Was gäbe man darum, seine Meinung gerade jetzt zu hören: Oft
ist das eine schnell dahingesagte Floskel. Im Falle Fritz Sterns ist das völlig
anders: Schließlich war der 2016 im Alter von 90 Jahren verstorbene Historiker,
der jahrzehntelang an der Columbia University in New York lehrte, einer der
großen Durchleuchter des 20. Jahrhunderts, das er zudem am eigenen Leib zu
spüren bekommen hatte. Freiheit und Diktatur, Emanzipation und Unterdrückung,
die fragile bürgerliche Welt, Deutschland und Amerika, transatlantisch: Das
waren seine Lebensthemen, von denen er auch in seinen 2007 erschienenen Memoiren
Fünf Deutschland und ein Leben (C. H. Beck) erzählt hat – und die uns heute
plötzlich wieder als geschockte Zuschauer vor dem Livestream einer
explodierenden Gegenwart bedrängen.