marktbericht
Neue Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Attacken am Persischen Golf haben dem DAX einen starken Start in den April beschert. Teheran will aber offenbar von einer Waffenruhe nichts wissen.
Der deutsche Aktienmarkt ist mit hohen Aufschlägen ins zweite Quartal gestartet. Der DAX sprang angesichts neuer Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Iran-Krieges zunächst um bis zu 2,9 Prozent nach oben. Im Verlauf ließ die Euphorie aber nach, da die Flut an widersprüchlichen Nachrichten anhält. Im März hatte der Leitindex wegen des Konflikts am Persischen Golf rund zehn Prozent eingebüßt.
US-Präsident Donald Trump strebt offenbar ein Ende der Militärkampagne auch ohne Aufhebung der Hormus-Blockade an. Er denke, die USA würden noch „vielleicht zwei Wochen, vielleicht ein paar Tage länger“ brauchen, bevor die Angriffe beendet würden, sagte Trump im Weißen Haus. „Wir werden sehr bald abziehen.“
Der US-Präsident will sich in der Nacht auf Donnerstag in einer „wichtigen Rede“ an die Nation zum Iran äußern. Für ein Ende des Militäreinsatzes müsse es keinen Deal mit Iran geben, sagte Trump. Das sei „irrelevant“, da man dafür sorge, dass das iranische Regime keine Atomwaffen bauen könne.
Aus Teheran kam dagegen erneut ein Dementi direkter Verhandlungen. „Wir bekommen Botschaften von der amerikanischen Seite, einige direkt und einige über unsere Freunde in der Region, und wenn nötig antworten wir auf diese Botschaften“, sagte Irans Außenminister Abbas Araghtschi dem Fernsehsender Al Dschasira. Teheran habe „null“ Vertrauen zur US-Regierung und werde keine Waffenruhe akzeptieren, betonte Araghtschi. Stattdessen forderte er ein „vollständiges Ende des Krieges“ und Reparationszahlungen für die Kriegsschäden im Iran.
Der iranische Präsident Massud Peseschkian erklärte indessen in einem Telefonat mit EU-Ratspräsident António Costa, dass sein Land den „nötigen Willen“ habe, diesen Krieg zu beenden. Er forderte zugleich „notwendige Garantien“, um „eine Wiederholung der Aggression zu verhindern“ sowie „finanzielle Entschädigungen“.
Die Zuversicht im Iran-Krieg machte sich auch bei den weiter gesunkenen Ölpreisen bemerkbar, die derzeit wichtigster Gradmesser für die Konjunktur- und Inflationssorgen der Anleger sind. Rohöl der Sorte Brent zur Lieferung im Juni fiel am Morgen vorübergehend unter die viel beachtete Marke von 100 Dollar je Barrel (159 Liter).
Die Hoffnungen auf eine Deeskalation hatten auch die Wall Street beflügelt. Der Dow Jones beendete den Handel 2,5 Prozent höher bei 46.341 Punkten.
Auch die asiatischen Börsen reagierten mit kräftigen Gewinnen. Der japanische Nikkei-Index legte um 5,2 Prozent zu. In Südkorea stieg der Kospi um 8,5 Prozent, nachdem die Exporte im März die Erwartungen deutlich übertroffen hatten. „Der Markt begrüßt die Tatsache, dass sie miteinander reden“, sagte Rodrigo Catril, Währungsstratege bei der National Australia Bank.
Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Konjunkturprognose für 2026 angesichts der durch den Iran-Krieg stark gestiegenen Energiepreise mehr als halbiert. Wie aus dem Frühjahrsgutachten der fünf Institute hervorgeht, erwarten sie für das laufende Jahr eine Zunahme der deutschen Wirtschaftsleistung von 0,6 Prozent und für 2027 um 0,9 Prozent, Im vergangenen Herbst hatten die Institute noch prognostiziert, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 1,3 Prozent wächst.
Gegen den Markttrend steht die Aktie der Deutsche Euroshop unter Druck. Marktteilnehmer zeigten sich enttäuscht von dem Ausblick des Einkaufszentren-Betreibers. Für dieses Jahr erwartet das Unternehmen einen nur leichten Anstieg von Umsatz und operativem Ergebnis, will aber auch einen leichten Rückgang nicht ausschließen. Der Börsenumsätze der Aktie sind wie gewohnt gering: Der Streubesitz an dem im SDAX notierten Unternehmen beträgt nur noch 16,2 Prozent.
Source: tagesschau.de