Bewaffnete Konflikte gewinnen nicht automatisch diejenigen, die die modernsten Angriffswaffen in ihrem Arsenal haben. Im wahrsten Sinne des Wortes kriegsentscheidend ist, wer die Logistik hinter den Frontlinien am besten organisiert. Dazu braucht es funktionierende Häfen, in denen Güter auf Lastwagen verladen werden, und Fahrer, die diese Fracht über solide Straßen und Brücken ans Ziel bringen.
Die Europäische Kommission will mit ihrer Hafenstrategie den chinesischen Einfluss auf Europas Seehäfen zurückdrängen. Das Instrumentarium reicht von strengerer Überwachung von Investoren bis zur temporären Übernahme von Anlagen. Was noch vor Kurzem als gefährlicher Eingriff in Eigentumsrechte gegolten hätte, scheint heute vielen als überfällige Anpassung an neue Realitäten. Oder wäre es denkbar, dass europäische Investoren kritische Infrastruktur in China erwerben?
Doch es ist nicht nur China, das den Paradigmenwechsel vorantreibt. Spätestens mit der zweiten Amtszeit des amerikanischen Präsidenten Donald Trump greift die größte Volkswirtschaft der Welt mit der Begründung „Nationale Sicherheit“ tief in die wirtschaftliche Ordnung ein.
Gerade profitiert ausgerechnet der Bayer-Konzern, die beste Melkkuh der US-Klageindustrie, davon, dass Washington die inländische Herstellung von Glyphosat unter einen Schutzschirm gestellt hat. Im Rohstoffsektor fließen Milliarden in Lieferketten mit dem Siegel „China free“. Die Regierung macht dabei auch vor staatlichen Beteiligungen in Unternehmen gegen deren Willen nicht halt. Es gibt wenig Grund zur Annahme, dass ein Nachfolger Trumps – egal, aus welchem Lager – einen grundlegend anderen Kurs einschlagen wird.
Für Europa und vor allem Deutschland mit seiner immer noch exportlastigen Wirtschaft ist das Manövrieren in derart turbulentem Gewässer extrem schwierig. Unter hoher Unsicherheit muss definiert werden, was eigene Interessen sind und welche Instrumente deren Schutz dienen sollen, ohne dabei heimischen Unternehmen ihre Chancen auf den Weltmärkten zu nehmen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) braucht klare Botschaften auf seinen anstehenden Reisen nach China und in die USA.