Wer im Hotel übernachtet, schläft nicht unbedingt in der Bettwäsche des Hotels. Ob Laken, Kissen, Handtücher oder Fußmatten: Oftmals geben die Herbergen ihre Wäsche nicht nur zur Reinigung in die Großwäscherei, sie mieten sie auch von ihnen – selbst dann, wenn die Textilien das Hotellogo tragen. Einer der großen Anbieter in Deutschland ist die Lavatio-Gruppe, die Häuser von Ketten wie Marriott und Maritim bedient, von Hilton und Radisson, und auch den Frankfurter Hof in Frankfurt. Im Nebengeschäft gehören Medizineinrichtungen wie das Klinikum Darmstadt zu den Kunden.
Unter der Ägide von Private Equity (PE) ist das Unternehmen von einer einzelnen Großwäscherei über Akquisitionen zur Branchengröße gewachsen – und kauft weiter zu. Soeben hat es die regional bedeutende Großwäscherei Witteler & Burkhardt (W&B) nahe Heidelberg erworben, wie Lavatio in Kürze bekannt geben wird. Die Gruppe zählt sich inzwischen zu den größten vier bis fünf Anbietern für deutsche Hotels, wie im F.A.Z.-Gespräch Lars Blechschmidt und Fabian Söffge erläutern. Blechschmidt ist Lavatios Geschäftsführer, Söffge Partner beim Finanzinvestor Argos, dem das Unternehmen seit Ende 2024 gehört.
In zweierlei Hinsicht ist Lavatio ein Fall fürs Lehrbuch. Zum einen illustriert er den Trend zum Mieten und Leasen. Dass den Hotels ihre Immobilien nicht gehören, ist weithin geläufig. Dass sie ihre Textilien nicht (mehr) selbst waschen, ebenfalls. Dass aber selbst das Handtuch mit Hotellogo dem Betreiber gar nicht gehört, ist weniger bekannt. Wenn sich die Großwäscherei als Eigner zu erkennen gibt, dann unauffällig, etwa über ein dezent eingenähtes Label. 85 Prozent des Geschäfts erzielt Lavatio mit Mietwäsche, den Rest mit dem Waschen von Textilien, die den Kunden gehören. Von der Mietwäsche werden etwa 80 Prozent kundenspezifisch bearbeitet – der Rest ist „Poolwäsche“, die kundenübergreifend, zum Beispiel unter kleineren Häusern, verteilt wird.
Strategie: Erwerben, zukaufen, ausbauen
Zum anderen ist Lavatio ein klassischer Fall von „Buy and Build“: Private Equity erwirbt mit dieser Strategie zunächst eine kleine Gesellschaft und nutzt die als Plattform für Übernahmen, um Verbundvorteile zu erzielen. Im vorliegenden Fall war der Kern die Großwäscherei Kruppert im hessischen Hünfeld. Der Schweizer Finanzinvestor Ufenau erwarb sie 2018, sortierte sie unter der eigens eingerichteten Holding Lavatio ein und tätigte dann eine Reihe von Akquisitionen. Die einzelnen Häuser arbeiten mit ihren gut eingeführten Regionalmarken weiter. Ufenau ist zwar ein wenig bekannter Name, zählt mit seinen Serienzukäufen für Bestandsunternehmen aber zu den aktivsten Finanzinvestoren in Deutschland: Die Fachleute der Beratungsgesellschaft Oaklins führen ihn in ihrer Jahresanalyse 2025 auf Platz vier.
Nachdem Argos vor einem Jahr übernommen wurde, geht Lavatios Einkaufstour weiter: W&B ist bereits der zweite Zukauf nach einer Wäscherei im Allgäu. Und die nächsten sind schon in Arbeit: „Wir sind gerade mit vier bis fünf weiteren [Parteien] in ernsthaften Gesprächen“, sagt Blechschmidt. „Wir werden in diesem Jahr sicherlich zwei weitere Zukäufe machen können.“ Mit den jüngsten beiden kauft sich Lavatio zwölf Millionen Euro Neuumsatz ein; auf 92 Millionen Euro dürften sich die Erlöse 2025 summiert haben, wenn die Neulinge eingerechnet werden.
