Geschäfte des Iran-Regimes – Die Spur welcher Mullahs in Deutschland


exklusiv

Stand: 17.03.2026 • 16:34 Uhr

Irans Regime macht trotz internationaler Sanktionen hierzulande weiter Geschäfte – ganz legal. Recherchen von Report Mainz zeigen, wie Deutschland im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung hinterherhinkt.

Von Heiner Hoffmann und Daniel Hoh, SWR

Fariborz Kalantari versteckt sich derzeit an einem geheimen Ort – der Journalist aus Teheran recherchiert seit Langem über Korruption unter Irans Eliten. In seinem Heimatland wurde er wegen seiner kritischen Berichterstattung verfolgt, zu mehrjährigen Haftstrafen und Peitschenhieben verurteilt. 2019 ist er deshalb aus Iran geflohen.

Im Interview mit Report Mainz erzählt er, dass er erst vor Kurzem eine Sprachnachricht aus dem Umfeld des Regimes erhalten habe. „Darin wurde mir gedroht, dass sie mich hier im Exil aufspüren, entführen und an die Quds-Brigaden der iranischen Revolutionsgarde ausliefern werden“, sagt Kalantari.

Luxushotels in Verbindung zum iranischen Regime?

Als Journalist hat er sich unter anderem mit einem Landsmann beschäftigt, der auch in Deutschland aktiv ist: Ali Aliakbar Ansari. Der iranische Unternehmer ist unter anderem Eigentümer des Bero-Einkaufszentrums in Oberhausen. Genauso gehören ihm laut Medienberichten zwei Hilton-Hotels im Raum Frankfurt am Main. Ansari soll enge Verbindungen zu Modschtaba Chamenei pflegen, dem neuen Obersten Führer des Iran.

„Mir wurde immer wieder von schwarzen Mercedes mit Regierungskennzeichen und getönten Scheiben berichtet, die einmal pro Woche beim Büro von Ali Ansari vorgefahren sind“, erzählt Kalantari. In einem der Autos habe Modschtaba Chamenei gesessen.

Im vergangenen Jahr haben britische Behörden Ansari auf die Sanktionsliste gesetzt – wegen wirtschaftlicher Unterstützung der Revolutionsgarde im Iran, die inzwischen auch in der EU als Terrororganisation eingestuft wird. Auf Anfrage von Report Mainz lässt der Geschäftsmann über seinen Anwalt in London eine finanzielle Verbindung zur Revolutionsgarde und zu Modschtaba Chamenei vehement zurückweisen. Gegen die Aufnahme auf die britische Sanktionsliste wolle er sich wehren.

Iranischer Geschäftsmann nicht auf EU-Sanktionsliste

In der EU-Sanktionsliste sucht man Ansaris Namen vergeblich. Jahrelang hatte Europa im Vergleich zu den USA weniger Sanktionen gegen Personen oder Unternehmen aus Iran verhängt. Erst seit September 2025 greift die EU wieder etwas härter durch. Doch offenbar bleiben noch große Schlupflöcher.

Report Mainz hat einen Unternehmer getroffen, der in Deutschland selbst lange Geschäfte mit Iran eingefädelt hat und die Schlupflöcher gut kennt – ein Insider, der aus Angst vor Repressionen anonym bleiben möchte. Er erzählt, wie einfach es Deutschland dem Regime bis heute mache. „Deutschland ist für Iran eine der wichtigsten Drehscheiben weltweit.“ Geschäfte über deutsche Firmen wirkten seriös – genau das mache sie für das Regime so wertvoll. „In Wahrheit geht es dabei oft um das Verschieben von Geldern im Sinne des Regimes. Und vieles davon bleibt bislang unter dem Radar der Behörden“, hat der Insider beobachtet.

Der grüne Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour – selbst aus dem Iran stammend – übt generelle Kritik an dem Vorgehen der Behörden. Das finanzielle Netzwerk der Mullahs müsse stärker in den Blick genommen werden. „Wir schneiden uns massiv selbst ins Fleisch, wenn wir sie einfach machen lassen“, sagt Nouripour. „Ich hoffe sehr, dass die Bundesregierung jetzt etwas dagegen tut und die Vermögen dieser Leute, die damit nur Unheil auf der Welt anrichten, auch einfriert.“

Das Netzwerk der Mullahs in Deutschland

Seit vielen Jahren ist das iranische Regime in Deutschland geschäftlich aktiv. In Düsseldorf zum Beispiel sitzt die IFIC Holding AG, die deutsche Tochter der staatlichen iranischen Investment-Gesellschaft. Auch ein Stahl- und Maschinenhändler, der mittelbar dem iranischen Bergbauministerium untersteht, ist hier zu finden. Die USA führen auch diese Unternehmen schon lange auf ihrer Sanktionsliste – im Gegensatz zur EU.

„Alle hätten viel früher viel mehr tun müssen“, sagt dazu Matthew Levitt, ein Sicherheitsexperte, der früher für die US-Regierung gearbeitet hat und heute am Washington Institute forscht. „Keiner hätte daran zweifeln dürfen, um was für eine Art von Regime es sich da handelt. Quer durch Europa herrschte die Vorstellung, dass Iran ein Land wie jedes andere sei. Das war, freundlich ausgedrückt, naiv“, so Levitt.

Experten sehen Mängel bei Geldwäsche-Bekämpfung

Ulrich Göres sieht besonders in Deutschland Nachholbedarf: „Ich glaube, der Verfolgungsdruck in Deutschland ist geringer als in anderen europäischen Staaten.“ Göres ist ein international gefragter Fachmann, wenn es um die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung geht. Früher hat er die Anti-Geldwäsche-Abteilungen großer Banken geleitet, heute arbeitet er als unabhängiger Berater. Die Sicherheitsbehörden müssten härter gegen illegale Geldströme vorgehen, fordert er.

Er vergleicht zum Beispiel die italienische Guardia di Finanza mit der deutschen Financial Intelligence Unit, kurz FIU: „In Italien friert man zwischen 30 und 40 Milliarden Euro pro Jahr ein. In Deutschland bewegen wir uns im Millionenbereich“, rechnet Göres vor. Er wünscht sich unter anderem eine bessere Koordination und einen besseren Datenaustausch zwischen den Behörden in Deutschland.

Auch die Nachrichtendienste wie der Verfassungsschutz sollten seiner Meinung nach stärker als bisher in die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung eingebunden werden. Aus Kreisen der Bundesregierung heißt es, dass man derzeit weitere Sanktionen gegen den Iran prüfe. Dafür seien aber sorgfältige Vorarbeiten auf mehreren EU-Ebenen erforderlich.

Mehr zum Thema sehen Sie heute um 21:45 Uhr bei Report Mainz im Ersten.

Source: tagesschau.de