Flugzeugträger, Zerstörer, Kampfflugzeuge
So massiv rüsten die USA vor Iran auf
Trump droht mit einem Militärschlag gegen Iran, sollten die Verhandlungen scheitern. Karten und Satellitenbilder zeigen die größte Mobilisierung amerikanischer Luft- und Seestreitkräfte seit der Invasion in den Irak 2003.
Die Vereinigten Staaten mobilisieren ihre Kräfte vor einem möglichen Militärschlag gegen Iran: Zwei Flugzeugträger, mehrere Zerstörer und eine Vielzahl von Kampfflugzeugen bilden Donald Trumps „massive Armada“ im Nahen Osten. Anzeichen für eine größere Stationierung von Bodentruppen gibt es bislang nicht. Der amerikanische Präsident hatte dem Regime in Teheran mehrfach mit militärischer Gewalt gedroht, sollte es zu keiner Einigung in den derzeit laufenden Verhandlungen kommen. An diesem Donnerstag werden die Gespräche zwischen Washington und Teheran in Genf fortgesetzt, die Verhandlungen gehen in die womöglich entscheidende Runde.
Trump befürwortet nach eigenen Angaben zwar eine diplomatische Lösung, warnt andernfalls aber vor „wirklich schlimmen Dingen“, die passieren würden. Die „New York Times“ berichtete zuletzt unter Berufung auf Berater des Präsidenten, dass Trump zunächst einen begrenzten Angriff in Erwägung zieht. Ziele könnten demnach die Revolutionsgarden, Nuklearstandorte oder das ballistische Raketenprogramm Irans sein. Militärvertreter sagten der Zeitung jedoch auch, dass die Vereinigten Staaten nicht über die erforderlichen Streitkräfte und Munition in der Region für eine längere Militärintervention verfügten.
Zwei amerikanische Flugzeugträgerkampfgruppen wurden in den Nahen Osten verlegt. Die USS Abraham Lincoln erreichte bereits Ende Januar den Indischen Ozean. Mitte Februar wurde auch die USS Gerald R. Ford, der größte amerikanische Flugzeugträger, in Richtung Nahost beordert. Zuvor war der Träger in der Karibik an dem amerikanischen Angriff auf Venezuela beteiligt. Vor wenigen Tagen legte die Gerald R. Ford auf der griechischen Mittelmeerinsel Kreta an; offenbar zur Versorgung des Schiffs. Von dort kann der Flugzeugträger innerhalb eines Tages den Nahen Osten erreichen; die Passage durch den Suezkanal führt ins Rote Meer.
Flugzeugträger sind schwimmende Luftwaffenbasen, von denen Kampfflugzeuge in kurzer Zeit ihr Einsatzgebiet erreichen können. Die Abraham Lincoln kann mehr als 60 Flugzeuge transportieren, die Gerald R. Ford mehr als 75. Sie werden begleitet von Zerstörern und U-Booten. Diese sollen die Flugzeugträger schützen, Aufklärung leisten oder weitreichende Angriffe durchführen, etwa mit Tomahawk-Marschflugkörpern. Die amerikanische Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS) zählt insgesamt 16 große US-Kriegsschiffe in der Region; das ist demnach die größte Mobilisierung der amerikanischen Marine seit Beginn des Irakkrieges im Jahr 2003.
Die Vereinigten Staaten hatten bereits vor der Mobilisierung Kampfflugzeuge im Nahen Osten stationiert. Zu den zentralen Stützpunkten zählen die Muwaffaq Salti Air Base in Jordanien und die Prince Sultan Air Base in Saudi-Arabien sowie Standorte in Qatar und Kuwait. Nun verstärkt Trump die Luftwaffe im Nahen Osten massiv.
Laut der Military Air Tracking Alliance, eine Gruppe von Open-Source-Analysten, haben mehr als 100 Kampfflugzeuge ihre Stützpunkte in den USA und Europa in Richtung Nahost verlassen, darunter F-35, F-22 und F-15. Die Flugzeuge der Typen F-35 und F-22 zählen zu den modernsten Fliegern der Amerikaner; sie sind nur schwer vom feindlichen Radar zu entdecken, verfügen über Mittel zur elektronischen Kriegsführung und Aufklärung, können Angriffsmissionen durchführen und andere Flugzeuge eskortieren.
Die F-15 könnte zur Verteidigung gegen mögliche Gegenschläge eingesetzt werden; bei einem iranischen Großangriff auf Israel 2024 haben sie laut der US-Luftwaffe eine zentrale Rolle bei der Abwehr von mehr als 80 Angriffsdrohnen gespielt. Dazu wollen die Amerikaner offenbar zusätzliche Aufklärungsflugzeuge vom Typ AWACS, also fliegende Radarsysteme, im Nahen Osten stationieren. Laut dem „Wall Street Journal“ ziehen die Vereinigten Staaten in der Region die größte Luftwaffe seit der Irak-Invasion zusammen.
Auf mehreren Basen in Europa sowie auf dem Atoll Diego Garcia im Indischen Ozean sind zudem zahlreiche Luftbetankungsflugzeuge stationiert. Mit ihnen lässt sich nicht nur die Einsatzdauer taktischer Verbände verlängern, sie ermöglichen auch den Einsatz von strategischen Bombern aus den USA. Die berüchtigten B-2 Spirit, die 2025 im Zwölftagekrieg iranische Atomanlagen mit bunkerbrechenden Bomben attackierten, befinden sich laut amerikanischen Medien in höchster Alarmbereitschaft.
Seit Jahresbeginn wurden auch zahlreiche militärische Transportflüge registriert. Eine Auswertung der Flugbewegungen von schweren amerikanischen Transportflugzeugen am 18. Februar zeigt eine Luftbrücke, die von Basen und Depots in den Vereinigten Staaten und Europa bis zu den US-Stützpunkten in Jordanien, Saudi-Arabien, Kuwait und Qatar reicht.
Auch wenn diese Daten nur die Flugbewegungen mit eingeschalteten Transpondern abbilden, zeigen sie ein klares Muster: Personal und Material werden in großer Zahl in die Region verlegt. Dazu zählen neben Munition und Ersatzteilen auch Luftverteidigungssysteme. Auf Satellitenbildern sind zusätzlich installierte Patriot- und THAAD-Systeme zu sehen – mutmaßlich in Vorbereitung auf einen iranischen Gegenschlag mit ballistischen Raketen. Teheran hat US-Stützpunkte in der Region im Fall eines Angriffs zu „legitimen Zielen“ erklärt.
Die USA verfügen über zahlreiche Militärstandorte im Nahen Osten. Bereits im Zwölftagekrieg hatte Iran zur Vergeltung die Al Udeid Air Base südwestlich von Doha attackiert; die Schäden waren gering, auch weil Washington laut Trump von Teheran vorgewarnt wurde.
Fachleute warnen, dass Iran seitdem sein Arsenal an ballistischen Raketen wieder rasant ausbaut: „Die Iraner haben sich auf eine enorme Massenproduktion vorbereitet“, sagte Fabian Hinz, Fachmann für Raketentechnologie am International Institute for Strategic Studies, der F.A.Z. Viele amerikanische Stützpunkte liegen in Reichweite Irans.
Source: faz.net