Das US-Präsidialamt hat direkte Gespräche zwischen dem US-Gesandten für Geiseln, Adam Boehler, und der palästinensischen Terrororganisation Hamas über die Freilassung von Geiseln mit US-Staatsbürgerschaft bestätigt. „Mit Israel wurde sich in dieser Angelegenheit beraten“, sagte Karoline Leavitt, die Sprecherin des Weißen Hauses. Details gab Leavitt nicht preis. Hamas-Vertreter bestätigten die Gespräche. Direkte Gespräche sind angesichts der
Einstufung der Hamas als Terrororganisation durch die USA unüblich.
Die Nachrichtenwebsite Axios hatte zuvor über direkte Gespräche zwischen Boehler und Vertretern der Hamas in Katar berichtet. Leavitt bestätigte den Schritt und begründete ihn mit dem Wohl von US-Geiseln. „Es stehen amerikanische Leben auf dem Spiel“, sagte sie. Der Sondergesandte Steve Witkoff sei befugt, mit jedem zu sprechen. Im Übrigen glaube US-Präsident Donald Trump grundsätzlich an den Dialog „mit Menschen auf der ganzen Welt“ im Interesse der Amerikaner.
Derzeit werden noch fünf US-Geiseln von der Hamas im Gazastreifen festgehalten. Nach Medienberichten sind vier von ihnen tot – eine Geisel soll noch am Leben sein.
Trump äußert „letzte Warnung“ an Hamas-Führung
Trump selbst sprach diverse heftige Drohungen aus. Die Hamas müsse sofort alle Geiseln
freilassen und auch alle Leichen der ermordeten Israelis übergeben,
„oder es ist vorbei für euch“, schrieb der Präsident auf seiner Plattform Truth
Social. „Ich schicke Israel alles, was es
braucht, um die Sache zu Ende zu bringen. Kein einziges Hamas-Mitglied wird sicher sein, wenn ihr nicht tut, was ich sage.“
Trump schrieb weiter, er habe sich gerade mit einer früheren Geisel getroffen, deren Leben die Hamas zerstört habe. „Das ist die letzte Warnung an euch!“, schrieb Trump. Für die Führung der Hamas sei nun die Zeit, den Gazastreifen zu verlassen, solange sie noch die Chance dazu habe.
An die Bevölkerung gerichtet, schrieb der
US-Präsident: „Eine wunderbare Zukunft erwartet euch, aber nicht, wenn ihr Geiseln gefangen haltet. Wenn ihr das tut, seid ihr tot.“ Die
Menschen sollten eine „kluge Entscheidung“ treffen und die Geiseln
freilassen, oder sie würden es später büßen.
Die Hamas reagierte nicht sofort auf die Drohung. Die islamistische palästinensische Miliz Mudschahedin-Brigade teilte mit, die Äußerung zeige, dass die US-Regierung darauf bestehe, „weiterhin als Partner beim Völkermord an unserem Volk aufzutreten“.
Israel bestätigt Gespräche
Israel bestätigte indes, vor den direkten Gesprächen mit der Hamas von den USA zurate gezogen worden zu sein. „Israel hat seine Meinung zu direkten Gesprächen mit der Hamas geäußert“, gab das Büro des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu bekannt.
Hamas-Vertreter sagten ihrerseits, die Gruppe habe direkte Gespräche mit einem US-Gesandten über die Freilassung von Geiseln im Gazastreifen geführt. „Es gab mehrere Kontakte zwischen der Hamas und verschiedenen amerikanischen Kommunikationskanälen, zuletzt mit einem US-Gesandten, bei denen es um die Frage der israelischen Gefangenen ging, lebende sowie tote, welche die US-Staatsbürgerschaft besitzen“, sagte ein Hamas-Beamter, der anonym bleiben wollte. Ein zweites hochrangiges Hamas-Mitglied sagte, es habe „in den
vergangenen Tagen zwei direkte Treffen zwischen Hamas- und US-Beamten in
Doha“ gegeben.
Insgesamt hält die Hamas noch 58 Geiseln im Gazastreifen gefangen. 34 von ihnen sind durch die israelische Armee für tot erklärt worden. Aktuell laufen Verhandlungen über eine zweite Phase der Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas, die eine Freilassung aller verbliebenen Geiseln vorsieht.
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