Der Kölner Verlag DuMont übernimmt zum 1. April 2026 die Herausgeberschaft der Zeitung „Kölnische Rundschau“ und damit auch die redaktionelle Verantwortung. Das teilte DuMont am Donnerstag mit. Die Herausgeberschaft des bisherigen Herausgebers, des Heinen-Verlags, ende am 31. März. Nach Angaben der Gesellschaft war die „Rundschau“ für Heinen nicht mehr wirtschaftlich.
„Rundschau“ und „Kölner Stadt-Anzeiger“ gehen nach Verlagsangaben bereits seit 1998 gemeinsame Wege. Bislang habe DuMont die Verlagsaktivitäten der „Rundschau“ betreut, während der redaktionelle Teil von Heinen getragen worden sei. Um die seit rund 80 Jahren existierende „Rundschau“ langfristig und eigenständig zu erhalten, werde die Tageszeitung in die regionale Struktur der Dachmarke „Kölner Stadt-Anzeiger Medien“ eingebunden. Zu den DuMont-Produkten gehört unter anderem auch der Boulevard-Titel „Express“.
Zahl der Abonnenten sinke um 10 Prozent jährlich
Ziel von DuMont sei es, das Produkt in Print und digital weiterzuführen. Parallel kündigte das Unternehmen neue digitale Angebote in der Region an. DuMont-CEO Christoph Bauer betonte, die „Rundschau“ sei eine wichtige Stimme in der Region. „Wir stellen jetzt die Strukturen bereit, damit sie ihre publizistische Rolle auch in Zukunft stark und erfolgreich wahrnehmen kann“, sagte Bauer. Innerhalb der Stadt-Anzeiger-Medien sei dafür unter anderem ein eigener Chefredakteur für die „Rundschau“ vorgesehen.
Neben der Zeitung übernehmen die Kölner Stadt-Anzeiger Medien nach DuMont-Angaben auch die Anteile des Heinen-Verlags an der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft (RRG). Die RRG produziert nach Unternehmensangaben den Großteil der lokalen Inhalte beider Zeitungen; die regionale Berichterstattung solle damit verlässlich fortgeführt werden.
Unterdessen berichteten Beschäftigte der „Kölnischen Rundschau“ von großer Bestürzung. Der WDR meldete, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien am Mittwoch kurzfristig zu einer am Donnerstagmittag stattfindenden Versammlung eingeladen worden. Dort seien sie „furchtbar überrascht“ worden, hieß es aus der Belegschaft. Demnach sollten in Köln 31 Stellen wegfallen; die Betroffenen würden ab 1. April freigestellt. Es würden noch einige Monate Gehälter gezahlt und über Abfindungen gesprochen. In der Versammlung seien bei einigen Tränen geflossen, andere seien sprachlos und bestürzt gewesen.
Der bisherige Herausgeber Johannes Heinen sagte dem WDR, ein Redaktionsbetrieb sei nicht mehr in sinnvoller Weise fortzuführen. Die Zahl der Abonnements sinke demnach jedes Jahr um etwa zehn Prozent.
Kölner Oberbürgermeister in „großer Sorge“
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) NRW äußerte ebenfalls Bedenken. Laut Landesverband würden durch eine Schließung der „Rundschau“ mindestens 30 Journalistinnen und Journalisten ihren Job verlieren. „Das ist nicht nur für die Kolleg:innen, die quasi über Nacht ihre Lebensgrundlage verlieren, ein schwerer Schlag, sondern auch für die Medienmetropole und Millionenstadt Köln“, sagte die DJV-NRW-Vorsitzende Andrea Hansen. Der Verband appellierte an DuMont, seiner publizistischen Verantwortung gerecht zu werden und eine zweite unabhängige Lokalredaktion zu erhalten. Auch den Heinen-Verlag erinnerte der DJV an seine Verantwortung für die Mitarbeiter.
Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) sprach von „großer Sorge“ über die Ankündigung, die Redaktion zu schließen. Besonders beunruhigend sei die sehr kurzfristige Perspektive dieses Ausstiegs. Burmester erwarte von den Verantwortlichen, ihrer Verantwortung gegenüber den Beschäftigten, den Leserinnen und Lesern sowie der Stadt gerecht zu werden. Nach WDR-Informationen besuchte der Oberbürgermeister am Donnerstagnachmittag die Redaktion der „Kölnischen Rundschau“. Auch die Stadt Köln griff die Entwicklung in einer Mitteilung auf.
Kritik kam auch von Gewerkschaften und Verbänden. Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (DJU) in der Gewerkschaft Verdi erklärte, bis Ende März sollten 50 Stellen der „Kölnischen Rundschau“ gestrichen werden. „Die Kaltblütigkeit der Geschäftsführung von DuMont und des ehemaligen BDZV-Präsidenten Helmut Heinen ist erschreckend“, sagte DJU-Covorsitzender Lars Hansen. Zudem befürchte man ein Ende der Eigenständigkeit der Zeitung.
DuMont wies nach Darstellung der KNA Vorwürfe zurück, der neue Verlag spreche Kündigungen aus. Es würden keine Kündigungen durch den neuen Verlag ausgesprochen. Vielmehr verwies eine Sprecherin auf neue digitale Projekte im Verbreitungsgebiet, die insgesamt rund 30 neue Stellen schaffen sollen.
Der WDR berichtete außerdem, in der DuMont-Mitteilung stehe zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der aktuellen Rundschau-Redaktion „kein Wort“.
Source: faz.net