Carina Edlingerova hat Tschechiens erste Paralympics-Medaille seit 16 Jahren gewonnen. Nach dem Triumph öffnet die Biathletin ihr Herz – und berichtet von einem bestürzenden Vorfall kurz vor den Spielen in Peking vor vier Jahren.
Sie hat schlimme Zeiten hinter sich, jetzt berichtet sie über das wohl dunkelste Kapitel ihrer Vergangenheit. Paralympics-Starterin Carina Edlingerova (zuvor Edlinger) gewann 2022 in Peking Gold im Para-Langlauf-Sprint. Auch bei den derzeit in Italien stattfindenden Spielen holte die gebürtige Österreicherin, die inzwischen für Tschechien startet, eine Silbermedaille im Biathlon-Sprint. Es war die erste Paralympics-Medaille für Tschechien seit 2010.
Jahre nach ihrem Gold-Triumph in Peking bestätigte die 27-Jährige nun, dass sie zwei Wochen vor dem Rennen vergewaltigt wurde. Darüber hatte zunächst die „Forbes Austria“ berichtet. Das Magazin schrieb: „Ein prägender Moment war, als sie zwei Wochen vor ihrem Olympiasieg 2022 vergewaltigt wurde und ein schweres Trauma erlitt. Durch ihren Willen und Visualisierungen fand sie zurück auf die Erfolgsspur und ihr persönliches Lebensglück wieder.“
Im Gespräch mit „Laola1“ sagte die Sportlerin jetzt im paralympischen Ort Tesero: „Ich habe in meinen Jahren, auch im österreichischen Sport, sehr dunkle Zeiten erlebt. Ich habe sehr, sehr viel darunter gelitten.“ Und weiter: „Nach außen hin war ich die erfolgreiche junge Lady, die alles Mögliche gewonnen hat, aber wie es so einem Menschen dahinter geht, ist nochmal ganz etwas anderes.“
„Die Goldmedaille habe ich nie wieder angeschaut“, sagt Edlingerova
Das Trauma habe sie auch dank ihres Hundes verarbeitet, der die sehbeeinträchtigte Athletin im Alltag begleitet. Edlingerova: „Ich habe das Ganze zum Glück überlebt, dankenswerterweise auch wegen meines Hundes, der wieder ganz viel Licht in mein Leben gebracht hat.“ Sie betont weiter: „Ich habe psychologisch sehr viel an dem Wort China gearbeitet. Die Goldmedaille habe ich nie wieder angeschaut.“
Nach ihrem Erfolg in Peking begann sie mit der Aufarbeitung des Erlebten: „Nach China war ich 14 Wochen in Therapie, ich bin volley von den Paralympics in der Therapie gewesen. Ich sage, über psychische Gesundheit redet eigentlich keiner, weil dann jeder sagt, du bist ja psychisch krank. Die meisten Leute verstehen nicht, dass ein Mensch dahintersteckt.“ Auf die Frage des Portals, ob Edlingerovas Nationenwechsel mit dem Erlebten zusammenhänge, antwortete sie: „Es ist gut so, wie es ist.“
Edlingerova erkrankte in ihrer Pubertät an Morbus Stargardt, begann mit der fortschreitenden Erblindung 2015 mit dem Para-Langlauf. Seit der aktuellen Saison tritt sie für Tschechien an – jedoch im Para-Biathlon, da sie für Para-Langlauf nicht für den Start berechtigt ist.
Source: welt.de