Zu den vielen schlechten bis irren Nachrichten, die wir in diesem noch nicht alten Jahr schon aushalten mussten, kam jetzt noch ein richtiger Hammer hinzu: Die Altneihauser Feierwehrkapell’n marschiert nächste Woche zum letzten Mal in der fränkischen Faschingshochburg Veitshöchheim ein. Dort haben die Oberpfälzer zwei Jahrzehnte lang den Franken derart den Marsch geblasen, dass auch denen der Silvaner nicht mehr schmeckte, den die das Zoigl-Bier liebenden Feuerwehrler allenfalls als Frostschutzmittel ansehen. Buhrufe waren ihnen daher in Unterfranken immer sicher, tatsächlich galt aber auch hier: Was sich neckt, das liebt sich.
Trotzdem wollen die Oberpfälzer jetzt Platz machen für Jüngere, freiwillig. Das ist ein ehrenvoller Abgang, aber auch ein Grund zur Traurigkeit, wenn nicht Verzweiflung. Denn natürlich muss man sich auch hier wieder fragen: Warum verschwinden die fabelhaften Altneihauser von der Bildschirmfläche, nicht aber Trump und Putin, obwohl wir täglich dafür beten?
Bürger erschießen wie die Ministerin ihren Hund
Die beiden Präsidenten und Brüder im Geiste versuchen sich zwar auch immer wieder einmal im komischen Fach. Doch sind ihre Witze von einer Art, bei der einem das Lachen im Hals stecken bleibt, wenn sie einem nicht gleich das Blut in den Adern gefrieren lässt. Und schon gar nicht können Trump und Putin über sich selbst lachen. Sie ertragen es nicht, wenn Komiker sich über sie lustig machen und ihr Wesen entlarven, indem sie ihnen den Spiegel der Satire vorhalten. Sie sind eben richtige Killermimosen.
Trump äfft selbst liebend gerne andere Staatsmänner nach. Doch wenn im amerikanischen Fernsehen ein Comedian den Präsidenten persifliert, muss er froh sein, dass er bloß abgesetzt wird und nicht Besuch von Trumps Gestapo-Imitation bekommt, deren Greifer bekanntlich nicht lange fackeln, wenn sie einen Bürger erschießen müssen wie die sogenannte Heimatschutzministerin Noem ihren jungen Hund, der ja auch nicht auf sie hören wollte.
Putin hat es bei der Eliminierung der Spötter, die es an Respekt fehlen lassen, leichter als Trump. Die Russen wissen ja schon seit Stalins Zeiten, dass man über den obersten Führer im Kreml keine Witze reißt, wenn man nicht erst auf der Streckbank landen und dann in Sibirien enden will, und wer will das schon?
Warum nicht Putin als Mahatma Gandhi?
Weil Putins Humoristenjäger im Inland kaum noch Frechdachse zur Strecke bringen können, schauen sie sich inzwischen auch im Ausland nach Witzbolden um, die es wagen, sich an Putin zu vergreifen. Und so geriet nun auch der deutsche Künstler Jacques Tilly ins Visier der Moskauer Spaßbremsen. Tilly baut schon seit Jahren Motivwagen für den Karneval in Düsseldorf, die auch anderswo gezeigt werden, weil sie so respektlos wie treffend sind. Da auch Putin schon mehrfach Tilly zu satirischen Höchstleistungen trieb, wird dem Wagenbauer nun in Moskau wegen Despotenbeleidigung der Prozess gemacht.
Die Abrechnung mit ihm hätte eigentlich schon vor Weihnachten beginnen sollen, damit Tilly bis Rosenmontag noch genügend Zeit gehabt hätte, sein frevelhaftes Tun zu überdenken und Putin lieber als eine Art russischen Mahatma Gandhi darzustellen. Aber auch ein frühzeitiges Verlesen der Anklageschrift hätte den Künstler wohl nicht dazu gebracht, den Vorstellungen des Kremls zu folgen. Man darf sich also auch in diesem Jahr auf den Pappmaché-Putin freuen. Auch in anderen Umzügen sollen aus Solidarität mit Tilly frühere Putin-Wagen gezeigt werden. Die Karnevalisten schlagen furchtlos mit ihren Mitteln zurück. Recht so!
Und wer weiß, vielleicht bringt uns dann auch noch Putin persönlich zum Lachen, wenn er sich darüber beschweren sollte, wie menschenverachtend mit ihm umgegangen werde. Neulich beklagte er doch tatsächlich bei einem Empfang, dass in der internationalen Politik nur noch das Recht des Stärkeren gelte. Er kritisierte all jene, die „nach dem Recht des Stärkeren ihren Willen diktieren, andere belehren und Befehle erteilen“. Dass die anwesenden Botschafter aus anderen Ländern nicht in wieherndes Gelächter ausbrachen, war nur der jahrelang antrainierten Körperbeherrschung der Diplomaten zu verdanken.
Source: faz.net