US-Präsident Donald Trump hat Zölle von 100 Prozent auf Arzneimittelimporte in die Vereinigten Staaten ab 1. Oktober angekündigt. Sollten Arzneimittelhersteller eine Produktionsstätte in den USA bauen, könnten sie damit den Zoll umgehen, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Unternehmen, die entweder bereits einen Baubeginn festgelegt oder mit dem Bau angefangen hätten, seien von den geplanten Zöllen ausgenommen, hieß es weiter.
Gerade die deutsche Pharmaindustrie hatte Zölle gefürchtet: Die USA sind ihr wichtigster Exportmarkt, knapp ein Viertel der deutschen Pharma-Exporte gehen dahin. Aber die Zölle sind auch für Indien schmerzhaft: Das südasiatische Land importiert vor allem Arzneimittel in die USA.
Nicht nur Arzneimittelimporte sollen mit neuen Zöllen belegt werden: Ab Oktober will Trump auch auf Möbel wie Küchenschränke und Badezimmerausstattung einen Aufschlag von 50 Prozent erheben, wie er in einem weiteren Post bekannt gab. So sollen Polstermöbel sollen zusätzlich mit einem Zoll von 30 Prozent belegt werden.
Viele Möbel im niedrigeren Preissegment kommen aus Südostasien. Auf große, schwere Lastwagen will Trump indes Zölle in Höhe von 25-Prozent verhängen.
USA wichtiges Exportland für deutsche Pharmabranche
Zwischen den USA und der EU steht eigentlich seit Sommer ein Deal – dabei wurde für EU-Importe in die Vereinigten Staaten ein Basiszollsatz von 15 Prozent festgelegt. Für europäische Hersteller von Arzneimitteln, Halbleitern und Bauhölzern war dennoch bislang nicht ganz klar, ob die Zollobergrenze von 15 Prozent auch für sie gilt. Auch Autohersteller hatten bis zuletzt Unklarheit – erst am Donnerstag war deutlich geworden, dass für aus der EU in die USA eingeführte Autos rückwirkend zum 1. August die Zölle von 27,5 Prozent auf dann 15 Prozent gesenkt werden.
Für die deutsche Pharmabranche mit ihren etwa 130.000 Beschäftigten sind die USA das wichtigste Exportland. 2024 gingen dem Statistischen Bundesamt zufolge Waren im Wert von 27 Milliarden Euro und damit knapp ein Viertel der deutschen Pharmaexporte in die USA. Damit ist die deutsche Pharmabranche wesentlich stärker vom US-Markt abhängig als etwa der Maschinenbau und die Chemieindustrie. Besonders gefragt waren etwa Impfstoffe.
Unterdessen belasten Trumps Ankündigung neuer Zölle die Börsen in Asien. In Tokio gab der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,3 Prozent auf 45.629,79 Punkte nach. Der breiter gefasste Topix notierte 0,4 Prozent höher bei 3.198,32 Zählern. Die Börse Shanghai verlor 0,2 Prozent auf 3.845,41 Stellen. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen fiel um 0,4 Prozent auf 4.572,70 Punkte.
In ganz Asien fallen dabei vor allem die Aktien von Pharmaunternehmen. Der japanische Pharma-Index gab um 1,4 Prozent nach, während der in Hongkong notierte Index für innovative Medikamente um 2,8 Prozent abrutschte. Die Papiere des südkoreanischen Arzneimittelherstellers SK Biopharmaceuticals fielen um 2,7 Prozent. Die Aktien des australischen Biotech-Unternehmens CSL gaben um 1,6 Prozent nach, nachdem sie zwischenzeitlich mehr als drei Prozent verloren hatten. Ein Index, der die in China notierten Möbelhersteller abbildet, fiel ebenfalls um 1,1 Prozent.