Osterzeit ist Hasenzeit – Auch wenn der Osterhase mit der Wiederauferstehung Jesu Christi in etwa so viel zu tun hat wie Helene Fischer mit Death Metal. Wir stellen für die Feiertage die tollsten Spielfilme mit Hasen in einer Hauptrolle vor
„Why are you wearing that stupid man suit?“ fragt Hase Frank, Donnie Darko
Collage: der Freitag, Material: gettyimages, IMAGO
Frankie goes to Hollywood
Hasen als Filmcharaktere sind entweder niedlich-witzig – oder verstörend unheimlich. Filmhase Frank präsentiert sich in Richard Kellys Debüt Donnie Darko (2001) in einer metallenen Totenmaske mit zähnefletschendem Grinsen dem depressiven Teenager Donnie (Jake Gyllenhaal). Frank erscheint nach Donnies beinahe tödlicher Begegnung mit einem abgestürzten Triebwerk als übernatürlicher Bote, der ihm den bevorstehenden Weltuntergang ankündigt.
Zugleich stiftet er Donnie zu allerhand Chaos an. Unklar, ob er real, ein imaginärer Freund oder ein Symptom seiner psychischen Krankheit ist. Der Film wurde mit seiner eigentümlichen Mischung aus Coming-of-Age, Sci-Fi und Mystery in den Nullerjahren zum Kultfilm für heranwachsende Millennials, nicht zuletzt wegen seiner zitierfähigen Dialoge (Donnie: „Why are you wearing that stupid bunny suit?“ Frank: „Why are you wearing that stupid man suit?“) und seines Soundtracks. Das Tears-for-Fears-Cover von Mad World wurde durch den Film zum Hit.
Einfach mal Hopps genommen
Ob Klopfer in Bambi oder Bugs Bunny in Space Jam: Warum sind Filmhasen in den meisten Fällen männlich? In Zoomania dreht sich jedenfalls alles um die ehrgeizige Hasenpolizistin Judy Hopps und ihren trickreichen, ausgefuchsten Begleiter Nick, die gemeinsam eine Verschwörung aufdecken. Hintergründiges Thema sind gesellschaftliche Vorurteile, denn die anthropomorphe Stadt Zoomania ist gleichermaßen von Beute- wie Raubtieren bewohnt, die eigentlich friedlich zusammenleben.
Ein grundlegendes Misstrauen bleibt: denn die Fleischfresser können nicht aus ihrem Fell. Auch Judy muss sich als harmlose Häsin dem Vorurteil stellen, keine richtige Verbrecherjägerin zu sein. Der liebevoll animierte Kinderfilm wird auch von Erwachsenen gern mitgeschaut, unter anderem wegen zahlreicher Referenzen. In der Kfz-Zulassungsbehörde arbeiten nur unerträglich langsame Faultiere, Judy ist Fan von Fleetwood Yak und den Beagles – und trommelt mit ihrer Pfote tatsächlich wie Klopfer.
Traumatisierendes Überraschungsei
Ganz und gar kein Kinderfilm ist das britische Zeichentrickwerk Unten am Fluss (1978) von Martin Rosen, das auf dem gleichnamigen Abenteuerroman von Richard Adams basiert. Eine Gruppe von Kaninchen, im Mittelpunkt der junge Rammler Hazel, muss ihre angestammte Heimat verlassen und ein neues Zuhause im englischen Hügelland Watership Down finden.
Dabei begegnen ihnen zahlreiche Hürden wie gefährliche Raubtiere, feindliche Artgenossen und eine lebensfeindliche Umwelt – dargestellt in mitunter sehr albtraumhaften, psychedelischen und blutrünstigen Szenen. Tausende Kinder wurden durch die nicht ganz altersgerechte Freigabe (FSK 6) von diesem Film traumatisiert. Im Netz finden sich zahlreiche Schilderungen von Menschen, deren Eltern den Film für kindertauglich hielten, wie sich die verstörenden Szenen in ihre Augen für immer einbrannten. Der Film-Song Bright Eyes von Art Garfunkel wurde ein Welterfolg und war 1979 die meistverkaufte Single des Jahres.
Das Leben ist wie ein Cartoon Noir
Auch nicht gänzlich jugendfrei ist der Zeichentrick- und Realfilm Falsches Spiel mit Roger Rabbit. In dem teuersten Streifen der 1980er Jahre von Robert Zemeckis (Zurück in die Zukunft, Forrest Gump) existieren Cartoonfiguren in der realen Welt. Dem Hasen Roger wird ein Mord wegen vermeintlicher Eifersucht an dem Industriellen Marvin Acme angehängt. Der gebrochene Privatdetektiv Eddie Valiant macht sich widerwillig an den Fall.
Neben Elementen des Detektiv-Noir-Films gibt es zahlreiche Auftritte bekannter Cartoonfiguren wie Betty Boop, Donald Duck oder Daffy Duck. Roger Rabbit ist bis heute der einzige Film, der Disneys Maskottchen Micky Maus und die Warner-Bros.-Ikone Bugs Bunny vereint. Die Produktion war damals so teuer, da alle Spezialeffekte mit optischen Druckern, Puppenspiel, Stop-Motion-Animation und raffinierten technischen Hilfsmitteln realisiert wurden, also tatsächlich handgemacht sind (und noch kein CGI). Auch deshalb ist der Film visuell gut gealtert.
Der macht nur so eine Hase durch
Hase Nr. 5 heißt Harvey, ist 1,92m groß, gekleidet wie ein Gentleman und unsichtbar. Nur der liebenswerte, etwas exzentrische Elwood (James Stewart) kann seinen besten Freund sehen (es grüßt der weniger freundliche Hase namens Frank). Harvey ist zudem ein Pooka, eine Art schelmischer Gestaltwandler aus der keltischen Mythologie. Damit treibt Elwood vor allem seine Schwester Veta in den Wahnsinn, die ihn am liebsten in ein Sanatorium einweisen würde.
Auch dem Filmpublikum zeigt sich der Hase nicht einmal, wir erblicken ihn nur kurz auf einem Ölgemälde gemeinsam mit Elwood. Sonst ist er nur geisterhaft präsent, wenn er zum Beispiel unsichtbar Türen öffnet. Wir dürfen selbst entscheiden, ob Elwood ein schrulliger, verrückter Mann mittleren Alters ist oder doch der einzig normale Mensch umgeben von sorgenvollen Neurotikern und Egoisten. Der 1950 erschienene Film basiert auf dem gleichnamigen Stück von Mary Chase und ist ein Broadway-Klassiker, der bis heute weltweit inszeniert wird.