vor allem der Online-Handel gewesen. Der Online-Umsatz im deutschen Einzelhandel sei auf 92,3 Mrd. Euro gestiegen. Ein Zuwachs von 3,9% im Vergleich zu 2024. Auch für das kommende Jahr prognostiziert der HDE für den Online-Handel ein stärkeres Plus als für den Gesamthandel. So geht der Verband von einem Zuwachs von 4,4% auf 96,3 Mrd. Euro aus. Damit würden die Online-Umsätze 13,8% der gesamten Umsätze im deutschen Einzelhandel ausmachen – 2025 hat der Anteil noch bei 13,5% gelegen. „Wir sehen eine Verschiebung von stationär zu online“, sagte so auch von Preen. Für das überproportionale Wachstum des Kanals sieht er vor allem drei Ursachen: „Der Online-Handel erstarkt, weil mit älteren Kundinnen und Kunden neue Zielgruppen erschlossen werden. Aber auch, weil Preisgestaltung und Höhe der Durchschnittsbons zulegen.“

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Drei von zehn Firmen rechnen mit Pari

Doch auch diese positiven Aussichten kann die generell getrübte Stimmung im Einzelhandel nur bedingt aufhellen. Zu groß seien weiterhin die Belastungen durch steigende Kosten, zu viel Bürokratie und die unsicheren Rahmenbedingungen, heißt es vom HDE. Laut einer Umfrage des Verbandes unter 600 Handelsunternehmen rechnen 49% von ihnen mit Umsätzen unter Vorjahr. Lediglich 2% gehen davon aus, deutlich über Vorjahr zu liegen, 21% rechnen zumindest mit einem leichten Plus. 29% erwarten eine stabile Seitwärtsbewegung im Vergleich zu 2025. 

„Es sieht derzeit nicht nach dem großen Aufatmen im Einzelhandel aus. Wir brauchen jetzt eine echte Aufbruchsstimmung“, sagte von Preen. Die Bundesregierung sei gefragt, mit den richtigen Maßnahmen einen Aufwärtstrend auszulösen. 

Entlastungen gefordert

Eine weitere Umfrage zeigt deutlich, was sich die Unternehmerinnen und Unternehmer vor allem aus Berlin erhoffen. So antworten 75% der Befragten auf die Frage, was die wichtigsten Handlungsfelder der Bundesregierung 2026 sind: spürbarer Bürokratieabbau. Es folgen auf Platz 2 mit 65% „Sozialversicherungsbeiträge senken/Anstieg begrenzen“ und mit 59% „Unternehmenssteuerreform mit Entlastungen“. „Es braucht Entlastungen, die auch tatsächlich ankommen“, sagte von Preen. Die Stromsteuer müsse zeitnah für alle gesenkt werden und bei den Sozialversicherungsbeiträgen brauche es eine dauerhafte 40%-Obergrenze. Stiegen die Arbeitskosten weiter, würde diese zu Stellenabbau im Einzelhandel führen können. So antworten 77% der Befragten der HDE-Umfrage auf die Frage „Hätte ein weiterer Anstieg der Kosten für den Faktor Arbeit negative Beschäftigungseffekte?“ mit „Ja“. 13% antworten „Nein“, 10% kreuzten „Weiß nicht“ an. Bezüglich der Arbeitskosten verwiese der Verband auch auf die anstehenden Tarifverhandlungen. Weitere Erhöhungen seien laut von Preen für die Unternehmen im Einzelhandel kaum zu stemmen. Insgesamt sind 3,1 Millionen Menschen im deutschen Einzelhandel beschäftigt. 

„Wenn die hier geltenden Vorgaben nicht eingehalten werden, muss es auch möglich sein, Plattformen wie Shein und Temu abzuschalten.“

HDE-Präsident Alexander von Preen

In diesem Zusammenhang forderte von Preen auch eine Versachlichung der laufenden Teilzeit-Debatte. „Lassen Sie uns wieder auf ein gewisses Maß an Neutralität und Souveränität zurückgehen und nicht die jeweils andere Seite blamen.“ Die Aussage, dass Menschen vor allem aus Faulheit in Teilzeit arbeiten würden, habe keine Grundlage, genauso wenig wie die Aussage, dass die Arbeitgeber nicht die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter im Blick hätten. „Die Unternehmen brauchen dringend Mitarbeiter, die auch Vollzeit zur Verfügung stehen“, so von Preen weiter. 100.000 Stellen seien derzeit im Einzelhandel nicht besetzt. Hindernis sei dabei oft die fehlende Kinderbetreuung von montags bis samstags. „Wir brauchen hier eine verbesserte Kinderbetreuung, dann können wir auch eine höhere Vollzeitbeschäftigung erreichen“, ergänzte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. 

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Shein und Temu weiter im Blick

Neben dem Kostendruck belasteten das weitere Erstarken der asiatischen Online-Plattformen den deutschen Einzelhandel. „Temu und Shein setzen locker um die 5 Mrd. Euro in Deutschland, mehr als 400.000 Pakete kommen hier täglich an“, so Genth. Die ab dem Sommer geltende Paketgebühr von je 3 Euro wertet er als ersten, aber bei weitem nicht ausreichenden Schritt. „Wir sprechen hier nicht von einem normalen Wettbewerb, sondern von einer unfairen Wettbewerbssituation.“

Die Zollfreigrenze müssten sinken, der Inhalt der Pakete müsste, noch bevor sie nach Deutschland losgeschickt würden, angemeldet werden. „Wir sind da intensiv dran, auch in Brüssel“, betonte der HDE-Geschäftsführer und verwies damit auch auf die Anhörung von Shein, die in der vergangenen Woche vor der EU-Kommission stattgefunden hatte. „Die Aussagen des Marktteilnehmers Shein waren nicht ausreichend“, sagte von Preen und erinnerte an die oft mangelhaften Produkte, die so einfach auf den europäischen Markt kämen. „Wenn die hier geltenden Vorgaben nicht eingehalten werden, muss es auch möglich sein, Plattformen wie Shein und Temu abzuschalten.“ 

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