Es war ein professioneller Auftritt von Papst Leo XIV. bei der „fliegenden Pressekonferenz“ von Beirut nach Rom am Dienstagnachmittag. Während einer knappen halben Stunde beantwortete er Fragen zu den beiden Stationen seiner ersten Auslandsreise – in die Türkei und Libanon – sowie zu wichtigen welt- und kirchenpolitischen Themen. Gut die Hälfte der Fragen beantwortete der Papst in seiner englischen Muttersprache, die übrigen – fast ebenso eloquent – auf Italienisch und Spanisch.
Für deutsche Katholiken dürfte vor allem die Antwort Leos auf eine Frage zum Synodalen Weg von Interesse sein. Zunächst machte der Papst klar, dass sich die deutschen Katholiken seit 2019 auf eine Art Sonderweg begeben hätten, der freilich nur einer unter vielen im Prozess der sogenannten Inkulturation weltkirchlicher Dogmen nach nationalen oder sprachlichen Besonderheiten sei. Dieser Weg weise einerseits „große Ähnlichkeiten“ mit dem 2021 von Papst Franziskus angestoßenen Prozess der Weltsynode auf, zeige aber auch „einige deutliche Unterschiede“, führte Leo aus. Er forderte die deutschen Katholiken auf, sich weiter „im Dialog und im Zuhören“ zu üben. Dieser Appell war erkennbar an die Führung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gerichtet.
Die „Stimmen der Mächtigen“
Leo hob hervor, dass viele Katholiken in Deutschland im Vorpreschen der DBK-Führung nicht ihre „eigenen Hoffnungen für die Kirche“ widergespiegelt sähen. Es war dies eine unverblümte Parteinahme des Papstes für das vermeintlich konservative Kirchenvolk in Deutschland gegenüber der progressiven Kirchenführung.
Die „Stimmen der Mächtigen“ – also der DBK-Führung – dürften nicht „die Stimmen derer zum Schweigen bringen oder unterdrücken, die zwar zahlreich sind, aber keine Möglichkeit haben, sich zu äußern“, warnte der Papst. Anders als sein Vorgänger Franziskus spricht XIV. bei seinen öffentlichen Auftritten nie, wie ihm „der Schnabel gewachsen“ ist.
Als nächste Ziele für Auslandsreisen nannte er Afrika, namentlich Algerien, wo der „Brückenbau zwischen der christlichen und muslimischen Welt“ im Mittelpunkt stehen werde. In Algerien wolle er die Wirkungsorte des Heiligen Augustinus von Hippo (354 bis 430) besuchen. Leo XIV. gehört dem Augustinerorden an, der sich auf den Kirchenvater Augustinus bezieht.
Leo hofft auf einen „gerechten und dauerhaften“ Frieden
Auf Afrika vorausschauend und im Rückblick auf seine erste Auslandsreise in zwei muslimisch geprägte Länder sagte der Papst, er habe mit seinem Besuch zeigen wollen, „dass Dialog und Freundschaft zwischen Muslimen und Christen möglich sind“. Gerade Libanon könne die Welt lehren, dass Muslime und Christen in gegenseitigem Respekt „zusammenleben und Freunde sein können“.
Als weitere künftige Reiseziele für 2026 oder 2027 nannte der Papst seine „zweite Heimat“ Peru, wo er rund 25 Jahre seines Erwachsenenlebens verbracht hat, sowie Uruguay und Argentinien – das Heimatland seines Amtsvorgängers, der nach seiner Papstwahl 2013 nie wieder argentinischen Boden betreten hatte.
Mit Blick auf die Ukraine und den Nahen Osten äußerte Leo die Hoffnung, dass ein „gerechter und dauerhafter Friede“ möglich sei. Die Friedensbemühungen von Präsident Donald Trump begrüßte der Papst prinzipiell, mahnte aber eine Einbeziehung der Europäer bei den Gesprächen mit Russland an.
Leo gönnt sich einen Ruhetag
Er versicherte, die Diplomaten des Heiligen Stuhls im Nahen Osten würden sich weiter dafür einsetzen, „dass die einzelnen Parteien die Gewalt einstellen und sich zum Dialog an einen Tisch setzen“. Mit Sorge äußerte sich Leo zu den Spannungen zwischen den USA und Venezuela. Er warnte vor einer militärischen Operation, gar einer Invasion in dem südamerikanischen Land. „Ich glaube, es ist besser, nach Wegen des Dialogs zu suchen, vielleicht auch Druck auszuüben – einschließlich wirtschaftlichen Drucks –, um Veränderungen herbeizuführen, falls die USA das erreichen wollen.“
Auf die Frage, wie er das Konklave im Mai erlebt habe, bekannte der Papst, als sich nach dem zweiten Wahlgang eine Mehrheit der Stimmen für ihn abzeichnete, habe er erst einmal „tief durchgeatmet“. Und dann im stillen Gebet gesagt: „Es geht also los, Herr. Bestimme du den Weg und führe mich!“ Sein Plan, demnächst in Rente zu gehen, habe sich damit zerschlagen, sagte der Papst. Immerhin ließ er am Mittwoch die übliche Generalaudienz ausfallen und begab sich zu einem Ruhetag in die Papstresidenz nach Castel Gandolfo.
Source: faz.net