Angelika Stibi hat keine Vorhänge. Die Leute sollen ruhig sehen, „dass hier keine Asozialen wohnen“, sagt sie. Wer an der kleinen Erdgeschosswohnung der Rentnerin vorbeispaziert, hat deshalb freien Blick auf Zierkürbisse, Trockenblumen und eine kleine Igelfigur auf der Fensterbank. Drinnen riecht es nach Zwiebelkuchen, den die 61-Jährige für ein Treffen mit ihren Nachbarinnen gebacken hat.
Stibis Nachbarinnen und Nachbarn, das sind vor allem andere Senioren, aber auch Teenager, junge Mütter und Väter, Babys. Sie leben gemeinsam in der Fuggerei, der nach eigenen Angaben ältesten Sozialbausiedlung der Welt. Insgesamt 142 Wohnungen werden von rund 150 Menschen bewohnt. Die Jahreskaltmiete: 88 Cent und drei Gebete pro Tag.