Flugausfälle DROHEN: Crews dieser Lufthansa streiken den gesamten Donnerstag

Passagiere der Deutschen Lufthansa müssen sich für Donnerstag auf einen Streiktag mit zahlreichen Flugausfällen einstellen. Denn gleich in mehreren Tarifkonflikten kommt es zu Ausständen. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cocpit (VC) und die Flugbegleitergewerkschaft UFO haben separate Aufrufe für Streiks beziehungsweise Warnstreiks veröffentlicht. Die Ausstände sollen sich über den gesamten Tag erstrecken, auch Frachtflüge sollen betroffen sein.

Die Anlässe für die Ausstände sind unterschiedliche. Die Vereinigung Cockpit ruft Piloten im Tarifkonflikt um die Höhe der Arbeitgeberleistungen für die betriebliche Altersvorsorge zum Streik auf. UFO will einen Sozialplan-Tarifvertrag für die Tochtergesellschaft Lufthansa Cityline, deren Betrieb auslaufen soll, erreichen. „Die Geschäftsführung verweigert Verhandlungen über einen tariflichen Sozialplan, obwohl klar ist, wohin die Reise geht“, sagte Harry Jaeger, der Leiter Tarifpolitik der Gewerkschaft UFO.

Zudem kämpft UFO für Änderungen der Arbeitsregelungen im Manteltarifvertrag der Kernmarke Lufthansa. „Es ist offensichtlich geworden, dass Lufthansa gar nicht daran denkt, unseren Forderungen zu einem neuen Manteltarifvertrag entgegenzukommen. Im Gegenteil: Das Management ist entschlossen, das Schutzniveau der Arbeitsbedingungen unter dem Strich abzusenken“, sagte Jaeger zum bisherigen Gesprächsverlauf. Eine Dienstplanung an den gesetzlich zulässigen Sicherheitslimits führe zu Übermüdung durch Belastung. „Wenn Arbeitsbedingungen zur Stellschraube gemacht werden, um Beschäftigte gefügig zu halten oder Zugeständnisse zu erzwingen, überschreitet das eine Grenze“, sagte Jaeger. UFO erklärte, man sie für sofortige weitere Verhandlungen offen, „sobald Lufthansa bereit ist, ihre Blockadehaltung aufzugeben“.

Piloten fordern mehr Geld für Altersvorsorge

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit fordert derweil Anpassungen am derzeitigen System zur betrieblichen Altersvorsorge. Das war 2017 umgestellt worden, bis dahin gab es vom Arbeitgeber garantierte Auszahlungen, seitdem sind garantierte Einzahlungen geregelt. Da die Anlage über einen Fonds aber schwache Renditen brachte, bemängeln Piloten finanzielle Einbußen.

Lufthansa zahlt aktuell 5,2 Prozent für Einkommen bis 96.600 Euro – dieser Betrag markiert die Bemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung – ein. Für Einkommen darüber wird vom Arbeitgeber das Vierfache geleistet. Die VC hatte gefordert, die Vervierfachungsregel auf weitere Gehaltsteile auszudehnen. Zudem sollte Ende 2025 eine Extraeinzahlung durch Lufthansa erfolgen, und für VC-Mitglieder sollten 1000 Euro zusätzlich im Jahr in den Fonds fließen.

Jens Ritter, der Chef der Kernmarke Lufthansa hatte die Forderungen zurückgewiesen, da sie „mehr als eine Verdoppelung“ der bisherigen Leistungen zur Folge hätten. Angesichts des zuletzt defizitären Betriebs der Kernmarke, die sich aktuell auf einem Sanierungskurs befindet, seien „keinerlei Mehrbelastungen“ möglich. Die wären sogar nach Gewerkschaftsberechnungen erheblich. So hatte die VC im Herbst erklärt, dass Lufthansa im Falle eines monatlichen Grundgehalts von 10.000 Euro und 3000 Euro Zulagen bislang 820 Euro für einen Piloten in die Altersvorsorge einzahle, künftig wären es „zirka 1800 Euro mehr im Monat“.

