„Haupt neigen und entschuldigen“: Israelischer Minister weist Merz-Kritik mit scharfen Worten zurück

„Haupt neigen und entschuldigen“Israelischer Minister weist Merz-Kritik mit scharfen Worten zurück

14.04.2026, 07:40 Uhr

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Bezalel Smotrich befürwortet den illegalen Siedlungsbau im Westjordanland. (Foto: picture alliance / newscom)

Bundeskanzler Merz stellt eine Forderung an Israel in Bezug auf das Westjordanland. Das empört den israelischen Finanzminister dermaßen, dass er Merz mit Verweis auf den Holocaust zu einer Entschuldigung auffordert. Deutsche dürften Juden nicht vorschreiben, wo sie leben dürfen.

Der rechtsextreme israelische Finanzminister Bezalel Smotrich hat Kritik an Israels Vorgehen im Westjordanland von Bundeskanzler Friedrich Merz unter Verweis auf den Holocaust mit scharfen Worten zurückgewiesen. „Am Vorabend des Holocaust-Gedenktags sollte der deutsche Bundeskanzler sein Haupt neigen und sich tausendmal im Namen Deutschlands entschuldigen, anstatt es zu wagen, uns Moralpredigten darüber zu halten, wie wir uns gegenüber den Nazis unserer Generation verhalten sollen“, schrieb Smotrich auf X in einer Antwort auf einen Beitrag von Merz.

Mit „den Nazis unserer Generation“ meinte der israelische Minister offenbar alle Palästinenser, denen er im Kollektiv das „schlimmste Massaker am jüdischen Volk seit dem Holocaust“ vorwarf – gemeint ist der Angriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023. Der Bundeskanzler hatte zuvor auf X geschrieben, dass er „zutiefst besorgt über die Entwicklungen in den Palästinensergebieten“ sei. In einem Telefonat habe er Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu klargemacht, dass es „keine de facto Annexion des Westjordanlands geben darf“.

Dazu schrieb Smotrich: „Die Zeiten, in denen Deutsche den Juden vorschrieben, wo sie leben durften und wo nicht, sind vorbei und werden nicht wiederkehren.“ Das Westjordanland bezeichnete der Minister der Netanjahu-Regierung als „biblische und historische Heimat“ des jüdischen Volkes. Für die Rückkehr dorthin „entschuldigen wir uns keinen einzigen Moment lang“. Die israelischen Siedlungen im Westjordanland sind nach internationalem Recht illegal.

Hintergrund von Merz‘ Kritik sind Berichte darüber, dass die israelische Regierung 34 neue Siedlungen im besetzten Westjordanland genehmigt hat. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte teilte auf X mit, dass dies die höchste Zahl sei, die jemals auf einmal genehmigt worden sei. „Damit setzt sich der steile Aufwärtstrend beim Bau illegaler Siedlungen fort, der Israels Annexion der besetzten palästinensischen Gebiete ausweitet und festigt“, heißt es in der Mitteilung. Israel müsse „die Errichtung und den Ausbau von Siedlungen unverzüglich einstellen“ und die Besetzung palästinensischer Gebiete beenden.

Das Westjordanland wird seit 1967 von Israel besetzt. Besonders seit dem Überfall der radikalislamischen Palästinensergruppe Hamas auf Israel im Oktober 2023 und dem darauffolgenden Gazakrieg kommt es Menschenrechtsgruppen zufolge im Westjordanland verstärkt zu Landnahmen und Gewalt gegen die dort lebenden Palästinenser durch radikale Siedler. Seit dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar hat die Anzahl von Gewalttaten durch radikale Siedler in dem Palästinensergebiet erneut zugenommen.

Quelle: ntv.de, dsc/AFP/rts

Source: n-tv.de