Ein gentechnisch veränderter Antikörper weckt Hoffnung bei der Behandlung von Prostatakrebs: Bei einigen Patienten schrumpften Tumore deutlich. Die Methode bietet Vorteile gegenüber anderen Behandlungen, steht aber noch am Anfang.
Die häufigste Krebserkrankung bei Männern ist Prostatakrebs. In Deutschland leben etwa eine halbe Million Männer mit einer Prostatakrebsdiagnose. Forscher haben kürzlich eine neue Behandlung getestet: ein Medikament, das die Tumore schrumpfen lassen soll.
Das Medikament hat tatsächlich vielversprechende Ergebnisse gezeigt: Bei einigen Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs hat das Medikament zu einer Verkleinerung der Tumore geführt. Die Ergebnisse, die noch nicht von weiteren Fachkollegen begutachtet wurden, wurden auf dem Symposium der American Society of Clinical Oncology über urogenitale Krebserkrankungen in San Francisco vorgestellt.
„Wir glauben, dass solche Therapien langfristig zu Heilungen führen können“, sagte Johann de Bono, der die Studie leitete. Dem britischen „Guardian“ erklärte er: „VIR-5500 ist ein gentechnisch veränderter Antikörper. Er bringt die körpereigenen Killer-T-Zellen gezielt mit Tumorzellen in Kontakt, die sich dem Immunsystem bislang entziehen konnten. Diese Wirkstoffklasse – sogenannte T-Zell-Engager – hilft dem Immunsystem, Krebszellen zu erkennen und zu zerstören.“ Weitere klinische Studien seien bereits geplant. „Wir brauchen noch mehr Daten, aber die Ergebnisse sind beeindruckend“, so de Bono.
An der Studie nahmen 58 Männer mit fortgeschrittenem Prostatakrebs teil, bei denen andere Therapien nicht mehr gewirkt hatten. Sie erhielten das Medikament VIR-5500. Nach Angaben der Forscher berichteten rund 88 Prozent der Patienten nur über leichte Nebenwirkungen. Um die Wirkung zu überprüfen, analysierte das Team den PSA-Wert im Blut der Teilnehmer. Das prostataspezifische Antigen (PSA) gilt als wichtiger Biomarker: Erhöhte Werte können auf eine Erkrankung der Prostata hinweisen.
Die Studie begann mit niedrigen Dosen, die schrittweise erhöht wurden. Bei der Auswertung der 17 Männer, die die höchste Dosis erhielten, zeigte sich ein deutlicher Effekt: Bei 14 von ihnen (82 Prozent) sank der PSA-Wert um mindestens die Hälfte. Bei neun Männern (53 Prozent) verringerte er sich um mindestens 90 Prozent, bei fünf (29 Prozent) sogar um mindestens 99 Prozent.
De Bono sprach von „beispiellosen Ergebnissen“ – gerade bei einer Krebsart, die lange als „immunologische Erkältung“ galt, also als Tumorform, die kaum auf Immuntherapien anspricht.
Besonders bemerkenswert war der Fall eines 63-jährigen Mannes, dessen Krebs bereits in die Leber gestreut hatte: Nach sechs Behandlungszyklen waren 14 Lebermetastasen vollständig verschwunden.
Das Besondere an VIR-5500 sei, so de Bono, dass der Wirkstoff erst direkt im Tumor aktiviert werde. Dadurch könnten Nebenwirkungen verringert werden – ein wichtiger Vorteil, da andere sogenannte T-Zell-Engager bei Prostatakrebs teils schwere Entzündungsreaktionen auslösen. Zudem bleibe das Medikament möglicherweise länger im Blut. Das könnte bedeuten, dass weniger Behandlungen nötig sind.
Source: welt.de