Gerichtsurteil in Paris: Zementkonzern Lafarge wegen Terrorfinanzierung verurteilt

Ein Pariser Gericht hat Lafarge und acht ehemalige Führungskräfte des französischen Zementherstellers für schuldig befunden, während des syrischen Bürgerkriegs Schutzgeld an dschihadistische Gruppen gezahlt zu haben. Es sieht es als erwiesen an, dass die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) zu den Empfängern gehörte und mit dem Geld Terroranschläge in Europa vorbereitet wurden. Dazu habe der Anschlag auf die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ Anfang 2015 gehört.

Der Konzern wurde zur Höchststrafe von 1,125 Millionen Euro sowie zur Zahlung einer Zollstrafe in Höhe von 4,57 Millionen Euro verurteilt, die er gemeinsam mit vier ehemaligen Führungskräften wegen Nichteinhaltung internationaler Finanzsanktionen zu tragen hat. Der ehemalige Lafarge-Chef Bruno Lafont wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt. Er bestreitet aber, von den Schutzgeldzahlungen gewusst zu haben, und er hat angekündigt, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Die sieben weiteren ehemaligen Führungskräfte erhielten Haftstrafen zwischen 18 Monaten und sieben Jahren.

Laut dem am Montag gesprochenen Urteil flossen in den Jahren 2013 und 2014 insgesamt knapp 5,6 Millionen Euro an Schutzgeld an Dschihadisten. Mit diesem hielt Lafarge das inzwischen stillgelegte Zementwerk im nordsyrischen Jalabyia aufrecht, das seinerzeit zum Herrschaftsgebiet des IS gehörte. Das Werk war im Oktober 2010 in Betrieb genommen worden. Wenige Monate später brach der syrische Bürgerkrieg aus.

Das Geld steckte im Plastiksack

Während Lafarge seine französischen Angestellten zurück in ihre Heimat geholt hatte, arbeiteten die Einheimischen weiter. Damit sie Zugang zu der Anlage bekamen und diese unversehrt erreichen konnten, bestach man die erpresserischen Terrormilizen mit Geld und mit Zementlieferungen. Lafarge habe eine „echte Geschäftspartnerschaft mit dem IS“ aufgebaut, zitierte die Nachrichtenagentur AFP die Vorsitzende des Pariser Gerichts, Isabelle Prévost-Desprez.

Lafarge teilte mit, die Entscheidung des Gerichts zur Kenntnis zu nehmen. Die damaligen Verhaltensweisen stellten einen „eklatanten Verstoß“ gegen den unternehmenseigenen Verhaltenskodex dar. Die Entscheidung sei „ein wichtiger Meilenstein“ in den Bemühungen von Lafarge, diesen Fall aus der Vergangenheit „verantwortungsvoll“ anzugehen. Man prüfe derzeit die Begründung des Gerichts.

Der Prozess in Paris beruht auf der Strafanzeige von Nichtregierungsorganisationen und ehemaligen Mitarbeitern von Lafarge. Der ehemalige Sicherheitschef von Lafarge in Syrien, Jacob Waerness, hat die damaligen Vorgänge schon vor einigen Jahren publik gemacht. In einem Buch beschrieb der Norweger unter anderem, wie er im Herbst 2012 eine sechsstellige Summe übergab, um neun entführte Mitarbeiter freizukaufen. Das Geld steckte in einem Plastiksack und dürfte über Umwege in die Hände des IS gelangt sein. Gleiches gilt für Schutzgelder und Wegezölle, die dafür gezahlt wurden, dass Rohmaterialien in die Fabrik geliefert und Zementprodukte an Kunden in der Region ausgeliefert werden konnten.

Finanziell hat das Unternehmen vorgebaut

Der Lafarge-Mutterkonzern Holcim äußerte sich nicht zu dem Urteil. Finanziell hat das Unternehmen schon vorgebaut: Dem Vernehmen nach haben die Schweizer einen zweistelligen Millionenbetrag zurückgestellt, um die drohenden Strafzahlungen zu begleichen. Denn intern hat man schon mit einem Schuldspruch gerechnet. Schließlich hatte sich Lafarge schon im Jahr 2022 in einem Verfahren in Amerika schuldig bekannt, bei früheren Geschäften in Syrien terroristische Organisationen unterstützt zu haben. Dieses Eingeständnis, verbunden mit einer Strafzahlung von 778 Millionen Dollar, führte dazu, dass das Verfahren in den USA eingestellt wurde.

Die Lafarge-Zementfabrik im Norden Syriens, aufgenommen 2018AFP

Lafarge und die Holcim AG fusionierten 2015 zum damals größten Zementkonzern der Welt. Von den rufschädigenden Vorgängen in Syrien erfuhren die Schweizer erst nach dem Vollzug des Zusammenschlusses mit den Franzosen. In einem konzerninternen Untersuchungsbericht stellte Holcim vor ein paar Jahren fest, dass die damals involvierten Lafarge-Führungskräfte ihre Aktivitäten in Syrien nach der Fusion sowohl gegenüber Holcim als auch gegenüber externen Prüfern verheimlicht hätten. Holcim und Lafarge fordern von den ehemaligen Managern, darunter Lafont, mehr als 200 Millionen Euro Schadenersatz.

In dem Holcim-Untersuchungsbericht hieß es, dass die für das Geschäft in Syrien zuständigen Mitarbeiter im vermeintlich besten Interesse des Unternehmens gehandelt hätten. Überdies seien sie für ihren Lebensunterhalt auf die Gehälter von Lafarge angewiesen gewesen. Doch letztlich hätten die Manager die Lage vollkommen falsch beurteilt und die rechtlichen und rufschädigenden Auswirkungen ihres Verhaltens nicht ausreichend bedacht. Zugleich wurde festgestellt, dass das Controlling der Franzosen versagt hat.

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