Jedes Jahr, wenn in Los Angeles die roten Teppiche
ausgerollt werden und die Award Season beginnt, stellt sich wieder die Frage: Wie
politisch soll, darf, ja, muss so eine Preisverleihung sein? Für die Gala der Golden Globes, die am Sonntagabend zum 83. Mal verliehen wurden, galt dies ganz
besonders. Fand sie doch nur Tage nach der Tötung von Renee Good durch einen ICE-Beamten in Minneapolis statt.
Aber lautstarken Protest suchte man an diesem Abend
vergeblich, kein Wort zu Renee Good, kein Wort zu ICE, nicht einmal der Name
Rob Reiner fiel. Der berühmte Hollywood-Regisseur war im Dezember gemeinsam mit
seiner Frau tot aufgefunden worden, der gemeinsame Sohn steht unter Mordanklage
– politische Brisanz hatte der Fall dadurch erhalten, dass US-Präsident
Donald Trump den Toten auf seiner Plattform als verrückt bezeichnet hatte. Ebenfalls
kein Thema: die verheerenden Brände, die vor genau einem Jahr L. A. verwüstet
hatten, mehrere Tote gefordert und die Häuser von Zehntausenden verwüstet
oder zerstört.