Die führenden Köpfe der KI-Branche treffen sich in diesen Tagen in Neu-Delhi: Indien richtet den AI Impact Summit aus – er zählt zu den größten KI-Gipfeln weltweit. Welche Rolle spielt Indien im globalen KI-Rennen?
Roboter tanzen, ein autonomes Auto navigiert durch den virtuellen Verkehr – und eine KI analysiert in Sekunden den perfekten Cricket-Schlag. In Neu-Delhi präsentiert sich Indien dieser Tage als Hightech-Nation. Beim internationalen KI-Gipfel treffen Regierungschefs, Tech-Konzerne, Start-ups und Forschende aufeinander.
Neonfarbene Bildschirme, künstliche Stimmen: Auf dem Gipfel gibt es viel Hightech, aber auch viel Show. Besonders neugierige Blicke zieht Robotik-Hund Trakr an. Geschmeidig bewegt er sich durch die Halle. Der intelligente Vierbeiner präsentiert sich putzig, gibt für die vielen Handy-Kameras Pfötchen, neigt den Kopf.
Doch entwickelt wurde er nicht zur Unterhaltung, sondern für Überwachungszwecke, erklärt Purushottam Kumar vom globalen Robotik-Unternehmen Addverb: „Wenn sie beispielsweise ein Lager oder ein Gelände von bis zu zwei Kilometern Fläche haben und dort ein cloudbasiertes System mit 5G-Abdeckung betreiben, kann der Roboter völlig selbstständig arbeiten – ohne menschliches Eingreifen. Er kann den Status von 400 bis 500 Mitarbeitern überprüfen, etwa ob sie Schutzkleidung wie Helme tragen oder ob es irgendwo Lecks gibt.“
Dass der Robotik-Hund in der Lage ist, Mitarbeiter zu überwachen, zeigt auch die Spannbreite ethischer Fragen, die KI im Alltag aufwirft. Auch das soll hier in den kommenden Tagen diskutiert werden.
Indien will ins Zentrum der Debatte um die KI-Zukunft
Allerdings verlief der Auftakt des Gipfels nicht ganz reibungslos: Teilnehmer berichteten von chaotischen Szenen: Der Andrang überstieg die Kapazitäten. Lange Warteschlangen führten teils zu Frust. Dabei möchte sich das bevölkerungsreichte Land der Erde mit der Veranstaltung ins Zentrum der Debatte um die Zukunft der Künstlichen Intelligenz rücken.
Dazu sagt IT-Experte Mishu Mausam vom Indian Institute of Technology in Delhi: „Die Regierung unternimmt enorme Anstrengungen, um Indien hier voranzubringen. Dennoch würde ich sagen: Bei echter KI-Innovation – also wenn völlig neue KI-Systeme im Land entstehen – liegt Indien noch etwas zurück. Bei der Anwendung und Nutzung von KI dagegen nimmt Indien eine führende Rolle ein.“
Indien solle KI verantwortungsvoll, inklusiv und für den menschlichen Fortschritt nutzen, so Premier Narendra Modi. Seine Vision: Mit KI den Wohlstand für alle steigern. Diese Botschaft ließ er in der ganzen Stadt plakatieren.
Bis zu 20 Regierungschefs erwartet
Bis zu 20 Staats- und Regierungschefs werden erwartet, darunter auch Frankreichs Präsident Emamnuel Macron. Auch nehmen die CEO’s der größten Internet-Konzerne teil. Aus Deutschland hat sich Digitalminister Karsten Wildberger angekündigt.
Deutschland wolle mehr mit Indien zusammenarbeiten, sagt Mareen Haring von der Außenwirtschaftsagentur des Bundes. „Während in Deutschland und Europa generell eher über Regulierung diskutiert wird, ist Indien eine Macher-Nation. Hier werden die Produkte schneller an den Markt gebracht und da ergeben sich dann Kooperationsmöglichkeiten zwischen Indien und Deutschland, vor allem zum Beispiel im Bereich Forschung.“
Auch Purushottam Kumar zeigt sich zufrieden: Sein Roboterhund made in India erregt viel Aufmerksamkeit. Das Unternehmen arbeite bereits mit deutschen Firmen wie DHL zusammen. „Heutzutage löst KI Probleme, die unsere Mitarbeiter auf Basisebene nicht lösen konnten oder die viel Zeit in Anspruch genommen hätten. Für solche Systeme, in Ländern mit hoher Bevölkerungszahl wie Indien, ist es notwendig, ein System zu haben, in dem Dinge automatisiert werden können.“
IT-Experte: KI-Auswirkungen auf Arbeitsmarkt noch unklar
Während in Neu-Delhi Hightech und Show in diesen Tagen im Vordergrund stehen, hat die KI auch Schattenseiten. Noch seien die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt unklar, sagt IT-Experte Mausam. „Einige sagen, dass viele Arbeitsplätze verloren gehen werden. Andere sagen, dass viele Arbeitsplätze geschaffen werden.“ Er glaube, dass die Realität irgendwo dazwischen liege. „Tatsächlich könnten einige Arbeitsplätze automatisiert werden – etwa einfachere Einstiegsjobs im Bereich Dateneingabe. Andererseits könnten viele andere Arbeitsplätze entstehen, bei denen Menschen als Team mit KI-Systemen zusammenarbeiten“, so Mausam.
Bis zu 250.000 Besucher werden noch bis Freitag erwartet – und sie alle sollen eine Botschaft mitnehmen: Der Globale Süden will sich im Rennen um KI nicht abhängen lassen.
Source: tagesschau.de