gewinne in Tokio und Seoul: „Kaufen, kaufen, kaufen“: Asiens Börsen feiern die Waffenruhe

An den Aktienmärkten in Asien sorgt die Aussicht auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand zwischen den Vereinigten Staaten und Iran teils für heftige Kurssprünge. Japans Leitindex Nikkei 225 legte zeitweise um 2.500 Punkte zu, ein Plus von 4,8 Prozent. An der Börse in Seoul sprang das südkoreanische Börsenbarometer Kospi im frühen Handel um fast 6 Prozent nach oben.

Die großen Volkswirtschaften in Asien sind in besonderem Maße von der Blockade der Straße von Hormus betroffen, weil sie ihre Energie zu einem großen Teil durch diese Meerenge aus dem Nahen Osten beziehen. Japan, die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, erhält fast 90 Prozent seiner Ölimporte aus dieser Region und hat, wie viele andere Industrienationen, bereits damit begonnen, seine Notreserven zu öffnen. In Südkorea haben mehrere Konzerne wie die Hyundai Motor Group und Korean Air Notfall- und Energiesparprogramme eingeleitet, um Engpässen in der Energieversorgung vorzubeugen.

Zweistellige Kurssprünge

Dort legten die Aktienkurse durch die Bank kräftig zu. Die Schwergewichte Samsung Electronics und Hyundai verteuerten sich um jeweils mehr als 7 Prozent. Der Kurs der Korea Electric Power Company sprang sogar um 11 Prozent nach oben. Die beiden größten Konzerne aus Taiwan, wo wegen der Energiekrise schon Stromengpässe drohten, konnten ebenfalls stark zulegen: die Kurse von TSMC und Foxconn stiegen um jeweils 5 Prozent.

In einem Beitrag auf seinem Portal Truth Social hatte Trump geschrieben, er werde die Angriffe auf den Iran für zwei Wochen aussetzen, sofern Teheran der „vollständigen, unverzüglichen und sicheren Öffnung“ der Straße von Hormus zustimme.

Die Rohölpreise fielen daraufhin deutlich. Die Terminkontrakte für die amerikanische Sorte West Texas Intermediate gaben um 15 Prozent nach, die Nordsee-Sorte Brent fiel ebenfalls um 15 Prozent in Richtung 90 Dollar pro Barrel. Damit liegen die Preise allerdings weiterhin ein gutes Stück über den Niveaus von vor dem Ausbruch des Krieges am 28. Februar.

Aktien, Gold und australischer Dollar im Aufwärtskurs

In Australien titelte die „Financial Review“ mit „Kaufen, kaufen, kaufen“. Nach Verkündung der Waffenruhe waren die Investoren zurück an den Finanzmärkten und schickten Aktien, Gold und den australischen Dollar auf Aufwärtskurs. Am Morgen gewann der Börsenindex ASX 200 im Vergleich zum Vortag 2,5 Prozent. Trump habe mal wieder einen „ultimativen TACO“ hingelegt, eine der 180-Grad-Kehrtwenden, für die der amerikanische Präsident berüchtigt ist: „Und die Märkte fressen ihn“. Die Börsianer hätten den „Bluff“ Trumps erkannt, schreibt die „Financial Review“. Der Präsident belle mehr, als dass er beiße. Wenn Trump das nächste Mal auf „Truth Social“ zu fluchen anfange, würden die Händler wissen: „Er ist auf dem Rückzug, und das Schlimmste ist vorbei.“ Ein Verhandler müsse irgendwann auch einmal liefern. Und genau das sei bei Trump nicht ausgemacht.

Ein Regierungssprecher in Tokio nannte die Einigung zwischen Trump und Iran am Mittwoch eine „gute Bewegung“ und sagte, Japan rechne mit einer baldigen dauerhaften Lösung des Konflikts. Die Regierung um Ministerpräsidentin Sanae Takaichi war eine der wenigen, die im Laufe des Kriegs direkt mit der iranischen Führung gesprochen hatte, um eine Öffnung der Meerenge auf diplomatischem Wege zu erreichen. Noch am Dienstag hatte Takaichi im Parlament bekräftigt, dass sie zwischen Trump und dem iranischen Präsidenten vermitteln wolle.

Die chinesischen Aktienmärkte hatten durch die Irankrise weniger stark eingebüßt als andere asiatische Märkte. Darum verbuchten sie am Mittwochmorgen zunächst auch ein geringeres Plus. Der Hang-Seng-Index in Hongkong und der CSI 300, der die wichtigsten Titel in Shenzhen und Shanghai bündelt, lagen jeweils etwas mehr als zwei Prozent im Plus.

Weniger Schwankungen in China

Die Reaktionen fielen weitgehend spiegelbildlich zu den vorherigen Rückgängen durch die Eskalation aus. Zu den größten Profiteuren zählten die staatlichen chinesischen Fluglinien, die zuvor stark eingebüßt hatten. Die Aktien von Air China, China Eastern und China Southern lagen um sechs bis zehn Prozent im Plus. Chinesische Ölkonzerne wie Petrochina und China National Offshore Oil Corporation büßten dagegen um zwei bis drei Prozent ein. Für die Fluglinien treibt ein hoher Ölpreis die Treibstoffkosten, die sie aufgrund von Überkapazitäten und Konkurrenz durch die chinesische Bahn schlecht an Kunden weitergeben konnten. Die chinesischen Ölkonzerne profitierten dagegen von höheren Preisen für ihre Produkte.

China war in dem Konflikt als Vermittler aufgetreten und soll kurz vor Auslaufen der von Trump gesetzten Frist in letzter Minute interveniert haben. Daraufhin habe Iran dem pakistanischen Vorschlag für einen Waffenstillstand zugestimmt, berichtete die „New York Times“ unter Berufung auf drei iranische Regierungsvertreter.

In Südostasien reagierten die Börsen unterschiedlich auf die Nachrichten. Der Singapurer Aktienindex STI lag zwar am Vormittag leicht im Plus, doch von Euphorie über den Waffenstillstand war im Finanzzentrum wenig zu spüren. Singapurs Außenminister Vivian Balakrishnan hatte die Märkte am Vortag gewarnt, sie hätten „das Worst-Case-Szenario noch nicht eingepreist“, sprich seien zu naiv angesichts der realen Bedrohung durch die Kriegslust Trumps.

In Indonesien ist die Stimmung schon positiver, wo der Jakarta Composite Index am Vormittag um 2,5 Prozent stieg. In Thailand, das Anfang der Woche damit Schlagzeilen gemacht hatte, dass die Polizei für die Fahrt zum Tatort vorab Benzingeld verlangt, stieg der SET-Index leicht um 0,7 Prozent.

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