Mit eindringlichen Worten fordern fünf westliche Staaten, darunter Deutschland, ein Ende der Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah. Eine israelische Bodenoffensive hätte „verheerende humanitäre Folgen“.
Deutschland und vier weitere Staaten haben Israel eindringlich vor einer Ausweitung der angekündigten Bodenoffensive im Südlibanon gewarnt. „Eine signifikante israelische Bodenoffensive hätte verheerende humanitäre Folgen und könnte zu einem langwierigen Konflikt führen“, teilten die Staats- und Regierungschefs Deutschlands, Frankreichs, Italiens, Kanadas und des Vereinigten Königreichs in einer Erklärung mit.
Die humanitäre Lage im Libanon „einschließlich der anhaltenden Massenvertreibung ist bereits äußerst alarmierend“, hieß es weiter. Die fünf Staaten stünden „solidarisch an der Seite der Regierung und Bevölkerung Libanons, die gegen ihren Willen in den Konflikt hineingezogen wurden“. Angriffe gegen die Zivilbevölkerung, die zivile Infrastruktur, medizinisches Personal und die Gesundheitsinfrastruktur sowie die UNIFIL-Truppe der Vereinten Nationen verstießen gegen das humanitäre Völkerrecht.
Mehr als eine Million Vertriebene
Durch die jüngste Eskalation des Konflikts sind im Libanon offiziellen Angaben zufolge bereits mehr als eine Million Menschen vertrieben worden. Damit ist etwa jeder Sechste im Land betroffen. Das Gesundheitsministerium teilte mit, dass mehr als 880 Menschen durch israelische Angriffe getötet worden seien. In der Erklärung der westlichen Staaten wird „eine sofortige Deeskalation“ gefordert. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete den Einsatz als „Fehler“.
Die Staats- und Regierungschefs verurteilten auch die Entscheidung der Hisbollah, sich Irans Angriffen auf Israel anzuschließen. „Die Angriffe der Hisbollah auf Israel und ihre gezielten Angriffe auf die Zivilbevölkerung müssen aufhören, die Hisbollah muss ihre Waffen niederlegen.“ Alle militärischen Aktivitäten der Miliz müssten im Libanon verboten werden.
Angriffe auf Vororte von Beirut
Die israelische Armee hat nach Angaben der libanesischen staatlichen Nachrichtenagentur NNA drei südliche Vororte von Beirut angegriffen. Israelische Kampfflugzeuge hätten Angriffe in den Gebieten Kafaat und Haret Hreik ausgeführt, berichtete NNA am Morgen. Ein Kampfflugzeug habe zudem ein Wohngebäude in dem Gebiet Doha Aramun attackiert. Die israelische Armee hatte zuvor erklärt, Angriffe auf „Terror-Infrastruktur der Hisbollah“ auszuführen.
Ein Militärsprecher hatte am Montagabend angekündigt, den Einsatz von Bodentruppen im Südlibanon auszuweiten. Die Armee mobilisiere weitere Reservisten. Gegenwärtig seien bereits mehr als 100.000 Reservisten an allen Fronten im Einsatz. Im Libanon besteht die Sorge vor einer großangelegten Bodeninvasion Israels mit anschließender Besatzung im Süden des Landes. Israel hatte zuletzt offen gelassen, ob die Gebiete gehalten werden sollen.
Konfliktparteien als Quelle
Angaben der Konfliktparteien oder von Beobachtern zum Kriegsgeschehen können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.
Hisbollah greift israelische Truppen an
Auch die Hisbollah hatte am Montagabend von eigenen Angriffen gesprochen. Den Angaben zufolge wurden israelische Truppen in dem Dorf Chijam im Südlibanon angegriffen, dem ersten Ort, in den die israelische Armee nach Beginn des Krieges vorgerückt war. Als Reaktion auf die Angriffe auf Iran hatte die Hisbollah den Norden Israels unter Beschuss genommen. Seither nimmt die israelische Armee wieder verstärkt Ziele ins Visier, die als Hisbollah-Hochburgen gelten.
Die israelische Luftwaffe hat nach eigenen Angaben auch neue Angriffe auf die iranische Hauptstadt Teheran ausgeführt. Die Angriffe zielten auf „Infrastruktur des iranischen Terrorregimes“ ab. Auch in Israel ertönten wegen iranischer Angriffe am frühen Morgen mindestens zweimal die Sirenen. Nach jeweils kurzer Zeit wurde der Raketenalarm wieder aufgehoben und Entwarnung gegeben.
Source: tagesschau.de