Nach einer öffentlichen Debatte um einen geplanten Festivalauftritt darf Kanye West nicht in Großbritannien einreisen. Die Regierung verweist auf frühere antisemitische Äußerungen.
Die britische Regierung verweigert US-Rapper Kanye West die Einreise in das Vereinigte Königreich. Die Entscheidung folgt auf die Debatte über geplante Auftritte des 48-Jährigen beim Wireless-Festival in London in diesem Sommer. West war in der Vergangenheit immer wieder mit rassistischen und antisemitischen Äußerungen aufgefallen. Premierminister Keir Starmer hatte die Planung als „zutiefst besorgniserregend“ bezeichnet.
Die Organisatoren des Musikfestivals haben die gesamte Veranstaltung zudem abgesagt. „Als Ergebnis des Einreiseverbots des Innenministeriums“, steht auf der Internetseite des Wireless Festivals, das eigentlich im Juli im Londoner Finsbury Park hätte stattfinden sollen. Bereits gekaufte Tickets werden demnach zurückerstattet.
Übereinstimmenden Medienberichten zufolge hatte der Rapper, der unter dem Namen Ye firmiert, am Montag eine elektronische Einreisegenehmigung (ETA) beantragt. Die Entscheidung, diese nicht zu genehmigen, fiel demnach mit der Begründung, dass seine Anwesenheit dem öffentlichen Wohl nicht dienlich wäre.
West hatte im vergangenen Jahr ein Lied mit dem Titel „Heil Hitler“ veröffentlicht. Anfang 2026 hatte er in Form einer ganzseitigen Anzeige im „Wall Street Journal“ um Entschuldigung gebeten. „Ich bin weder ein Nazi noch ein Antisemit“, schrieb der Ex-Ehemann von Kim Kardashian und führte seine früheren Äußerungen auf eine bipolare Störung zurück.
Zuvor hatte West mitgeteilt, neben seinem Auftritt bei dem Festival auch die jüdische Gemeinde in Großbritannien treffen zu wollen. „Ich weiß, dass Worte nicht ausreichen“, sagte der 48-Jährige in einer Stellungnahme. Er müsse durch Taten zeigen, dass er sich verändert habe.
Er habe die Diskussion um das Wireless-Festival, das im Sommer (10. bis 12. Juli) im Finsbury Park ausgerichtet wird, verfolgt, sagte West. „Mein einziges Ziel ist es, nach London zu kommen und ein Zeichen des Wandels zu setzen – indem ich durch meine Musik Einheit, Frieden und Liebe vermittle.“ Er wäre „dankbar für die Möglichkeit“, sich persönlich mit Mitgliedern der jüdischen Gemeinschaft im Vereinigten Königreich zu treffen. „Um zuzuhören“, sagte West.
Einer der Organisatoren des Wireless Festivals verteidigte die Entscheidung, den US-Rapper zu buchen. Was West in der Vergangenheit über Juden und Adolf Hitler gesagt habe, „ist für mich genauso abscheulich wie für die jüdische Gemeinschaft, den Premierminister und andere, die sich dazu geäußert haben – und, wenn man ihn beim Wort nimmt, inzwischen auch für Ye selbst“, schrieb Melvin Benn, Geschäftsführer von Festival Republic, in einer Stellungnahme an die Nachrichtenagentur PA.
Die Musik des Rappers werde in Großbritannien im Radio gespielt und sei über Livestreams und Downloads verfügbar, sagte Benn. West habe das gesetzliche Recht, „in dieses Land einzureisen und hier aufzutreten“. „Es ist vorgesehen, dass er kommt und auftritt“, sagte er. „Wir geben ihm keine Plattform, um irgendwelche Meinungen zu verbreiten, sondern ausschließlich, um die Songs zu performen.“ Mit der Einreisesperre wird es nun nicht dazu kommen.
dpa/nw
Source: welt.de