Wissen Sie noch, was zum Jugendwort des Jahres 2025 gewählt wurde? Es waren eigentlich zwei Wörter: „Das crazy!“ Für die älteren Semester, die mit dieser Sentenz immer noch nichts anfangen können, hier die Erläuterung des Langenscheidt-Verlags, der, obwohl auch nicht mehr der Jüngste, die Jugendwortwahl ausrichtet: „Dieser Ausdruck wird als Allzweckwaffe der Sprachlosigkeit genutzt. Er wird immer dann verwendet, wenn jemand nicht weiß, was er sagen soll, keine Lust hat zu antworten oder einfach nur höflich bleiben will, um das Gespräch am Laufen zu halten.“
Und da soll noch einmal einer sagen, die Jugend von heute tauge nichts mehr! Wir jedenfalls sind ihr dankbar für die Erweiterung unseres Wortschatzes um „Das crazy!“. Was anderes hätte man ausrufen sollen und wollen, als Trump von den „crazy bastards“ in Teheran verlangte, die „fuckin’ strait“ von Hormus zu öffnen, andernfalls sie in der Hölle landeten? Vielleicht „Fuckin’ Trump!“? Nein, auf dessen Niveau will man sich nicht begeben, da drückt sich ja sogar noch Putin gesitteter aus, jedenfalls in der Öffentlichkeit.
Wie früher die Raubritter am Rhein
Oder sollten wir Trump wieder einmal gründlich missverstanden haben? Waren die deftigen Begriffe in Wahrheit Freundlichkeiten unter Kumpanen? Bei den Tschechen zum Beispiel reden sich beste Kumpels gerne mit „ty vole“ an, also mit „du Ochse“. Und dass die Mullahs jedenfalls anfangs stur wie Ochsen waren, wird ja wohl niemand bestreiten wollen.
Doch dann haben sie Trump vorgeschlagen, gemeinsam die Schiffe in der Straße von Hormus abzukassieren, so wie früher die Raubritter auf ihren Zollburgen am Rhein. Und schon flötete Trump den verrückten Bastarden in Teheran, die er noch kurz zuvor mitsamt ihrer ganzen Zivilisation hatte vernichten wollen: wonderful!
Zölle jeder Art versetzen ihn auch noch mit 79 jederzeit in Ekstase. Zumal die Millionenmaut dann vor allem die Feiglinge und Papiertiger zahlen müssten, die ihn schmählich im Stich gelassen hatten, als er ihre Hilfe nicht im Geringsten brauchte – es war ja nur ein Charaktertest, bei dem wir Europäer mit Pauken und Trompeten durchfielen, sogar wir deutschen Moralapostel. Das crazy!
Nur Orbán enttäuscht Trump nicht
Der Einzige, der Trump nicht enttäuschte, war Viktor Orbán, der nicht einmal mit einer Gulaschkanone den Krieg gegen Iran unterstützen musste, um zu beweisen, wie sehr er den realen Donald liebt und die fuckin’ EU hasst. Trump schickte Orbán als Dank für die Sabotage in Brüssel und die stets zuverlässige Unterrichtung des gemeinsamen Freundes Putin zwei Wahlkampfhelfer, Rubio und Vance. Letzterer warf der EU vor, sich in den ungarischen Wahlkampf einzumischen. Dabei ist das doch nur Washington erlaubt: Quod licet Iovi, non licet bovi! Wer des Lateinischen nicht mächtig ist, könnte auch hier einfach sagen: Das crazy!
Ein paar Gelegenheiten gab es aber auch bei uns, die Allzweckwaffe der Sprachlosigkeit einzusetzen. So etwa nach der Ankündigung der sozialdemokratischen Justizministerin Hubig, das Schwarzfahren zu entkriminalisieren. Auch da wussten wir nicht, was man dazu noch sagen soll. Die zunehmende Aufgabe des Anspruchs, Regeln durchzusetzen und deren Verletzung zu ahnden, ist offenbar der Zug der Zeit. Das zeigt sich sogar schon im Regionalverkehr der Bahn. Fahrgäste, die ein Deutschlandticket haben, müssen nicht länger ihren Ausweis vorzeigen, wenn das Zugpersonal befürchtet, wegen einer solchen unzumutbaren Kontrolle abgestochen zu werden.
Doch warum bei diesem Rückzug auf halber Strecke stehen bleiben? Die Koalition sollte zur Minimierung des Verwaltungsaufwands und des Verletzungsrisikos gleich die freie Fahrt für freie Bürger in der Bahn beschließen. Schließlich erlaubt jetzt sogar unser kriegstüchtiger Verteidigungsminister Pistorius jedem jungen Mann, schnell noch abzuhauen, bevor der Russe kommt. Die Meldepflicht wäre ja voll absurd gewesen. Wir lassen fast jeden Ausländer rein, unsere eigenen jungen Männer aber sollen einen Ausreiseantrag stellen müssen wie in der DDR? Da könnte man doch nur brüllen . . . na, Sie wissen schon.
Source: faz.net