François Pauly: Der Papst bekommt verknüpfen neuen Bankier

Der Papst erhält einen neuen Bankchef: Der Luxemburger François Pauly wird künftig den Aufsichtsrat der Vatikanbank leiten. Ende April wird er den seit zwölf Jahren amtierenden Franzosen Jean-Baptiste Douville de Franssu ablösen. Pauly bringt erhebliche Erfahrung in der Finanzwelt mit und kennt auch den Vatikan: Derzeit ist er Verwaltungsratsvorsitzender der Versicherungsgruppe La Luxembourgeoise und gehört der Wirtschaftskommission der Erzdiozöse Luxemburg an. Er hält zudem verschiedene Aufsichtsratsposten in Finanzunternehmen in Luxemburg, der Schweiz und Belgien. Von 2017 bis 2021 fungierte Pauly als Mitglied des Verwaltungsrats der Vatikanischen Pensionskasse. Zum Aufsichtsrat der Vatikanbank, dem Istituto per le Opere di Religione (IOR), gehört er seit 2024.

François PaulyRenato Franceschin

Das IOR hat sich in den vergangenen Jahren von einer Skandalbank zu einem respektablen und finanziell stabilen Finanzhaus entwickelt. Nachdem die Bank 2024 einen Nettogewinn von fast 33 Millionen Euro erzielt hat, steigerte sie im vergangenen Jahr dem Vernehmen nach ihr Ergebnis auf ein weiteres Rekordniveau, das Ende April bei der Vorlage der Bilanzzahlen veröffentlicht werden soll. Der Gewinn der Bank kommt dem Vatikan zugute oder fließt in die Reserven des IOR. Das Institut verwaltet Kundengelder von 5,7 Milliarden Euro, darunter die Mittel der Dikasterien der Kurie sowie die von Orden, Klostern oder Hochschulen in aller Welt.

Jean-Baptiste Douville de Franssu scheidet mit solider Bilanz

Der nun scheidende Bank-Präsident Douville de Franssu hat im Laufe der Jahre hartnäckig an einer Genesung der Bank gearbeitet und dabei mehr interne und externe Kontrolle durchgesetzt – oft gegen heftige Widerstände innerhalb des Vatikans. Bei der äußerst verlustreichen Investition des Vatikans in eine Luxusimmobilie an der Londoner Sloane Avenue beispielsweise verweigerte das IOR die Kreditvergabe und schlug bei den Aufsichtsbehörden Alarm.

Zudem kämpfte de Franssu dafür, Gelder zurückzubekommen, die der Bank aufgrund dunkler Geschäfte vor 2014 verloren gingen. Dabei ging es um Missmanagement in der Vatikanbank, aber auch um Betrug durch unredliche Geschäftspartner aus der Finanzwelt. Bis 2024 kamen so 33 Millionen Euro in die Kassen zurück, doch das ist nur ein kleiner Teil der Verluste. De Franssu hat immer wieder beklagt, dass der Vatikan meist aufgrund eigener Inkompetenz, doch teilweise auch durch Korruption ruchlosen Geschäftsleuten auf den Leim gegangen ist.

Wenig professionell zeigt sich ebenfalls die Rechtsprechung des Vatikans: Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, muss das Verfahren im Londoner Immobilienskandal wieder aufgerollt werden, bei dem der Kardinal Angelo Becciu und andere Verantwortliche wegen Veruntreuung in erster Instanz zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt wurden. Denn es fehlten Ermittlungsakten.

Finanzmanagement auf mehrere Stellen verteilt

Der neue Vatikanbank-Präsident wird also weiter dicke Bretter bohren müssen. Die Zusammenarbeit im Vatikan mit der Behörde für Vermögensverwaltung namens Apsa wechselt zwischen harmonisch und konfliktreich. Apsa verwaltet nicht nur Immobilien, sondern auch Finanzvermögen, die eigentlich das IOR gerne bei sich hätte. Für Unruhe sorgte zuletzt, dass ein 2022 gegründetes Investmentkomitee des Vatikans umfangreiche Vermögensverwaltungs-Aufträge der Apsa entzogen und externen Finanzunternehmen übertragen haben soll. Es herrsche in diesem Bereich immer noch zu viel Unordnung und zu wenig Kontrolle, sagen die Kritiker.

Der neue Mann an der Bankspitze wird sich auch nur noch wenige Monate auf den erfahrenen und einflussreichen Generaldirektor der Vatikanbank verlassen können: Der 1956 geborene Gian Franco Mammì, der besonders Papst Franziskus nahestand, wird sein Amt im September altersbedingt verlassen. Der Italiener, der seit 1992 beim IOR arbeitet und seit 2015 Generaldirektor ist, war eine unverzichtbare Stütze für Douville de Franssu in der Neuausrichtung der Bank. Somit bekommt das IOR in kurzer Zeit eine komplett neue Führung. Auch Kardinal Giuseppe Petrocchi ist als Präsident der Kardinals-Kommission, eine Art Aufsichtsgremium der Vatikanbank, erst seit Februar im Amt. Er hat den Wiener Kardinal Christoph Schönborn nach dessen zwölfjähriger Amtszeit abgelöst.

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