Gustavo Petro: Der Präsident, den Trump zusammenführen „kranken Mann“ nennt

Vier Stunden schon saß Donald Trump im Oval Office mit Journalisten der „New York Times“ zusammen, als am Mittwoch ein Anruf eines anderen Staatschefs einging, mit dem er sich seit einem Jahr Wortgefechte liefert. Am Apparat: der kolumbianische Präsident Gustavo Petro.

Trump erlaubte den Reportern, mitzuhören, unter der Bedingung, nicht über den Inhalt zu berichten. In der einstündigen Aussprache lud Trump Petro ins Weiße Haus ein, wie er später kundtat. Petro wiederum sagte vor Demonstranten in Bogotá: „Kolumbien kann ruhig schlafen.“ Ist fürs Erste also alles wieder gut?

Zuvor hatte Trump Petro als „kranken Mann“ bezeichnet, dem es gefalle, Kokain in die Vereinigten Staaten zu verkaufen – und einen Militäreinsatz in Kolumbien als Option genannt. Petro zeigte sich kämpferisch: Er habe nach einem Friedensabkommen im Jahr 1989 geschworen, „nie wieder eine Waffe anzufassen, für das Vaterland aber greife ich wieder zu den Waffen, die ich nicht mag“.

Einst schloss sich Petro einer Stadtguerillagruppe an

Der 65 Jahre alte Kolumbianer hatte sich 1977 als junger Erwachsener einer linken Stadtguerillagruppe namens M-19 angeschlossen, die da schon das Schwert des Nationalhelden Simón Bolívar aus dem Nationalmuseum geklaut hatte. An Entführungen und Morden will sich Petro in jenen Jahren nicht beteiligt haben. Als Kämpfer der Gruppe 1985 den Justizpalast besetzten, verfolgte Petro die Ereignisse vom Gefängnis aus an einem Fernseher.

Anfang der Neunzigerjahre ging die Guerillagruppe in einer Partei auf, für die Petro, einer ihrer Mitgründer, in das Unterhaus einzog. Nach Morddrohungen wanderte Petro als Diplomat nach Brüssel aus, seit 1998 lebt er wieder in Kolumbien, wo er viele Jahre später Bürgermeister der Hauptstadt wurde. 2022 glückte sein dritter Versuch, der erste linke Präsident in der kolumbianischen Geschichte zu werden.

Vor einem Jahr dann lehnte Petro zunächst die Landung amerikanischer Militärflugzeuge mit abgeschobenen Kolumbianern an Bord ab, lenkte nach Zollandrohungen von Trump aber ein. Im September entzog Washington Petro sein Visum, nachdem dieser vor dem UN-Hauptquartier in New York bei einer Pro-Palästina-Demonstration ein Megafon zur Hand genommen und gerufen hatte: „Ich fordere alle Soldaten der Armee der Vereinigten Staaten auf, ihre Waffen nicht auf Menschen zu richten. Missachtet die Befehle von Trump. Gehorcht den Befehlen der Menschlichkeit!“

Trump schrieb nach dem Telefonat mit Petro nun, dieser habe ihm „die Drogensituation“ in seinem Land erklärt. Das einstündige Gespräch wird dafür nicht ausgereicht haben. Seit Jahrzehnten leidet Kolumbien unter dem Rauschgifthandel und den Guerillagruppen. Petros Vision eines „totalen Friedens“ erweist sich bisher als Illusion.

Source: faz.net