Die nach wochenlangen Gefechten vereinbarte Waffenruhe zwischen Thailand und Kambodscha hält den zweiten Tag in Folge. Die Lage entlang der Grenze zwischen den südostasiatischen Staaten ist laut einer Sprecherin des kambodschanischen Verteidigungsministeriums seit Samstagmittag Ortszeit ruhig geblieben.
Am Vortag unterzeichneten die Verteidigungsminister Thailands und Kambodschas eine entsprechende Vereinbarung. Diese untersagt „alle Arten von Waffen, Angriffe auf Zivilisten, zivile Objekte und Infrastruktur sowie militärische Ziele beider Seiten – in sämtlichen Fällen und in allen Gebieten“. Damit sind die knapp drei Wochen anhaltenden Gefechte an der etwa 800 Kilometer langen thailändisch-kambodschanischen Grenze zu einem Stillstand gekommen. Nach Behördenangaben waren bei den Kämpfen mehr als 40 Menschen getötet und Hunderttausende vertrieben worden.
Die beiden Staaten erhielten internationale Anerkennung für die Einstellung der Gefechte. „Der Waffenstillstand zwischen Thailand und Kambodscha macht Hoffnung“, schrieb etwa Außenminister Johann Wadephul (CDU) auf X. Nun gehe es darum, dass beide Seiten die Vereinbarung konsequent einhalten.
China lädt zu Treffen ein
Der chinesische Außenminister Wang Yi lud unterdessen seine Amtskollegen aus Thailand und Kambodscha zu einem Treffen in der südwestchinesischen Provinz Yunnan ein, wo sich die Spitzendiplomaten am Sonntag und Montag zu Gesprächen treffen. Auch Vertreter der Streitkräfte Chinas, Thailands und Kambodschas sollen an den Beratungen teilnehmen.
Ziel des Treffens ist nach chinesischen Angaben, die Waffenruhe zu festigen, den Austausch wieder aufzunehmen und politisches Vertrauen zwischen den beiden Nachbarstaaten aufzubauen. China wolle nach eigenen Angaben eine Plattform dafür bieten und eine konstruktive Rolle bei der Stabilisierung der bilateralen Beziehungen spielen.
Streit um Gebietsansprüche
Die Waffenruhe soll in den ersten 72 Stunden international überwacht und beobachtet werden, um ihre Umsetzung sicherzustellen. Dann soll Thailand am Dienstag insgesamt 18 kambodschanische Kriegsgefangenen freilassen. Thailands Außenministerium sprach in diesem Zusammenhang von einer Demonstration des guten Willens. Die Einhaltung einer dauerhaften Waffenruhe sollen bilaterale „Grenz-Koordinierungseinheiten“ unter Beobachtung eines Teams der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean gewähren, hieß es in der gemeinsamen Erklärung.
Der Konflikt um Gebietsansprüche zwischen Thailand und Kambodscha schwelt seit Jahrzehnten. Bereits im Juli war es zu schweren Gefechten mit zahlreichen Toten gekommen, nach einigen Tagen wurde eine Waffenruhe vereinbart. Im November wurde die Feuerpause nach einem neuerlichen Vorfall an der Grenze ausgesetzt. Im Dezember verschärfte sich die Lage, es kam zu neuen Gefechten an mehreren Stellen der 800 Kilometer langen Grenze. Beide Seiten warfen sich gegenseitig vor, für die Eskalation verantwortlich zu sein.
Der Verlauf der von der Kolonialmacht Frankreich willkürlich
gezogenen Grenze zwischen den beiden Ländern ist seit dem Ende der
Kolonialzeit umstritten. Im Zentrum des Konflikts steht der Tempel Preah
Vihear, ein Bauwerk aus der Zeit des Khmer-Reiches. Der Internationale
Gerichtshof entschied 1962, dass der Tempel zu Kambodscha gehört,
dennoch hat auch Thailand immer wieder territorialen Anspruch auf den
Tempel und das umliegende Gebiet erhoben.
Auch innenpolitische
Interessen und zunehmender Nationalismus heizen den Konflikt an.
Politiker aus beiden Staaten nutzen die Gefechte, um ihren eigenen
Rückhalt zu festigen.