Fnac Darty: Křetínský setzt seine Einkaufstour in Frankreich fort

Frankreichs führende Handelskette für Elektronik und Haushaltsgeräte, Fnac Darty, steht vor der Übernahme durch Daniel Křetínský. Der umtriebige tschechische Unternehmer hat dem Konzern ein Angebot zur Aufstockung seines Kapitalanteils von derzeit rund 28 Prozent unterbreitet. Durch den Kauf von Aktien und Wandelanleihen soll sich Křetínskýs Anteil auf mehr als 50 Prozent erhöhen. Ein Rückzug von der Börse ist nicht geplant. Nach Bekanntgabe der Nachricht am Montagmorgen stieg der Aktienkurs von Fnac Darty um rund 17 Prozent.

Křetínský bietet den Aktionären einen Preis von 36 Euro je Aktie, was 19 Prozent über dem letzten Börsenkurs und zwischen 24 Prozent und 26 Prozent über dem Durchschnittskurs der vergangenen ein bis drei Monate liegt. Fnac Darty wird auf diese Weise mit etwas mehr als einer Milliarde Euro bewertet. Der Verwaltungsrat steht hinter der Kaufofferte. Laut der Konzernmitteilung von Fnac Darty hat er das Angebot des Tschechen einstimmig positiv aufgenommen.

Das Unternehmen zählt rund 1500 Filialen in Frankreich, in 13 weiteren Ländern in Europa und Afrika sowie in Qatar und Saudi-Arabien und beschäftigt etwa 30.000 Mitarbeiter. Nach vorläufigen Angaben der Geschäftsführung erzielte Fnac Darty im vergangenen Jahr einen operativen Gewinn von knapp 200 Millionen Euro bei einem Umsatz von knapp zehn Milliarden Euro.

Die Rahmenbedingungen haben sich geändert

Křetínský unterhält quer durch Europa ein weitverzweigtes Firmenimperium mit Beteiligungen in Branchen wie Einzelhandel, Energie, Logistik, Sport und Medien. In Deutschland ist er vor allem als größter Aktionär der Handelsgruppe Metro und als Betreiber von Kohlekraftwerken und -gruben bekannt, in Frankreich unter anderem als Mehrheitsaktionär des Einzelhändlers Groupe Casino, als Betreiber von Kraftwerken unterschiedlichen Typs und als Eigentümer der Verlagsgruppe Editis.

Bei Fnac Darty ist der als frankophil geltende Milliardär, der fließend Französisch spricht und einen Teil seines Jurastudiums in Dijon absolviert hat, 2021 an Bord gegangen. Sukzessive hat er seinen Anteil danach ausgebaut.

Ob die auf einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag geschätzte Übernahme des Handelskonzerns so ohne Weiteres gelingt, dürfte allerdings auch von Ceconomy abhängen. Die Düsseldorfer Muttergesellschaft von Mediamarkt und Saturn ist mit rund 22 Prozent der zweitgrößte Einzelaktionär von Fnac Darty. Sie war kurz nach der Abspaltung aus dem Großhandelskonzern Metro im Jahr 2017 eingestiegen.

Ceconomy wurde in der Vergangenheit immer wieder ein Übernahmeinteresse an dem französischen Konkurrenten unterstellt. Der Vorstand hat stets betont, dass es sich vor allem um eine finanzielle Beteiligung handele. Durch die laufende Übernahme von Ceconomy durch den chinesischen Onlinehändler JD.com haben sich die Rahmenbedingungen jedoch grundlegend geändert – und damit womöglich auch die strategischen Ziele auf dem französischen Markt.

Mit Auflagen belegt

Sollte die Übernahme wie geplant im ersten Halbjahr abgeschlossen werden und Ceconomy in chinesische Hände wandern, wäre indirekt schließlich JD.com Großaktionär an Fnac Darty. Die Beteiligung für die Chinesen böte theoretisch eine Gelegenheit, den Fußabdruck in Frankreich zu vergrößern; Ceconomy ist dort derzeit nicht mit Filialen präsent, Fnac Darty wiederum nicht in Deutschland.

Doch es könnte auch genau andersherum laufen. So spricht einiges dafür, dass die Übernahme von Ceconomy durch JD.com Křetínský bei seinem Vorhaben, Fnac Darty zu übernehmen, vielmehr in die Hände spielt. Der Hintergrund: Die französische Regierung hat eine schützende Hand über die Führungsstruktur von Fnac Darty gelegt. Sie hatte der Übernahme des Ceconomy-Anteils durch JD.com zwar zugestimmt, das aber mit Auflagen belegt.

Die Chinesen mussten demnach unter anderem einwilligen, ihre Beteiligung nicht weiter auszubauen. Der französische Finanz- und Wirtschaftsminister Roland Lescure sagte im Radiosender France Inter zudem, dass JD.com „keinen Einfluss auf die Geschäftsführung“ bekäme und auch „keinerlei Mitspracherecht in der Unternehmensführung“ hätte. Das ist keine Sonderregel für die Chinesen, sondern galt zuvor auch schon für Ceconomy und für Křetínský.

„Ein Vertrauensverhältnis aufgebaut“

Für den Tschechen könnte diese Blockade von JD.com somit eine gute Gelegenheit sein, nun selbst die Mehrheit zu übernehmen. Zu dem Übernahmeangebot Křetínskýs will sich Ceconomy auf Nachfrage nicht äußern, weil bislang noch kein Angebot vorliege, das bewertet werden könne. Weitere Großaktionäre von Fnac Darty sind der französische Vermögensverwalter ICG und der spanische Vermögensverwalter Cobas, die jeweils knapp zehn und fünf Prozent der Anteile halten.

Mit VESA Equity Investment, einer Tochtergesellschaft von Křetínskýs Beteiligungsgesellschaft EP Group, habe man im Laufe der Jahre „ein Vertrauensverhältnis aufgebaut“, wurde in der Pressemitteilung von Fnac Darty der Geschäftsführer Enrique Martinez zitiert. Dies habe insbesondere die Übernahme der italienischen Elektronik- und Haushaltsgeräte-Handelskette Unieuro im Jahr 2024 ermöglicht.

Martinez begrüßte vor diesem Hintergrund das Vorhaben seines größten Aktionärs, das ein abermaliges Bekenntnis zur längerfristigen Konzernstrategie darstelle. Die Einreichung des Übernahmeangebots bei der Finanzmarktaufsichtsbehörde ist vor Ende des ersten Quartals 2026 vorgesehen.

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