Gewalt im Westjordanland: Radikale Siedler, gefördert von Israels Regierung

Der jüngste Angriff geschah in der Nacht auf Mittwoch: In den südlichen Hebron-Hügeln im von Israel besetzten Westjordanland haben jüdische Siedler drei palästinensische Dörfer überfallen. Die Gruppe soll dabei ein Dorf in Brand gesteckt und mehrere Menschen verletzt haben, schreibt die israelische Zeitung Ha‘aretz. Israelische Sicherheitsbeamte seien vor Ort gewesen, hätten aber nicht eingegriffen.

Angriffe wie diese ereignen sich mittlerweile fast täglich und allein im vergangenen Jahr hundertfach. Das bestätigen jüngste Zahlen, die Israels Armee veröffentlicht hat. Demnach wurden 2025 rund 100 nationalistisch motivierte Straftaten gemeldet, verübt von jüdischen Siedlern ‒ doppelt so viele wie im Jahr davor und so viele wie noch nie. Und: Die Siedler sollen dabei organisierter denn je vorgehen. Wie israelische Medien berichten, befürchtet die Armeeführung, die Kontrolle im Westjordanland zu verlieren. Nur: Warum stoppt sie die Gewalt nicht? 

Eine Palästinenserin weint. Sie wurde monatelang von einem nahe gelegenen illegalen israelischen Siedlungsaußenposten in der Nähe von Jericho im israelisch besetzten palästinensischen Westjordanland schikaniert.

Entsprechend den Osloer Verhandlungen von vor 30 Jahren ist das Westjordanland in drei Verwaltungsgebiete geteilt. Im sogenannten C-Gebiet – das 60 Prozent des eigentlich palästinensischen Westjordanlands ausmacht – übt Israels Armee die Kontrolle aus und wendet israelisches Recht an. In diesem Gebiet, zu dem auch die südlichen Hebron-Hügel gehören, ereignen sich die meisten Angriffe. Der größte Anstieg der Gewalt wird allerdings im B-Gebiet verzeichnet, etwa die Gegend um Nablus, wo sich Israels Armee und palästinensische Sicherheitskräfte die Kontrolle aufteilen sollten, faktisch aber ebenfalls nur Israels Armee gegen die Siedler vorgehen könnte.

Tatsächlich ließe sich die Armee für die Zwecke der Siedler einspannen, warnt etwa Menschenrechtsaktivist Elie Avidor. Der 75 Jahre alte Rentner engagiert sich seit Jahrzehnten für die israelisch-palästinensische Organisation Combatants for Peace. Er unterstützt palästinensische Hirten, wenn Siedler ihr Land oder Vieh stehlen. „Ich bin kein Statistiker, aber ich sehe die Veränderungen in meiner Arbeit vor Ort, ich sehe, dass es einfach immer schlimmer wird“, sagt er der ZEIT.

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