Konflikte schwelen seit Monaten

Angesichts der verhärteten Fronten hatte die Vereinigung Cockpit schon im vergangenen September die rund 5000 Piloten der Kernmarke Lufthansa und der Frachtgesellschaft Lufthansa Cargo in einer Urabstimmung über einen möglichen Arbeitskampf abstimmen lassen. Nach damaligen VC-Angaben hatten sich 88 Prozent der teilnehmenden Piloten für einen Streik ausgesprochen, in der Frachtsparte waren es gar 96 Prozent.

Dennoch setzte die Gewerkschaft auf weitere Gespräche, obwohl die Verhandlungen schon für gescheitert erklärt worden waren. „Wir hätten eine Eskalation sehr gern vermieden“, schrieb VC-Präsident Andreas Pinheiro nun am Dienstagabend auf dem Netzwerk Linkedin. Lufthansa habe aber ein eingeräumtes Zeitfenster, um doch noch zu einer verhandlungsfähigen Lösung zu kommen, nicht genutzt. Insgesamt sieben Verhandlungsrunden seien ohne greifbares Ergebnis geblieben, erklärte Arne Karstens, der Sprecher der Tarifkommission. „Zu keinem Zeitpunkt lag ein Angebot der Arbeitgeberseite vor, das unser Anliegen in irgendeiner Weise aufgegriffen hätte.“

Strategie mit neuen Tochtergesellschaften sorgt für Ärger

UFO ruft ohne Urabstimmung zum Warnstreik auf, verweist aber darauf, dass sich bei der Tochtergesellschaft Cityline 98,3 Prozent der Teilnehmer in einer Mitgliederbefragung für einen Ausstand ausgesprochen hätten. Schon im vergangenen Herbst hatte UFO beklagt, dass Gespräche über eine tarifliche Gesamtlösung für die Flugbegleiter der Kernmarke Lufthansa sowie der Ableger Lufthansa Cityline, Lufthansa City Airlines und Discover Airlines zu keinem Ergebnis geführt hätten.

Derweil scheint das Ende der Tochtergesellschaft Cityline besiegelt. In den jungen Betrieben City Airlines für Städteverbindungen und Discover für Urlauberflüge soll nach Angaben, die Lufthansa im Herbst auf einem Kapitalmarkttag für Investoren machte, die Produktivität der Besatzungen letztlich um bis zu 30 Prozent über den Werten für die Kernmarke liegen. „Nun bleibt uns nur, klassische Gewerkschaftsarbeit zu machen: Airline für Airline, Tarifvertrag für Tarifvertrag“, erklärte der UFO-Vorsitzende Joachim Vázquez Bürger schon im Herbst. Der Warnstreikaufrufe dürften als eine Folge der damaligen Worte zu verstehen sein.

Am Dienstag hatte der Lufthansa-Konzern bekanntgegeben, dass die neue Gesellschaft City Airlines nun erstmals auch das Drehkreuz Frankfurt bedient. Bis zum Herbst soll die Flotte am dortigen Flughafen auf sieben Flugzeuge vom Typ Airbus A320 wachsen. Bislang sind 13 Flugzeuge der 2024 gegründeten Betriebseinheit am Lufthansa-Drehkreuz in München stationiert.

Für Passagiere ist kaum zu erkennen, mit welcher Gesellschaft sie fliegen, weil City Airlines voll in den Lufthansa-Flugplan integriert ist und auch keine eigenen Tickets verkauft. Die Außenlackierung der Flugzeuge unterscheidet sich nur dadurch, dass bei City Airlines hinter Lufthansa das Wort „City“ angefügt ist. Auch die Tochtergesellschaft Discover ist eng mit der Kernmarke verzahnt, hat auch einst von der bediente Urlauberstrecken übernommen. Zum Verdruss von VC und UFO hatte Lufthansa für das Discover-Personal Tarifverträge mit der Gewerkschaft Verdi geschlossen.

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