Haustiere sind als Fahrgäste in der Bahn erlaubt – aber Kinder unter 12 Jahren bleiben verboten. Der französische TGV sorgt mit seinem kinderfreien Luxusabteil zwischen Paris und Lyon für Diskussionen.
Mit Haustier oder mit Kind, das ist bei Luxusbahnfahrten in Frankreich künftig die alles entscheidende Frage. Wer dort die neue Nonplusultra-Klasse im Hochgeschwindigkeitszug TGV buchen möchte, „Optimum Plus“ genannt, der kann einen Hund mitnehmen. Oder seine Katze. Auch einen Hamster, ein Meerschweinchen oder einen Wellensittich.
Hauptsache, die Tierchen sitzen im Körbchen oder in einer Transportbox. Das nennt sich bei der französischen Bahngesellschaft „stillschweigende Übereinkunft unter den Passagieren“ und ist sehr haustierfreundlich.
Falls Sie aber Ihr Baby im neuen Luxusabteil mitnehmen wollen, ein Kleinkind oder überhaupt Kinder unter zwölf Jahren, dann müssen Sie leider samt Ihrer lärmenden Sippe draußen bleiben.
Kinderfrei: „Mehr Ruhe“
Bellen, Quieken und Mauzen sind erlaubt, Kinderlachen aber ist unerwünscht. Das ist schon grenzwertig. Das kinderfreie Abteil bietet nach Angaben der Staatsbahn SNCF nicht nur mehr Ruhe, sondern auch mehr Komfort. Im Umkehrschluss entsteht damit der Eindruck, Komfort für Erwachsene setze die Abwesenheit von Kindern voraus.
Das erste kinderfreie Luxusabteil wird seit Januar 2026 zuerst auf der beliebtesten TGV-Strecke zwischen Paris und Lyon angeboten, und zwar von Montag bis Freitag. Zweifelsohne eine feine Sache: „Ideal zum Entspannen“, schwärmt die Bahngesellschaft.
Es gibt unterwegs für die Gäste einen persönlichen Bordkellner, der eine Mahlzeit an den Sitzen mit Klapptischen serviert und selbstverständlich auch gern für frisches Wasser im Napf und ein Leckerli für mitreisende Hunde oder Katzen sorgt.
Und weil das separate Abteil am hinteren Ende des Zuges liegt, fällt auch das lästige Vorbeimarschieren anderer Passagiere weg. Betreten verboten, sozusagen.
Die neue Premiumklasse richtet sich nach SNCF-Angaben an Kunden „mit dem Wunsch nach optimalen Reisebedingungen“ und sei „bis ins letzte Detail“ durchdacht. Wohl kaum. Was für ein Fauxpas!
Das Kinderverbot sorgt inzwischen für heftige Diskussionen in Frankreich. Jetzt versucht die französische Bahn, den Schaden zu begrenzen. Statt „Kinder sind nicht zugelassen“ hieß es zwischenzeitlich auf der Website der SNCF schwammiger: Die Abteile seien „ab zwölf Jahren zugänglich“.
Nun aber ist die Altersbegrenzung ganz verschwunden – und wird diskreter technisch geregelt. Das geht so: Sobald man bei der obligatorischen Ticketreservierung ein Kind unter zwölf Jahren hinzufügt, wird diese Klasse einfach nicht mehr angeboten. Verschwunden!
Für eine Reservierung mit Hund aber taucht sie wundersamerweise wieder auf. Andere Kleintiere dürfen ohnehin unangemeldet mitreisen.
Auch Schummeln geht nicht, Pech für Familien: Da in Frankreich alle Fernverkehrstickets personengebunden und mit Namen und Geburtsdatum versehen sind, kann man also auch keine gültige Erwachsenenfahrkarte für ein Kind unter zwölf Jahren kaufen.
Für die knapp zweistündige Fahrt von Paris nach Lyon zahlen Passagiere zwischen 108 und 180 Euro. Hunde kosten übrigens nur zehn Euro, Katzen und Kleintiere reisen gratis mit.
Deutsche Bahn: Familienreservierung abgeschafft
In Deutschland wird es auch ungemütlicher, was die Familienfreundlichkeit in der Bahn angeht. Zwar reisen Kinder bis fünf Jahre im Fernverkehr innerhalb Deutschlands immer kostenfrei und ohne eigene Fahrkarte. Bis zu vier Kinder bis 14 Jahren fahren in Begleitung einer Person ab 15 Jahren ebenfalls zwar kostenfrei, müssen aber im Ticket eingetragen sein. Abgeschafft und ersatzlos gestrichen wurde trotz Protesten im Juni 2025 die günstige Familienreservierung für 10,40 Euro für bis zu fünf Personen.
Wer für sich und bis zu vier mitreisende Kinder einen garantierten Sitzplatz haben möchte, muss seither für jeden Platz eine kostenpflichtige Reservierung buchen: In der zweiten Klasse macht das gleich mal 5,50 Euro pro Person, in der ersten Klasse werden 6,90 Euro pro Person fällig.
Kleine Hunde und Katzen in einer Transportbox dürfen bei der Deutschen Bahn im Fernverkehr übrigens immer kostenlos und ohne Ticketeintrag mitgenommen werden.
Source: welt.de