Früherer britischer Prinz Andrew festgenommen

Stand: 19.02.2026 • 16:33 Uhr

Der frühere britische Prinz Andrew Mountbatten-Windsor soll vertrauliche Dokumente an den US-Sexualstraftäter Epstein weitergeleitet haben. Nun hat die Polizei den 66-Jährigen in Norfolk festgenommen.

Andrew Mountbatten-Windsor ist am Morgen festgenommen worden. Hintergrund sind seine Kontakte zum US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Dem 66-jährigen früheren Prinzen, der ausgerechnet an seinem Geburtstag von den Beamten abgeholt wurde, wird Fehlverhalten in einem öffentlichen Amt vorgeworfen. Er wird verdächtigt, in seiner früheren Rolle als Handelsbeauftragter vertrauliche Dokumente an den 2019 gestorbenen Epstein weitergeleitet zu haben. Mutmaßliche Sexualdelikte werden in den offiziellen Angaben zur Festnahme des Bruders von König Charles III. nicht erwähnt.

Die britischen Behörden nennen gemäß nationaler Richtlinien bei Festnahmen keine Namen. Die zuständige Thames Valley Police teilte am Vormittag lediglich mit, Durchsuchungen an Adressen in Berkshire und Norfolk durchzuführen. Ein Mann in seinen 60ern sei wegen des Verdachts auf Fehlverhalten in Ausübung offizieller Funktionen festgenommen worden.

Vertrauliche Berichte weitergeleitet?

Die Ermittlungen folgen auf die Veröffentlichung weiterer Dokumente aus den Ermittlungsakten zu Epstein. Sie legen nahe, dass Andrew unter anderem Berichte offizieller Besuche in Hongkong, Vietnam und Singapur an Epstein geschickt haben soll. Bereits Anfang Februar hatte die britische Polizei mitgeteilt, Hinweisen in diese Richtung nachzugehen.

Als besonders brisant gilt die Weitergabe eines als „vertraulich“ eingestuften Berichts aus Afghanistan. Er soll Details zu lukrativen Rohstoffvorkommen enthalten haben. Laut einem BBC-Bericht gab Andrew Mountbatten-Windsor dem US-Finanzinvestor zudem Hinweise zu möglichen Investitionsobjekten, die er auf seiner Reise gesammelt hatte. Britische Handelsgesandte sind laut offiziellen Richtlinien zur Verschwiegenheit über im Zusammenhang mit ihren Reisen erlangte Informationen verpflichtet. Der Ex-Prinz hat sich bislang nicht öffentlich zu den Ermittlungen geäußert.

Was sind die Epstein-Files?

Die sogenannten Epstein-Files bezeichnen eine umfangreiche Sammlung von Dokumenten, Zeugenaussagen und Gerichtsunterlagen rund um den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Der US-Multimillionär soll über Jahre hinweg ein Netzwerk zum sexuellen Missbrauch junger Frauen und Minderjähriger aufgebaut haben. Epstein wurde 2019 erhängt in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden, bevor es zu einem Strafprozess kommen konnte.

„Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen“

Offenbar wurden der König und die Königin nicht vorab über die Festnahme Andrews informiert, berichtet die BBC. Das Königshaus veröffentlichte im Namen Charles III. eine schriftliche Mitteilung. „Mit tiefster Besorgnis habe ich die Nachricht über Andrew Mountbatten-Windsor und den Verdacht des Amtsmissbrauchs vernommen“, heißt es darin. „Nun folgt ein umfassendes, faires und ordnungsgemäßes Verfahren […].“ Die königliche Familie werde dabei unterstützen und kooperieren. „Ich möchte klarstellen: Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen“, hieß es weiter.

Premierminister Keir Starmer erklärte kurz vor Bekanntwerden der Festnahme von Andrew: „Niemand steht über dem Gesetz“.

Vermutlich Auswertung von Computern

Wie lange Andrew Mountbatten-Windsor im Gefängnis bleiben muss, ist noch nicht bekannt. Britischen Experten zufolge kann die polizeiliche Maßnahme für bis zu 96 Stunden gelten, allerdings wäre dafür auch eine Entscheidung eines Gerichts erforderlich. Ein früherer hochrangiger Polizeibeamter sagte der BBC, dass die Beamten durch die Festnahme Zugang zu Computerausrüstung, Dateien, Fotos und anderen Beweismitteln erhalten würden. Die BBC berichtet, dass neben Gebäuden in Norfolk und Berkshire auch der frühere Wohnsitz Andrews in Windsor durchsucht wird.

Für das Königshaus ist Andrew seit langer Zeit eine Belastung. Durch seine Verbindungen zu Epstein hat er bereits seine gesellschaftliche Stellung und seine Privilegien verloren. Er musste 2019 von allen royalen Pflichten zurücktreten. Im Oktober entzog ihm König Charles den Prinzentitel, in der vergangenen Woche musste er sein Anwesen Royal Lodge in Windsor räumen.

Die königliche Familie habe bisher versucht, sich von dem ehemaligen Prinzen zu distanzieren, sagt der Königshausexperte Jack Royston vom Magazin Newsweek. Doch womöglich reiche das nun nicht mehr: „Ich glaube, es herrscht das Gefühl, dass die königliche Familie mehr sagen und mehr tun muss“, so Royston.

Polizei prüft offenbar weiteren Vorwurf

Unter Druck geraten war Andrew Mountbatten-Windsor in der Vergangenheit unter anderem durch die Schilderungen von Virginia Giuffre, einem der prominentesten Opfer von Epstein. Sie hatte dem Ex-Prinz vorgeworfen, sie mehrmals missbraucht zu haben, unter anderem als Minderjährige. 2022 hatte sie deswegen eine Zivilklage gegen Andrew Mountbatten-Windsor eingereicht. Die Klage wurde Medienberichten zufolge mit einem millionenschweren Vergleich beigelegt. Giuffre beging im April Suizid. Andrew hat ein Fehlverhalten stets bestritten.

Die Familie von Giuffre zeigte sich nach der Festnahme erleichtert. „Endlich, heute wurden unsere gebrochenen Herzen durch die Nachricht getröstet, dass niemand über dem Gesetz steht, nicht einmal die Königsfamilie“, teilten die Geschwister von Virginia Giuffre mehreren Medien mit. Andrew sei „nie ein Prinz“ gewesen, heißt es darin weiter.

Die Polizei im Thames Valley prüft derzeit zudem einen weiteren Vorwurf gegen Andrew, bei dem es um eine Frau geht, die zu einer Adresse in Windsor gebracht worden sein soll.

Mit Informationen von Franziska Hoppen, ARD-Studio London

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Source: tagesschau.de