Flick wütet – „Es war ein Deutscher, danke Deutschland!“

Der FC Barcelona unterliegt in der Champions League Atlético Madrid. Trainer Hansi Flick will das nicht auf sich beruhen lassen. Der Deutsche wütet, es wird eine Abrechnung in zwei Akten. Im Mittelpunkt: ein Landsmann.

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Es hatte sich eine Menge Wut bei Hansi Flick angestaut. Und offensichtlich musste sie raus. Der 61-Jährige machte jedenfalls kein Hehl daraus, dass er mit der Leistung der Schiedsrichter ganz und gar nicht zufrieden war.

Nach der Niederlage in der Champions League seines FC Barcelona haderte er mit Schiedsrichter Istvan Kovacs aus Rumänien und dessen Team. Beim enttäuschenden 0:2 vor eigenem Publikum gegen Atlético Madrid stießen dem ehemaligen Bundestrainer insbesondere zwei Szenen sauer auf: der Platzverweis von Verteidiger Pau Cubarsi (44. Minute) sowie ein aus Flicks Sicht zu Unrecht nicht gegebener Elfmeter nach der Pause. Was folgte, war also eine denkwürdige Abrechnung in zwei Akten.

Der erste war das Interview mit dem spanischen Sender „Movistar“, da nahm Flick quasi Fahrt auf. „Ich weiß nicht, es könnte eine Rote Karte sein oder auch nicht“, sagte Flick über den Platzverweis, der die bittere Schlappe im Hinspiel des Viertelfinals mit seiner Notbremse einleitete: „Ich bin mir nicht sicher, ob er den Ball ausreichend berührt hat. Der Ball war hinter ihm.“ Direkt danach traf Julian Alvarez per Freistoß zur Führung für die Gäste. Später erzielte Alexander Sörloth den 2:0-Endstand.

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Der rumänische Schiedsrichter Kovacs hatte Cubarsi erst Gelb gezeigt, aber nach VAR-Prüfung in der 44. Minute auf glatt Rot korrigiert. Als Videoschiedsrichter war Christian Dingert aus Deutschland im Einsatz.

Szenen wie an einem „Kirmesfamilientag“

Der frühere Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer widersprach Flick dagegen bei der Roten Karte von Cubarsi und ordnete diese im ZDF als vollkommen regelkonform ein. Den Ex-Unparteiischen störte etwas anderes: dass der Monitor in Barcelona auf der Seite der Trainerbänke angebracht war. Kinhöfer nannte dies „amateurhaft“ und verwies auf die Bundesliga, wo der Monitor auf der anderen Seite des Rasens aufgestellt wird. Wie im Camp Nou bei der Sichtung der Videobilder auf Referee Kovacs eingeredet wurde, erinnerte Kinhöfer an „einen kleinen Kirmesfamilientag“.

Besonders gestört hatte sich Flick dann an einer Szene in der 55. Minute. Atléticos Verteidiger Marc Pubill hatte einen ausgeführten Abstoß am eigenen Fünfmeterraum wieder in die Hand genommen und sich zurechtgelegt (54.). Das Schiedsrichter-Gespann ließ aber weiterspielen.

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Für Flick war es ein strafbares Handspiel. „Ich verstehe nicht, warum der VAR nicht eingreift. Es ist normal, Fehler zu machen, aber in solchen Situationen – wozu haben wir denn den VAR? Das hätte ein Elfmeter und die zweite Gelbe, also die Rote Karte sein müssen. Das darf nicht vorkommen“, sagte Flick: „Wenn der Torwart den Ball spielt, und er ihn mit der Hand berührt hat – komm schon. Das ist doch so klar! Ich weiß einfach nicht, warum der VAR da nicht einschreitet! Ich bin mir nicht sicher, warum.“ Bereits im Spiel hatten sich die Katalanen über die Entscheidung lauthals beschwert.

Im Interview wandte sich Flick dann direkt an den deutschen Videoschiedsrichter Christian Dingert. „Also, er ist ein Deutscher“, begann Flick den Satz und sagt dann auf Deutsch in die Kamera: „Hallo!“ Nachdem es beim Interviewer einen kurzen Lacher gab, fügte er – nun auf Englisch – an: „Das ist doch unglaublich. Das ist unglaublich.“

Alle würden Fehler machen, polterte Flick weiter, „das ist normal. Wir machen Fehler. Aber wozu haben wir einen VAR?! Warum?! Wozu haben wir einen VAR?! Ich kann es nicht verstehen, denn normalerweise ist das ein Elfmeter und eine Rote Karte. Zwei Gelbe sind eine Rote“.

Flick war in seinem Furor nicht zu bremsen

Im spanischen Fernsehen versuchte sich unterdessen der ehemalige spanische Top-Schiedsrichter Mateu Lahoz an einer Erklärung, auch um Flick den Wind aus den Segeln zu nehmen. „Der Verteidiger hat die Situation missverstanden“, sagte der 49-Jährige, „und hat daher den Ball in die Hand genommen. Obwohl die Regeln die Vergabe eines Elfmeters vorsehen, wird eine solche Aktion auf diesem Niveau in der Regel als natürliche Reaktion angesehen, daher verstehe ich, warum kein Elfmeter gepfiffen wurde.“

Flick aber war in seinem Furor nicht zu bremsen. Nachdem er beim Sender „Moviestar“ fertig war, wetterte er in anderen Interviews weiter gegen die Entscheidung. Anschließend nahm er auf der Pressekonferenz Platz, der zweite Akt seiner Abrechnung. Dort sagte Flick: „Der VAR war sehr auf Atlético ausgerichtet. Es war ein Deutscher, danke Deutschland.“ Dabei grüßte er in den Raum. Abschließend erklärte er: „Es ist besser für mich und für die Schiri, wenn ich nicht weiter über ihn spreche. (…) Und es war auch für uns beide besser, dass wir nicht gesprochen haben.“

Einiges an Zunder also für das Rückspiel, das am kommenden Dienstag (21.00 Uhr, im Sport-Ticker der WELT) in Madrid ausgetragen wird. Möglicher Gegner im Halbfinale ist der FC Arsenal, das sein Hinspiel 1:0 bei Sporting Lissabon gewann.

pk

Source: welt.de

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