Für Tim Höttges gilt eine Ausnahmeregelung. Eigentlich dürfen Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom maximal elf Millionen Euro im Jahr verdienen, doch wurden für den langjährigen Chef des Telekommunikationskonzerns drei Millionen Euro draufgelegt. Die Anpassung im Vergütungssystem hatten die Aktionäre auf der Hauptversammlung im vergangenen Jahr genehmigt.
Damit soll dem Manager seine letzte Amtszeit bis Ende 2029 versüßt werden – oder, wie es im aktualisierten Vergütungssystem hieß, „dem Umstand Rechnung getragen werden“, dass Höttges sein Mandat ein weiteres Mal vorzeitig verlängert habe. Mit rund 11,25 Millionen Euro hat Höttges seine einstige Gehaltsgrenze im vergangenen Geschäftsjahr sogleich überschritten, wie aus dem Vergütungsbericht zu entnehmen ist, wenngleich bis zum Maximalwert von 14 Millionen Euro noch etwas Luft ist.
Verdi fordert 6,6 Prozent mehr Lohn
Zumindest die Gewerkschaft Verdi dürfte sich die Gehaltssteigerungen von Höttges genau anschauen. In den gerade angelaufenen Verhandlungen für die aktuelle Tarifrunde fordert die Gewerkschaft für die rund 60.000 Tarifbeschäftigten eine Lohnsteigerung von 6,6 Prozent, bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten.
Ausweislich des Vergütungsberichts ist das Gehalt von Höttges im Jahresvergleich um fast ein Viertel gestiegen, 2024 hatte Höttges noch 9,1 Millionen Euro verdient. In den Vorjahren waren es mal knapp neun, dann zwölf, aber auch mal nur gut sechs Prozent Gehaltssteigerung im Vergleich zum Vorjahr. Im Jahr 2021 verdiente Höttges noch etwa sieben Millionen Euro, also gut die Hälfte der jetzt möglichen Maximalvergütung.
Angesichts der Rekordzahlen des mit Abstand größten europäischen Telekommunikationskonzerns und der abermaligen Rekorddividende dürfte die Bezahlung des Vorstandsvorsitzenden auf der an diesem Mittwoch anstehenden Hauptversammlung wenig kontrovers diskutiert werden. Beim Aktionärstreffen läuft der Telekom-Chef regelmäßig zur Höchstform auf. Nachdem er über Jahre immer für die „beste HV-Rede“ ausgezeichnet wurde, läuft der langjährige Dax-Vorstand dort inzwischen außer Konkurrenz.
Auf der Hauptversammlung geht es um Verlässlichkeit
In diesem Jahr soll es um Verlässlichkeit gehen, kündigte Höttges in einem Linkedin-Beitrag an. „Denn in einer Welt, in der vieles unsicher geworden ist, wird Verlässlichkeit zum strategischen Vorteil.“ Künstliche Intelligenz (KI) und digitale Souveränität entschieden darüber, wie wettbewerbsfähig Europa in Zukunft sei. Unternehmen wie die Telekom bauten die Netze, auf denen KI skalieren könne.
Bemerkenswert ist jedenfalls Höttges Verlässlichkeit, wenn es um die Telekom-Aktie geht. Während andere Vorstände des Dax-Konzerns im vergangenen Jahr Kasse gemacht haben, hat Höttges bloß einmal Ende Mai für 1,3 Millionen Euro Aktien gekauft, für 33,50 Euro. Der ehemalige Deutschlandchef Srini Gopalan trennte sich hingegen von Aktien im Wert von 3,4 Millionen Euro, der für das Amerikageschäft zuständige Vorstand Thorsten Langheim verkaufte für 2,78 Millionen Euro. Personalchefin Birgit Bohle tauschte Aktien gegen 2,23 Millionen Euro, und Ferri Abolhassan, der für die Geschäftskundensparte T-System zuständig ist, verkaufte Papiere für 1,2 Millionen Euro. Selbst Finanzchef Christian Illek vereinnahmte knapp 900.000 Euro – nur Höttges hält als Vorstandsvorsitzender eisern an seinen Aktien fest.
Höttges hat fleißig zugekauft
Ausweislich der Pflichtmitteilungen hat der Vorstandsvorsitzende seit Amtsantritt keine einzige Aktie verkauft, sondern im Gegenteil nur zugekauft, insgesamt 17-mal. Seit 2014 kamen nach Berechnung der F.A.Z. so 635.694 Aktien zusammen, für die Höttges knapp elf Millionen Euro bezahlt hat. Über aktienbasierte Vergütungsprogramme, die im Mittelzufluss teilweise eingerechnet sind, kamen weitere 471.641 Aktien aus dem Share Matching Plan zusammen. Auch in seiner Zeit als Finanzvorstand von 2009 an hatte Höttges etwas mehr als 130.000 Aktien gekauft, weiter zurück lässt sich das nicht verfolgen – angefangen zu arbeiten bei der Telekom hat der Manager schon im Jahr 2000.
Würde Höttges zum aktuellen Aktienkurs verkaufen, käme er auf einen Erlös von rund 40 Millionen Euro. Angesichts des üppigen Gehalts ist das tendenziell nicht nötig, der Manager ist nicht bekannt für extravagante Hobbys. Und fürs Yacht-Steuern, eine seiner bekannten Leidenschaften, bleibt dem Vorstandschef auch wenig Zeit. Finanziell muss sich der Manager mit Blick auf die nun langsam doch erkennbare Rente keine Sorgen machen: Ausweislich des Geschäftsberichts hat Höttges sich einen Barwert von Pensionsverpflichtungen von mehr als zwölf Millionen Euro erarbeitet.
Aktien zu halten, lohnt sich für ihn aus einem anderen Grund: Der F.A.Z.-Berechnung zufolge kommt Höttges durch die Aktienkäufe und Zuteilungen seit 2014 auf eine Dividendenausschüttung von mehr als drei Millionen Euro. Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 wird der Hauptversammlung eine Dividende von einem Euro vorgeschlagen.
Für die Aktionäre dürfte die zuletzt jährlich steigende Ausschüttung auch ein Grund sein, das Papier zu halten. Denn auch wenn es operativ gut läuft für die Telekom, schwankt der Aktienkurs seit einem Jahr stark. Seit Jahresbeginn hat er an Wert gewonnen, liegt aber noch knapp unter dem Wert vom Vorjahr. Mit einem Anteil von 17,2 Prozent am Kapital gehören Privatanleger zu einer großen Gruppe der Aktionäre. Auch wenn institutionelle Anleger mehr als die Hälfte des Kapitals besitzen, ist der Bund ein großer Aktionär des einstigen Staatsunternehmens. Der Bund hält über die KfW-Bank 14,2 Prozent und direkt nochmals 14,1 Prozent.