Lavatio beschäftigt jetzt mehr als 1000 Mitarbeiter und verarbeitet rund 300 Tonnen Wäsche am Tag. Um die 100 bis 150 Waschzyklen (Waschen und Mangeln) verträgt ein Textil nach Aussage der beiden Manager – wenn der Hotelgast nicht gerade einen Duschvorleger zum Schuhputzen missbraucht, wie Söffge dies als Beispiel aus der Praxis anführt.
Großwäschereien vermieten an Hotels, Kliniken, Fitnessstudios
Sich als Großwäscherei geographisch auszubreiten, hilft, um überregionale Kunden zu gewinnen. „Gruppen, die bundesweit tätig sind, wollen nicht mit 35 Wäschereien an den Standorten arbeiten“, sagt Blechschmidt. „Die möchten idealerweise einen Ansprechpartner haben.“ Lavatio bedient 2300 Kunden aus der Hotellerie, dem Krankenhaus- und Altenheimwesen und der Industrie, die Berufs- und Schutzkleidung mietet und pflegen lässt. Hotels steuern mit 85 Prozent den Löwenanteil zum Geschäft bei – übrigens einschließlich Sportstudiobetreibern wie Fitness First, die in das Segment fallen. Neben den eingangs genannten Hotelketten nennt Blechschmidt als Lavatio-Kunden Premier Inn, Best Western und Flemings. Wichtiger Wettbewerber in dem Segment ist die Augsburger Gesellschaft Greif Mietwäsche, die ihren Umsatz mit etwa 100 Millionen Euro angibt. Bardusch mit 3850 Mitarbeitern ist stärker als Lavatio außerhalb der Hotelbranche engagiert. Ebenfalls in Deutschland aktiv ist der europäische Platzhirsch Elis aus Frankreich, der mit mehr als 52.000 Beschäftigten 3,1 Milliarden Euro umsetzt. Berücksichtigt man alle Kundensegmente, nicht nur die Hotellerie, liegt Lavatios Rang in Deutschland nach Blechschmidts Aussage „wahrscheinlich zwischen sieben und zehn“.
Die industriellen Großwäschereien besetzen das eine Ende der heterogenen Wasch- und Reinigungsbranche, die am anderen Ende bis zur kleinen Reinigung mit zwei Beschäftigten reicht. Der Deutsche Textilreinigungs-Verband schätzt den jährlichen Gesamtumsatz der Branche auf 4,3 Milliarden Euro, überwiegend erwirtschaftet von Kleinbetrieben und Mittelständlern mit durchschnittlich 15 Beschäftigten und weniger als 250.000 Euro Jahresumsatz. Die Zahl der Betriebe ist den Angaben zufolge in den ersten beiden Corona-Jahren um ein Fünftel geschrumpft. Neben der Schließung vieler Kleinstbetriebe „findet im Bereich der mittelständischen Betriebe eine immer weitere Marktkonzentrierung durch Fusionen, Zusammenschlüsse oder Aufkäufe statt“, konstatiert der Verband.
Viele Investitionen nötig
Lavatio und Argos wollen zum Unternehmensgewinn nichts Konkretes sagen. Söffge spricht nur von einer „gesunden Profitabilität“ – und, ja, eine zweistellige Marge auf Basis des operativen Ertrags (Ebitda) dürfe man unterstellen. Das Ebitda bildet üblicherweise bei Übernahmen die Grundlage für die Unternehmensbewertung, die als Vielfaches (Multiple) des Ebitda ausgehandelt wird. Was zur Frage nach der Bewertung beim Erwerb Lavatios führt: Der Multiple sei „branchenüblich“ für diese investitionslastige Industrie gewesen, sagt Söffge, nämlich „deutlich unter acht“. Die Einkaufstour geht jetzt immer weiter, wie er ankündigt: „Wir nutzen weiterhin das Buy-and-Build-Momentum“ – und das könne auch das Investitionsnarrativ für den nächsten Eigner werden, wenn Argos irgendwann weiterverkaufe. „Denn dieser Markt wird sich weiter konsolidieren. Und so ist das sowohl für einen weiteren PE-Investor von Interesse als auch eventuell für einen Strategen aus dem Ausland, der den Markteintritt in Deutschland sucht.“