Haskell Library: Auf Messers Schneide

Wenn Amerikaner sagen wollen, dass etwas den Bach runtergeht, deuten sie zum Boden und sagen: Things are going south. Lateinamerika steht für Niedergang, und natürlich fühlen sich die USA diesem Süden, früher gern „the backyard“, der Hinterhof, genannt, in jeder Hinsicht überlegen. Sie wissen aus sicherer Quelle, nämlich von ihrem Präsidenten, dass da unten jede Menge Drogenbarone, Terroristen, korrupte Sozialisten ihr Unwesen treiben.

Inzwischen haben sich die Dinge in vielerlei Hinsicht geändert. Als Musterbeispiel eines korrupten, autoritären Staates dürfen heute die USA gelten, und das nicht erst seit dem Überfall auf Venezuela. Für die Kanadier beispielsweise sind die USA „the south“ respektive „the shithole country“, also der schlimme, üble Süden: das Reich, in dem die Moral und die politische Kultur zugrunde gehen. Das Land, mit dem man nichts zu tun haben will. Wenn man mit Kanadiern über die Vereinigten Staaten redet, bekommen sie einen bitteren Zug um den Mund, es folgt eine wegwerfende Handbewegung; viele, die ich traf, wollen nicht mehr „da runter“.

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