Der Goldpreis steigt und steigt. Zu Wochenbeginn hat er die Marke von 5000 Dollar je Unze geknackt. Aber das führt nicht dazu, dass der größte Goldkäufer der Welt, die polnische Nationalbank, aus der Rally aussteigt oder einen Gang zurückschaltet. In der vergangenen Woche erst beschloss der Vorstand der Notenbank, den Bestand der Goldreserven von derzeit 550 auf 700 Tonnen zu erhöhen. Wenn auch mit dem Zusatz: „Umfang und Käufe hängen von den Marktbedingungen ab.“ Doch schon der enorme Preisanstieg im vergangenen Jahr hatte die Warschauer nicht abgeschreckt.
Mit dem Erwerb von 95 Tonnen Gold sei „die Nationalbank von Polen nach wie vor der größte gemeldete Goldkäufer des offiziellen Sektors“, stellte der World Gold Council in seiner letzten, bis November reichenden Analyse der offiziellen gemeldeten Goldtransaktionen fest. Dies sei fast doppelt so viel gewesen, wie der zweitgrößte Käufer, Kasachstan, mit 49 Tonnen erworben habe.
In Warschau nennen sie ihn den „Goldgouverneur“
Tatsächlich gingen im Dezember noch einmal sieben Tonnen auf das Goldkonto Polens. Ende Dezember melden die Warschauer Notenbanker für das gerade beendete Jahr den Kauf von 102 Tonnen, im Vorjahr waren es 90 Tonnen gewesen.
Seit dem Amtsantritt von Notenbankgouverneur Adam Glapiński vor zehn Jahren haben sich die Reserven des Edelmetalls damit mehr als verfünffacht. In Veröffentlichungen der Notenbank posiert der 75 Jahre alte Ökonom vor Regalen voller Goldbarren und lässt sich als „Der Goldgouverneur“ beschreiben.
Unter den Leitgedanken Sicherheit, Liquidität und langfristige Rentabilität werde die Narodowy Bank Polski weiter Gold kaufen, „solange wir Gelegenheiten finden, es zu günstigen Konditionen zu erwerben“, sagt Glapiński, der selbst einen Kurssturz nicht ausschließt.
Auf Gold gibt es keinen Zins
Dass es auf Gold keinen Zins gibt, was manche Ökonomen mit Blick auf die Rendite zu bedenken geben, schreckt ihn nicht. Die historische Erfahrung lehre, „dass Gold der Sicherheitsanker des Landes ist, die Stütze des Vertrauens in die polnische Währung und Wirtschaft und eine Garantie für nationale und wirtschaftliche Unabhängigkeit“.
Glapiński treiben nicht nur die klassischen wirtschafts- und finanzpolitischen Motive um. Die aktuellen geoökonomischen Verwerfungen kommen hinzu, wenn er sagt: „In diesen schwierigen Zeiten globaler Turbulenzen und der Suche nach einer neuen Finanzordnung ist Gold das einzige verlässliche nationale Reserveinstrument.“
Goldbunkern als Signal nationaler Stärke
Ohne Devisenreserven geht es nicht, aber richtig verlässlich erscheinen dem Gouverneur weder Dollar noch Euro. In der EU-Währung wickelt Polen zwar den größten Teil seiner Außenhandelsaktivitäten ab. Aber von dessen Einführung will man in Warschau dennoch nichts hören. Das hat dieser Tage auch Finanzminister Andrzej Domański noch einmal wissen lassen.
Nicht unkommentiert blieb auch, dass die polnischen Goldvorräte jene der Europäischen Zentralbank (EZB) von 506 Tonnen seit dem vergangenen Jahr übertreffen. Es soll wohl ein Signal nationaler Stärke aussenden, auch wenn im Eurosystem die nationalen Notenbanken die Goldbestände halten. Die Deutsche Bundesbank etwa kommt als zweitgrößter Halter von Goldreserven nach dem amerikanischen Federal Reserve Board allein auf 3350 Tonnen.
Auch die Türken kaufen Gold
Doch Rankings spielen auch in Glapińskis goldpolitischem Kosmos eine Rolle. Mit einem Bestand von 700 Tonnen würde „Polen zu den zehn führenden Ländern mit den größten Goldreserven der Welt zählen“. Noch liegt Polen laut Wirtschaftsdatenanbieter Trading Economics hinter den Niederlanden und der Türkei mit 612 und 641 Tonnen auf Rang zwölf. Die türkische Notenbank kauft jedoch weiter Gold.
Polen ist nicht das einzige Land im Osten der EU, das auf Gold setzt. Eine Rolle spielt, dass deren Bestände nach dem Zusammenbruch der Sowjetherrschaft lange Zeit gering waren. Die Notenbank der Tschechischen Republik stockt seit 2023 ihren Bestand von damals zwölf auf inzwischen 72 Tonnen gezielt auf. Bis 2028 sollen es 100 Tonnen sein.
Unter den 20 größten Käufern des vergangenen Jahres tauchen in der Statistik des Weltgoldrates auch Serbien und Bulgarien auf. Die ungarische Notenbank hat ihren Goldbestand seit 2018 von drei auf 110 Tonnen vervielfacht. Sie ist damit nach Polen laut Daten von Trading Economics der größte Halter von Goldreserven in Ostmitteleuropa, gefolgt von Rumänien (104 Tonnen), der Tschechischen Republik (72 Tonnen) Serbien (51 Tonnen), Bulgarien (43 Tonnen) und der Slowakei (31 Tonnen).
Source: faz.net