Gossen- und Stolper-Preis: Claudia Steinwender und Nicola Fuchs-Schündeln ausgezeichnet

Zwei Frauen haben auf der Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik in Köln renommierte Preise erhalten. Die gebürtige Österreicherin Claudia Steinwender erhielt am Dienstagnachmittag den mit 10.000 Euro dotierten Hermann-Heinrich-Gossen-Preis. Steinwender wurde für ihre Forschung über Handels- und Innovationsökonomik geehrt. Untersucht hat sie unter anderem, wie sich Handelsliberalisierungen auf die Produktivität von Unternehmen und ihre Innovationstätigkeit auswirken.

Zudem forscht die Professorin am Institut für Volkswirtschaftslehre der LMU München über das Ausmaß der viel diskutierten Spillover-Effekte, also die Frage, inwiefern staatliche Fördermittel für Rüstungsforschung auch der zivilen Wirtschaft zugutekommen. Gemeinsam mit Ko-Autoren fand sie etwa heraus, dass eine Erhöhung der staatlich finanzierten Militärforschung um zehn Prozent zusätzlich einen Anstieg der privaten Forschungs-und Entwicklungsausgaben um mehr als vier Prozent nach sich zieht.

Hohe Anerkennung fand auch ihre in der „American Economic Review“ veröffentlichte wirtschaftshistorische Studie über die erste transatlantische Telegraphenverbindung zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten im Jahr 1866 und deren Folgen für den internationalen Handel mit Baumwolle, der damals mehr als die Hälfte der amerikanischen Exporte ausmachte. Das Unterseekabel veränderte radikal die Kommunikation und damit auch das Wissen über die Preise diesseits und jenseits des Atlantiks. Nachrichten brauchten nicht mehr 14 Tage mit dem Dampfschiff, sondern waren quasi sofort da. Die Preisunterschiede zwischen Liverpool und New York sanken, das Handelsvolumen stieg durch die höhere Transparenz deutlich.

„Spitzenforscherin mit herausragender wissenschaftlicher Exzellenz“

„Claudia Steinwender ist eine Spitzenforscherin mit herausragender wissenschaftlicher Exzellenz und hoher internationaler Sichtbarkeit“, lobte Klaus M. Schmidt, der Vorsitzende des Vereins für Socialpolitik, die Preisträgerin. Der Gossen-Preis geht jedes Jahr an Wirtschaftsforscher, die mit Veröffentlichungen in international renommierten Fachzeitschriften für Furore gesorgt haben.

Die Ökonomin Nicola Fuchs-Schündeln erhielt am frühen Dienstagabend den mit 5000 Euro dotierten Gustav-Stolper-Preis, der vom Verein für Socialpolitik verliehen und in diesem Jahr von der FAZIT-Stiftung gesponsert wird. Der Preis wird an Wissenschaftler vergeben, die nicht nur innerhalb der eigenen Zunft für Aufsehen sorgen, sondern auch die öffentliche Debatte beeinflussen.

Fuchs-Schündeln ist Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) und Professorin für Makroökonomie und Entwicklung an der Goethe-Universität Frankfurt. Geforscht hat sie unter anderem über Einkommensungleichheit, den Fachkräftemangel und über die Auswirkungen von Steuergesetzen auf die Erwerbsbeteiligung von Frauen.

Fuchs-Schündeln sieht im deutschen Ehegattensplitting einen wichtigen Grund, warum hierzulande Frauen im internationalen Vergleich nur wenig arbeiten – oft nur in Teilzeit. Während der Coronapandemie hatte sie eindringlich vor den langfristigen Folgen von Schulschließungen für Kinder und Jugendliche gewarnt. „Sie verkörpert in herausragender Weise die Kriterien des Gustav-Stolper-Preises: wissenschaftliche Exzellenz, verständliche Kommunikation komplexer ökonomischer Zusammenhänge und spürbarer Einfluss auf die wirtschaftspolitische Diskussion“, lobte Schmidt die Forscherin. Fuchs-Schündeln war in den Jahren 2019 und 2020 selbst Vorsitzende des Vereins für Socialpolitik, des größten deutschen Ökonomenverbandes mit rund 4000 Mitgliedern.

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