Französische Atomkraftwerke werden wichtiger für jedes deutsche Stromnetz-Stabilität

An den deutschen Stromimporten hatte Kernenergie 2025 erneut den größten Anteil. Dabei geht es nicht nur um den Einkauf günstiger Elektrizität: Der Atomstrom wird zunehmend dafür eingekauft, um temporäre Überlastungen zu verhindern.

Die Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland greifen zunehmend auf französische Atomkraftwerke zurück, um die Schwankungen von Wind– und Solarstrom auszugleichen. Die Bundesnetzagentur bestätigte entsprechende Informationen der WELT AM SONNTAG.

Die Atomstrom-Mengen aus dem Nachbarland werden im sogenannten Crossborder-Redispatch eingekauft, um temporäre Überlastungen im deutschen Stromnetz zu verhindern. Es handelt sich dabei um entschädigungspflichtige Eingriffe der Netzbetreiber in den Kraftwerksbetrieb, die allein aus Gründen der Systemsicherheit notwendig werden. Die Kosten werden über die Netzentgelte auf die Endverbraucher in Deutschland umgelegt.

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„Auf Grundlage der von den Netzbetreibern an die Bundesnetzagentur übermittelten Daten, belief sich das Volumen der Redispatch-Maßnahmen mit ausländischen Kernkraftwerken im Zeitraum von Januar bis September 2025 auf rund 77 Gigawattstunden“, führte die Bundesnetzagentur aus: „Im entsprechenden Vorjahreszeitraum lag das Volumen bei etwa 69 GWh, was einem Anstieg von rund 11,6 Prozent entspricht.“

Frankreich liefert den meisten Atomstrom

Den Daten zufolge wird die Leistung ausländischer Kernkraftwerke zeitweise gesenkt, um eine Überlastung der deutschen Leitungen bei Wind- und Solarstrom-Überschüssen zu vermeiden (negativer Redispatch). Allerdings erhöhen ausländische AKW-Betreiber auf Bitten deutscher Netzbetreiber zuweilen auch ihre Produktion, um Probleme durch ungeplant niedrige Wind- und Solarstrom-Einspeisung zu kompensieren (positiver Redispatch).

Daten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesystem (ISE) belegen, dass deutsche Netzbetreiber sowohl für negativen als auch positiven Redispatch auf Kernkraftwerke im Ausland zurückgreifen.

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Deutschland ist seit der Stilllegung seiner letzten Kernkraftwerke 2023 zum Netto-Importeur von Elektrizität geworden. Nach Daten der Bundesnetzagentur bezog die Bundesrepublik im vergangenen Jahr mehr als 60.000 Gigawattstunden Strom aus dem Ausland. Mit 14.331 Gigawattstunden hatte Kernenergie dabei den größten Anteil. Frankreich war mit rund 9500 Gigawattstunden der mit Abstand größte Atomstrom-Lieferant für Deutschland, gefolgt von Belgien, Niederlande, Schweiz, Tschechien und Schweden.

Nach Informationen von WELT AM SONNTAG waren es auch vor allem französische Kernkraftwerke, die im Redispatch zur Stabilisierung des Stromnetzes eingesetzt wurden. Welcher der vier Netzbetreiber Amprion, Tennet, 50 Hertz und TransnetBW die ausländischen Nuklear-Kapazitäten nutzte, ließ sich nicht zweifelsfrei zuordnen: „Bei den Anforderungen handelt es sich um eine gemeinsame Optimierung der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber“, teilte die Bundesnetzagentur mit.

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Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ geschrieben.

Daniel Wetzel ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet über Energiewirtschaft und Klimapolitik. Er wurde 2007 vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) mit dem Robert-Mayer-Preis ausgezeichnet und vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität Köln 2009 mit dem Theodor-Wessels-Preis.

Source: welt.de

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