Vor rund einem Jahr erzählte Christoph Heusgen, Angela Merkels einstiger sicherheitspolitischer Berater, in einem Text für die Konrad-Adenauer-Stiftung eine vielsagende Anekdote, die genau jetzt ihre ganze Kraft entfaltet. Vor ihrem Antrittsbesuch bei Donald Trump im März 2017 hatte die Kanzlerin Heusgen nach Washington entsandt, um das Treffen vorzubereiten. Merkels Berater traf dort auf Trumps Schwiegersohn Jared Kushner. Nachdem Heusgen von der transatlantischen Freundschaft geschwärmt, an die Berliner Luftbrücke erinnert und George H. W. Bushs Unterstützung für die deutsche Einheit gepriesen hatte, unterbrach ihn Kushner abrupt. Man müsse wissen, dass im Weißen Haus nun Geschäftsleute sitzen. Und das, so fasst Heusgen Kushners Worte zusammen, bedeute vor allem eines: „An einem Tag sei man Partner und Freund, an einem anderen Gegner und Feind.“