Handwerker zeitkritisch gesucht

Stand: 04.03.2026 • 11:50 Uhr

Kaum ein Wirtschaftszweig leidet so unter dem Fachkräftemangel wie das Handwerk. Rund 200.000 Stellen sind trotz guter Berufsperspektiven unbesetzt. Vor allem Kleinbetriebe leiden.

Handwerk hat bekanntlich goldenen Boden, so sagt ein Sprichwort. Zum heutigen Start der Handwerksmesse in München (bis zum 8. März) bringt auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) diese Botschaft an die Öffentlichkeit – aber stimmt sie noch?

Denn Deutschlands Handwerker haben zwar mehr als genug Arbeit, geschätzt fehlen aber 200.000 Fachkräfte. Ende Dezember waren bei der Bundesagentur für Arbeit 119.565 offene Stellen im Handwerk gemeldet. Da etliche Betriebe freie Stellen aber nicht bei der Arbeitsagentur melden, schätzt der ZDH den tatsächlichen Fachkräftebedarf auf 200.000 zusätzliche Mitarbeiter und damit nur geringfügig weniger als im vergangenen Jahr.

Viele gehen in Rente – der Nachwuchs fehlt

Der Mangel an qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist aber nicht die einzige Sorge der Branche. Vor allem der Generationenwechsel in den Betrieben stockt, da viele Handwerker das Rentenalter erreichen und meist keinen Nachfolger finden. Diese Entwicklung gilt als der Hauptgrund dafür, dass nach Schätzung des Zentralverbands die Anzahl der Mitarbeiter in diesem Jahr um 60.000 Mitarbeiter sinken dürfte.

Wobei allerdings auch die gegenwärtige schwierige Konjunkturlage nicht völlig spurlos an der Branche vorbeigeht. Für dieses Jahr erwartet der ZDH für die Branche lediglich ein schwaches Umsatzwachstum von einem Prozent. Anders als etliche große Industrieunternehmen bauen die Handwerksbetriebe jedoch nicht in großem Umfang Stellen ab.

Gute Berufsperspektiven

Im Gegenteil, die Perspektiven sind gut. Trotzdem blieben 2025 blieben deutschlandweit 16.213 Lehrstellen im Handwerk unbesetzt, knapp 3.000 weniger als im Vorjahr. Damit war nach wie vor jeder neunte Ausbildungsplatz vakant. Auch diese Zahlen beinhalten nur die der Bundesagentur gemeldeten Lehrstellen.

„Noch immer haben zu viel junge Leute und nicht zuletzt auch deren Eltern nicht genau im Blick, welche vielfältigen und hervorragenden beruflichen Perspektiven es im Handwerk gibt“, wirbt der bayerische Handwerkspräsident Franz Xaver Peteranderl. „Der noch weit verbreitete Akademikerwahn verstellt den Blick auf die Realität.“

Allerdings macht gerade der Vormarsch der Künstlichen Intelligenz (KI) das Handwerk bei jungen Leuten derzeit wieder beliebter. Denn anders als so mancher Büroarbeitsplatz gelten Handwerksberufe als besonders KI-sicher. Zudem gibt es attraktive Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die bei der Abwägung „Handwerk oder Studium“ eine wichtige Rolle spielen.

Die Politik ist gefragt – Kleinbetriebe besonders unter Druck

Zum Messebeginn erneuert die Branche aber auch ihre Forderungen an die Politik. ZDH-Präsident Dittrich bescheinigt der schwarz-roten Bundesregierung zwar, wichtige Impulse in der Wirtschaftspolitik gesetzt zu haben. Doch wie andere Wirtschaftszweige auch erwarten und fordern die Handwerker mehr und schnellere Reformen, insbesondere Entlastungen bei Bürokratie, Steuern, Energiepreisen und Sozialabgaben.

Laut ZDH stehen vor allem kleine Betriebe mit bis zu vier Mitarbeitern unter Druck. Eine wachsende Zahl von Inhabern gibt danach auf, weil sie keine Nachfolger finden – oder die Belastungen der Betriebe durch Bürokratie, Steuern, Sozialabgaben und Energiepreise es zunehmend erschweren, schwarze Zahlen zu erwirtschaften. Es gibt also genügend zu besprechen, wenn Bundeskanzler Friedrich Merz am Freitag nach München kommt.

Source: tagesschau.de