Ein Vorstandsmitglied der neuen AfD-Nachwuchsorganisation Generation Deutschland musste schon zurücktreten. Eine junge AfD-Politikerin aus dessen Führungsgremium gerät ebenfalls unter Druck.
Nach Ordnungsmaßnahmen gegen den AfD-Nachwuchspolitiker Kevin Dorow gerät ein weiteres Vorstandsmitglied der neu gegründeten AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland (GD) unter Druck. Die niedersächsische GD-Vorständin Julia Gehrckens wurde vom AfD-Bundesvorstand um eine Stellungnahme gebeten, wie in Parteikreisen bestätigt wurde. „Bild“ hatte zuvor berichtet, in der AfD würde eine Strafe gegen sie geprüft.
Hintergrund sind Aussagen Gehrckens, die durch eine RTL- und „Stern“-Recherche bekannt wurden. Eine Reporterin hatte im vergangenen Sommer verdeckt Filmaufnahmen gemacht. Gehrckens soll darauf zu hören sein, wie sie Pforzheim als „gottlose Kanaken-Stadt“ und Linke als „geisteskrank“ bezeichnet. Weiterhin soll sie die Behauptung bestätigt haben, die Banken in Amerika würden den Juden gehören – „das stimmt halt auch“.
Äußerungen bei rechten Treffen mitgeschnitten
Die Äußerungen sollen demnach bei einem „Frauenkongress“ der ESN-Fraktion im Europaparlament, der auch die AfD angehört, gefallen sein sowie rund um ein Treffen des Frauen-Netzwerks „Lukreta“, das im Jahresbericht des Verfassungsschutzes Nordrhein-Westfalen 2024 den „rechtsextremistischen Akteuren“ zugerechnet wird.
Via „Bild“ hat sich Gehrckens erstmals öffentlich dazu geäußert. „Ja, ich habe diese Aussagen gemacht. Das war ein Fehler“, wird die GD-Vorständin zitiert. „Ich lehne Antisemitismus ab und bedauere meine Wortwahl. Solch abwertende Formulierungen dürfen im politischen Raum keinen Platz haben.“
Rüge für Gehrckens – „Vorgang abgeschlossen“?
GD-Sprecher Wendelin Nepomuk Fessl kritisierte, die vorliegenden Aufnahmen seien unter fragwürdigsten Umständen entstanden. Die darin getätigten Aussagen müssten jedoch politisch bewertet werden und entsprächen „in Teilen nicht unserem Anspruch an eine sachliche Auseinandersetzung“.
„Frau Gehrckens hat Verantwortung übernommen, ihre Wortwahl eingeräumt und die deutliche interne Kritik sowie ausgesprochene Rügen akzeptiert, sodass wir den Vorgang nach Abwägung aller Umstände als abgeschlossen betrachten“, sagte Fessl.
Gehrckens war im November in den Vorstand der neu gegründeten AfD-Nachwuchsorganisation gewählt worden. In der Gießener Messehalle hatte es tosenden Beifall für ihre Aussage gegeben: „Nur millionenfache Remigration schützt unsere Frauen und Kinder!“.
Kürzlich musste GD-Vorstand Dorow bereits seine Parteiämter niederlegen. Seine Rede bei der Gründungsveranstaltung in Gießen hatte die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen, die die Prüfung einer möglichen Strafbarkeit gemäß Paragraf 86a Strafgesetzbuch einleitete, darin geht es um das „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen“.
Die GD war nach Auflösung der Jungen Alternative (JA), die ein weitgehend eigenständiger Verein war, gegründet worden. Die Nachfolgeorganisation ist als Gliederung der AfD eng an diese angebunden. Mitglieder müssen in der Regel auch AfD-Mitglied sein. Dadurch hat die Mutterpartei mehr Durchgriff.
dpa/saha
Source: welt.de