Prostata-Krebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Neue Erkenntnisse aus den USA weisen auf einen Zusammenhang zwischen dem Testosteronspiegel und dem Risiko für aggressive Tumoren hin.
Prostata-Krebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland; jährlich erkranken rund 80.000 Menschen daran (Stand 2023). Während bei den meisten Patienten die Tumore langsam wachsen, leiden etwa zehn Prozent der Betroffenen an einer aggressiven Form der Erkrankung. Das sogenannte Hochrisiko-Karzinom breitet sich schnell auf andere Organe aus.
Ob sich ein Tumor in der Prostata zu einer aggressiven Form entwickelt, hängt offenbar mit dem Testosteronspiegel des betroffenen Mannes zusammen. Forscher der Universität Texas fanden heraus, dass ein niedriger Testosteronspiegel aggressiven Krebs in der Prostata begünstigen kann. Die Studie wurde kürzlich im „Journal of Urology“ veröffentlicht.
Für die Untersuchung analysierten die Forscher Daten aus einer Kohortenstudie mit über 900 Männern. Niedrige Testosteronwerte hatten einen größeren Einfluss auf das Risiko, einen aggressiven Krebs zu entwickeln als andere Faktoren – wie etwa das Alter, der Body-Mass-Index (BMI), prostataspezifisches Antigen sowie die Größe und Dichte des Tumors.
In der Studie heißt es: Männer mit Prostata-Krebs, die einen Testosteronwert unter 300 ng/dl haben, wiesen eine um 60 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit auf, dass ihr Krebs zu Grad drei oder höher fortschreitet. Tumoren in dieser Kategorie gelten als aggressiv.
„Die aktive Überwachung (ein standardisiertes Behandlungskonzept, Anm. d. Red.) ist für viele Männer mit Prostata-Krebs im Frühstadium eine sichere und wirksame Option. Die Identifizierung der Patienten, bei denen ein erhöhtes Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung besteht, bleibt jedoch eine zentrale Herausforderung“, wird Justin R. Gregg, Mitautor der Studie, in einer Mitteilung zitiert. „Das Verständnis des Einflusses hormoneller Faktoren auf die Biologie von Prostata-Krebs kann uns helfen, die Überwachungsstrategien zu optimieren.“
Für Patienten mit Prostata-Krebs im Frühstadium wird eine aktive Überwachung empfohlen. Dadurch können Ärzte die Erkrankung engmaschig überwachen und eine Behandlung hinauszögern oder vermeiden, es sei denn, der Krebs zeigt Anzeichen einer aggressiveren Entwicklung. Die Studie zeigt allerdings nicht, dass ein niedriger Testosteronspiegel aggressiven Krebs verursacht, sondern offenbart lediglich einen Zusammenhang, der die Überwachung und Entscheidungsfindung unterstützen kann.
Source: welt.de