Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 05/2026.
Am Morgen des 9. August 2025 geht ein Notruf bei der Berliner Feuerwehr ein, am Telefon ist eine aufgeregte Frau. „Ich habe versucht, meinen Mann mit dem Beil umzubringen“, sagt sie. „Das Blut ist überall.“ Als kurz darauf drei Streifenwagen an dem Kreuzberger Mehrfamilienwohnhaus eintreffen, öffnet ein blutüberströmter Mann die Wohnungstür im vierten Stock.
Die schwer bewaffneten Polizisten stürmen an ihm vorbei in die Altbauwohnung, treffen im Schlafzimmer auf die 72-jährige Ehefrau. Leicht verwirrt wirkt sie, aber ansprechbar. Während ihr 74-jähriger Mann nebenan medizinisch versorgt wird, beantwortet sie die Fragen des Polizisten, der neben einem Sanitäter mit ihr im Zimmer bleibt. Ihr Personalausweis? Der sei hier irgendwo im Regal, sagt sie und streckt die Hand danach aus. Dann geht alles ganz schnell: Sie greift sich ein Paketmesser und zieht es zweimal über ihren Hals. Der Polizist entsichert seine Maschinenpistole, ruft, sie solle das Messer fallen lassen. Weitere Beamte rennen in das Zimmer, drücken die Frau zu Boden. Erst als sie die Situation beruhigt haben, kann sich ein Notarzt um die Wunden kümmern. Dann werden beide Eheleute in getrennte Krankenhäuser gebracht.