Dass die Pariser Radfahrer-Idylle trügt, zeigte sich schon
kurz nachdem der satte Wahlsieg für das rot-grün-kommunistische Lager in der
Hauptstadt verkündet war. In seinem Wahlbüro kommentierte der Sozialist Emmanuel Grégoire am Sonntagabend das Ergebnis der zweiten Kommunalwahlrunde so: „Paris
wird niemals eine Stadt der Extremisten sein, niemals ihre Einwohner
aussortieren“. Wenig später schwang sich Grégoire, der seine Parteikollegin
Anne Hidalgo als Oberbürgermeister beerben wird, auf sein Rad – auf, Richtung
Rathaus.
Klar, Paris: weltweit bekannt für seine fahrradfreundliche
Politik, für Radwege an der Seine und extrem hohe Parkgebühren für SUVs. Wahlsieger
Grégoire folgen Journalisten auf Motorrollern, interviewen ihn auf der Fahrt. „Ich
hatte heute ordentlich Angst“, sagt er. Die Umfragen hatten ihm nur einen
knappen Vorsprung vor seiner konservativen Herausforderin Rachida Dati
vorhergesagt, die zudem von der rechtsextremen Kandidatin Sarah Knafo
unterstützt wurde.