Ein Jahr vor dem 80-jährigen Firmenjubiläum hat das Holzbauunternehmen Frick einen Insolvenzantrag gestellt. Das Verfahren läuft laut einer Bekanntmachung von Anfang Februar beim Amtsgericht Gießen. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Martin Kaltwasser von der Kanzlei Lieser Rechtsanwälte bestellt.
Die Unternehmensgeschichte begann im Jahr 1947 in Vogelsberg mit einer familiengeführten Sägerei und Zimmerei im Ort Grebenau. Im Jahr 2024 wurde das Unternehmen von der Schweizer Firma Frick Werke übernommen, um es langfristig für die Zukunft aufzustellen. Es folgte der Neubau einer großen Fabrik auf dem Firmengelände in Grebenau.
Mit dieser Investition hat sich das traditionsreiche Unternehmen allerdings offenbar übernommen. Laut einer Pressemitteilung, die Frick auf Anfrage der F.A.Z. schickte, wurde die neue Halle mit drei Produktionsstraßen, sechs Kränen und einer Fertigungskapazität von über 200 Wohnungen pro Jahr deutlich teurer als geplant. „Daran haben wir uns verhoben“, heißt es in der Mitteilung.
Darin ist auch von vermeintlichen Unregelmäßigkeiten die Rede, denen man auf der Spur sei. Demnach hat der Geschäftsführer der Frick-Gesellschaften und bisherige Mitgesellschafter, Frank Marcel Dietrich, am 14. Januar 2026 alle Ämter niedergelegt und seine Gesellschaftsanteile für einen symbolischen Euro abgetreten. Seither sei er nicht wieder gesehen worden. Die Konsequenz daraus sei die Anmeldung zur Insolvenz von allen fünf Gesellschaften der in Grebenau ansässigen Frick-Gruppe.
Frick-Gesellschafter Pfisterer will einen Neustart
Trotzdem wollen die Beschäftigten des Unternehmens durchhalten: „Wir Mitarbeiter wollen nicht aufgeben“, zitiert die Firmenmitteilung einen Kollegen, der seit gut 20 Jahren für Frick arbeitet und nicht mit Namen genannt wird. Die Mitarbeiter haben Rückendeckung vom Schweizer Frick-Gesellschafter Thomas Pfisterer, der vor knapp zwei Jahren das Unternehmen zusammen mit Frank Marcel Dietrich übernommen hatte und seinem Mitgesellschafter und Geschäftsführer Dietrich die Geschäftsführung laut der Firmenmitteilung vorbehaltlos anvertraut habe.
Pfisterer will jetzt einen Neustart unterstützen. Er hat einen erfahrenen Restrukturierer angeheuert und einen möglichen strategischen Partner gefunden, der ein Holzmodulbau-Werk in Lettland mit knapp 100 Mitarbeitern betreibt. Der Partner sehe in Grebenau Potential, an dem deutschen Standort für Kunden in der Region Projekte zu realisieren, sowohl im klassischen Elementbau als auch im Modulbau.
In der Mitteilung sagte Pfisterer: „Wir werden das jetzt mit dem Insolvenzverwalter verhandeln und hoffen sehr, die Arbeitsplätze erhalten zu können.“ Frick will laut Pfisterer neue Aufträge zuverlässig realisieren, die Tradition mit technischer Innovation verbinden und am Standort in Grebenau wieder erfolgreich werden.
Das Unternehmen sieht sich als Manufaktur für individuelle und nachhaltige Wohnhäuser. In der Zimmerei wurden in 79 Jahren über 1000 Ein- und Mehrfamilienhäuser aus Holz gebaut. Frick ist auf diesem Feld ein Pionier und hat 1955 das erste Fachwerkhaus als Fertighaus gebaut.
Die Wandelemente produziert Frick in Holzständerbauweise und montiert diese auf den Baustellen. Diese Technik wollte Frick in seiner neuen, 3700 Quadratmeter großen Produktionshalle fortführen. Geeignet sei das insbesondere für den seriellen Wohnungsbau von Mehrfamilienhäusern oder von Wohnungen für Studenten, Senioren, Geschäftsleute und Mitarbeiter von Unternehmen.
Diese Zielgruppen gelten am Wohnungsmarkt als attraktiv. Auch an der allgemein großen Nachfrage nach Wohnraum in Deutschland dürften die Neustart-Pläne von Frick wohl nicht scheitern.